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Mobile Marketing mit Augmented Reality? Tipps, Tricks und Ideen!

Mobile Marketing mit Augmented Reality? Tipps, Tricks und Ideen!

Lesezeit: 9 Min | Autor: Claudia Kiani

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Wenn es um die neusten Trends im Online-Marketing geht, darf Augmented Reality nicht fehlen. Bereits seit dem großen Erfolg von Pokémon Go im Sommer 2016 haben viele Marketer die Technologie auf der Watchlist, doch oft fehlten Ideen und konkrete Use Cases, um eigene AR-Projekte umzusetzen. Mit sieben Use Cases für Mobile Marketing mit Augmented Reality möchte ich euch erste Inspiration liefern, die Lust auf den Einsatz innovativer Technologien im Marketing machen.

Mit GoogleAR können Marken ihre Produkte als 3D-Modell in den Suchergebnissen präsentieren.

Mit GoogleAR können Marken ihre Produkte als 3D-Modell in den Suchergebnissen präsentieren.

 

Augmented Reality? Was ist das eigentlich?

Im Gegensatz zu Virtual Reality, wo Nutzer mit einer VR-Brille vollständig in virtuelle Welt abtauchen können, bleibt uns bei Augmented Reality die reale Welt erhalten und wird um digitale Elemente ergänzt. Dafür benötigen wir passende technische Hilfsmittel: Mit Google Glass, Microsoft Hololens und der Magic Leap gibt es für diesen Zweck schon erste AR-Brillen, die Modelle sind jedoch noch weit vom Massenmarkt entfernt und werden derzeit eher im Rahmen verschiedener Industrielösungen eingesetzt. Für das Marketing sind sie aufgrund ihrer geringen Reichweite derzeit kaum relevant. Heißt das also, wir müssen uns für AR-Marketing noch einige Jahre gedulden?

Nein, müssen wir nicht. Augmented Reality lässt sich glücklicherweise auch mit dem Smartphone oder dem Tablet erleben, sodass AR-Marketingmaßnahmen aktuell vorwiegend im Bereich des Mobile Marketings stattfinden. Indem AR-Software das Bild der Smartphone- oder Tablet Kamera um 3D-registrierte und im bestem Fall Echtzeit-interaktiven Elemente erweitert, ergeben sich hier spannende Einsatzmöglichkeiten. Wie sich Augmented Reality ganz konkret zur Erfüllung von Marketingzielen einsetzen lässt, möchte ich anhand der folgenden sieben Use Cases demonstrieren:

Mit Augmented Reality die Reiselust wecken

Um Lust auf Fernreisen zu machen, hat die Lufthansa als Teil einer Preiskampagne auf die AR-Funktion der App Shazam gesetzt. Die sogenannten Walk-in Ads öffnen virtuelle Portale, mit denen sich Reisedestinationen virtuell erleben lassen. Dafür müssen Nutzerinnen und Nutzer lediglich auf eine Ad innerhalb von Shazam klicken, ohne zusätzlichen App-Download landen sie dann in der Augmented-Reality-Experience. Dafür erscheint auf dem Smartphone-Display ein virtuelles Tor, wenn dies mit dem Handy in der Hand durchschritten wird, findet man sich auf einer virtuellen Aussichtsplattform in New York wieder und kann die Aussicht im 360-Grad-Blickwinkel erleben. Unterstützt wird das visuelle Erlebnis durch atmosphärische Soundeffekte.

Die Aufmerksamkeit der User ist Lufthansa mit diesem ungewöhnlichen Werbemittel wohl sicher, so sticht die AR-Ad deutlich aus dem Pool an bekannten Anzeigenformaten hervor, vor allem da bis dato noch wenig Konsumenten mit AR-Werbung in Kontakt gekommen sind. Inwiefern die AR-Anwendung geeignet ist, um User damit zur Flugbuchung zu konvertieren, blieb bisher jedoch unbeantwortet.

