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360°-Content im Videomarketing

360°-Content im Videomarketing

Lesezeit: 5 Min | Autor: Gerhard Schröder

4 Anwendungsfälle für 360°-Content im Videomarketing

Immer mehr Plattformen machen 360°-Content immer leichter verfügbar. Im Browser, auf dem Tablet und dem Smartphone oder mit der VR-Brille auf der Nase – keiner muss sich mehr mit nervigen Plug-Ins herumschlagen, um 360°-Content bequem und adäquat zu betrachten. Stattdessen trägt heute fast jeder ein ideales Abspielgerät in der Hosentasche.

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Aber wozu taugt diese außergewöhnliche Darstellungsform konkret? Ganz allgemein eignet sich 360°-Content perfekt dazu, eine Umgebung realistisch und in Gänze abzubilden. 360°-Video lohnt, sobald in dieser Umgebung etwas interessantes geschieht. Aber wie nutzt man diese außergewöhnliche Darstellungsform im Marketing? Diese vier Beispiele zeigen dir, wie du 360°Videocontent effektiv in deinen Marketingmix integrieren kannst.

1. Recruiting

Einen interessanten Arbeitsplatz zu vermarkten ist nicht leicht: Die Annonce bei der OnlineJobbörse, die Anzeige in der Zeitung oder das Plakat auf der Jobmesse – nichts wird der Sache so wirklich gerecht, keines dieser Medien vermittelt einen direkten Eindruck davon, was den potenziellen Bewerber in seinem neuen Job erwartet.

Wenn man ihm oder ihr doch nur einen kleinen Vorgeschmack davon geben könnte, wie es sich anfühlt, den riesigen Bagger zu fahren, den Kran in 150 Metern höhe zu steuern, unter Wasser Rohre zu verschweißen und, und, und …

Zu solchen Spezialfällen gehört auch die Arbeit in einem Bergwerk: In 700 Metern Tiefe kommen hier schwere Geräte zum Einsatz, um das Salz aus der Erde zu sprengen und an die Oberfläche zu transportieren.

Jugendliche für eine der zahlreichen Ausbildungen unter Tage zu begeistern sollte da eigentlich nicht schwer fallen – ist es aber. Denn wer noch nie in einem Bergwerk unterwegs war, dem ist der Reiz und das Abenteuer der Arbeit unter Tage nur schwer zu vermitteln.
Dazu würde für K+S ein 360°-Video mit 3D-Sound erstellt, das versucht, die Arbeit unter Tage begreifbar zu machen.

Hier ein kurzer Zusammenschnitt des Videos, das den Zuschauer in seiner langen Version zunächst im Förderkorb unter die Erde bringt und ihn dort sogar an das Steuer eines riesigen Schaufelladers setzt:

Mit der VR-Brille ist das Erlebnis natürlich noch intensiver und die Erfahrung zeigt, das schon die alleinige Präsenz einer VR-Brille am Messestand mehr Leute heranlockt, als es Plätzchen und Kaffee oder gratis Schlüsselanhänger jemals vermochten.

2. Virtueller Showroom

Bleiben wir beim Messe-Szenario, wechseln aber das Ziel unserer Marketingmaßnahme: Anstatt Interessenten zu finden, die für unsere Firma arbeiten möchten, versuchen wir nun, das Publikum von unseren Produkten zu überzeugen.
Auch hier sind wieder die beiden