Virtuell shoppen mit einer AR-App

Auch im E-Commerce hat Augmented Reality eine zunehmend steigende Daseinsberechtigung. Vor allem wenn es um Produkte geht, bei denen Fotos und Videos nicht ausreichen, um sie vollständig darzustellen, kann AR helfen. So ermöglicht es OTTO mit der AR-App yourhome, Möbelstücke digital im eigenen Zuhause auszuprobieren. Mithilfe der Smartphone-Kamera berechnet die App die Raummaße in Bezug auf das Produkt, sodass aus dem zweidimensionalen Kamerabild ein maßstabsgetreuer, dreidimensionaler Raum zum Einrichten entsteht. Darin können Kaufwillige dann die gewünschten Objekte platzieren, um Proportionen zu prüfen, verschiedene Stellmöglichkeiten auszuprobieren oder zu beurteilen, ob die neue Stehlampe wirklich so gut in die geplante Wohnzimmer-Ecke passt, oder eben nicht. Auch Amazon ermöglicht ein vergleichbares Nutzungserlebnis mit der Amazon AR View Home App und bietet Möbel, Elektronikprodukte, Haushaltsgeräte und Spielzeuge als 3D-Objekte an, die sich virtuell im eigenen zu Hause platzieren lassen:

Augmented Reality in den Google-Suchergebnissen

Seit der Ankündigung von Google-Managerin Aparna Chennapragada bei der Entwicklerkonferenz I/O im Mai 2019 wissen wir, dass die Suchmaschine am Einsatz von Augmented Reality in den Suchergebnisseiten (SERPs) arbeitet. Verschiedene Marken haben bereits erste Use Cases der neuen AR-Funktion im Rahmen des Mobile Marketings geschaffen. Sucht man beispielsweise auf dem Smartphone nach dem SUV-Modell „XT6“ der Automarke Cadillac, bietet Google die Option „in 3D ansehen“ und das Auto lässt sich virtuell vor die eigene Garageneinfahrt parken und kann dreidimensional von allen Seiten aus betrachtet werden. Dies eröffnet Marken die Chancen, potenzielle Käufer schon frühzeitig emotional an das Produkt zu binden, indem sie es bereits direkt in die eigene Lebenswelt der Konsumenten einbinden. Nicht zu vergessen der positive Nebeneffekt einer erhöhten Sichtbarkeit in den SERPs durch den „In 3D ansehen“-Button.

Um das AR-Feature von Google zu nutzen, müssen 3D-Modelle der eigenen Produkte hochgeladen werden, durch Hinzufügen eines Code-Snippets werden sie dann für Google auffindbar. Ob es das 3D-Modell dann in die Suchergebnisse schafft oder nicht entscheidet aktuell der Algorithmus des Konzerns.

 

Screenshot von GoogleAR in den SERPs

Screenshot von GoogleAR in den SERPs

Feuer frei für AR-Couponing

Einen kreativen Anlauf in Sachen Augmented Reality startete Burger King im vergangenen Jahr in Brasilien. Für die AR-Kampagne „Burn that Ad“ stattete Burger King seine App mit einem AR-Feature aus. Richteten Nutzer*innen die Frontkamera im Smartphone auf das Logo der Konkurrenz ging diese in Flammen aus. Als Belohnung für ein virtuell-abgefackeltes McDonalds-Billboard gab es anschließend einen Gutschein-Code für einen kostenosten Whopper Burger beim nächsten Restaurantbesuch. Ziel der Kampagne war es, die neue Bezahlmethode per Smartphone in Brasilien bekannt zu machen.

Virtual Try-Ons mit Augmented Reality

Während Facebook und Instagram Augmented Reality bereits in ihre Plattformen integriert haben, testet mittlerweile auch YouTube mit „Virtual Try-ons“. Die Kosmetikmarke L’Oreal zählt derzeit zu den Versuchskaninchen der neuen Funktion und bietet Kundinnen die Möglichkeit, im oberen Teil eines Splitscreens ein Schminktutorial zu sehen, während sie in der unteren Hälfte des Bildschirms die Lippenstifte virtuell selbst auszuprobieren können.

L’Oreal setzt seit dem Kauf des auf AR- und KI-Spezialisierten Unternehmens ModiFace im Jahr 2018 verstärkt auf Virtual Try-Ons, über eine Augmented Reality können L’Oreal Kundinnen und Kunden beispielsweise verschiedene Makeup- und Haarfarben an sich selbst ausprobieren. Ziel des AR-Einsatzes ist neben einer erfolgreichen Produktberatung auch die Steigerung der Markenbindung und -bekanntheit, in dem die virtuellen Try Ons einfach via Social Media geteilt werden können. Die App ist nicht nur für Nutzer*innen zu Hause, sondern auch auf Tablets vor Ort in Stores verfügbar, um die Hemmschwelle zum App-Download zu senken.

AR-Filter in Social Media

Im Social Media Marketing werden AR-Filter immer beliebter.  Vorreiter war hier lange Zeit Snapchat, aber Facebook folgt auf dichtem Fuße. AR-Filter können für witzige und überraschende Effekte in Selfies sorgen und Fotos um Produkte, Film- oder Werbefiguren erweitern. Der Schlüssel zu eigenen AR-Filtern heißt Spark AR, eine von Facebook entwickelte Software, die selbst für Laien und Anfänger schnell zu verstehen ist. Ein Beispiel für Augmented-Reality-Marketing mit AR-Filtern lieferte Netflix zum Start der zweiten Staffel Stranger Things:

Der Unterhaltungsfaktor von AR-Filtern ist groß und führt dazu, das Nutzer*innen aktiv mit der Werbung interagieren und die Ergebnisse im besten Fall noch weiterverbreiten. Besonders in Kombination mit Influencer Marketing können AR-Filter zu einem wahren Awareness-Magneten werden. Influencer können hierbei die erstellten Filter der Marken verwenden, um so auch visuell auf das besagte Produkt, Dienstleistung oder ein Event aufmerksam zu machen.

Mit Augmented Reality die richtige Größe finden

Eine praktische AR-Anwendung bietet die DHL-Packset-App, die dem Kunden dabei hilft, die richtige Paketgröße zu finden. Wahrscheinlich stand jeder schon einmal vor der Frage, ob die „S“-Größe ausreicht oder doch lieber als „M“-Paket verschickt werden soll. Indem der Kunde mit seiner Kamera den Gegenstand, den er verschicken möchten, scannt, kann Augmented Reality nun weiterhelfen: Die AR-Funktion blendet die verschiedenen Paketgrößen ein, sodass leicht ersichtlich wird, ob diese beispielsweise zu klein ist und der Gegenstand herausragen würde. Ist das richtige Paketmaß gefunden, lässt sich die Versandmarke direkt mobil buchen und die Bestellung kann in einer eFiliale der Deutschen Post abgeschlossen werden.

Eine ähnliche AR-Anwendung bietet auch Nike an und vermisst die Füße des Users, um ihm die korrekte Schuhgröße vorzuschlagen. In diesem Anwendungsbereich überzeugt Augmented Reality vor allem dadurch, dass sie dem Kunden das Kauferlebnis weiter erleichtern.

Fazit: Ein guter Zeitpunkt für Augmented-Reality-Marketing

Aktuell starten immer mehr Marken erste Gehversuche in Sachen Augmented-Reality-Marketing, denn der Zeitpunkt ist denkbar günstig: Zum einen wird die Erstellung von AR-Inhalten immer einfacher, so können einfache AR-Anwendungen bereits mit gängigen Assets wie Texten, Bildern und Videos erzeugt werden, die volle Wirkungskraft entfalten sie jedoch mit 3D-Modellen. Das macht die Technologie nicht nur für das Konsum- sondern auch für das Industriegütermarketing reizvoll, da geeignete Daten hier in vielen Fällen bereits vorliegen.

Entscheidend für den Marketing-Erfolg ist jedoch vor allem die steigende Verbreitung sowie eine verbesserte Usability: Wo früher noch ein App-Download notwendig war, gibt es heute immer mehr Möglichkeiten für browserbasierte AR-Maßnahmen, die sich beispielsweise direkt in Social Media integrieren lassen. Hier können Marken aktuell besonders von der Neuheit der Technologie profitieren, da sich Konsumenten an dem neuen Format noch nicht satt gesehen haben. Ein weiterer Vorteil ist die aktivierende Wirkung von Augmented Reality, die Usern statt passiven Konsum die Möglichkeiten bietet, sich intensiv mit der AR-Anwendung auseinander zu setzen. Die Technologie bietet also viel kreatives Potenzial, um Nutzerinnen und Nutzer auf neuen Wegen zu erreichen. Das Augmented Reality in den nächsten Jahren eher an Relevanz gewinnen als verlieren wird zeigt sich natürlich auch daran, dass die Tech-Giganten Apple, Google und Facebook die Entwicklungen rund um AR zunehmend forcieren.

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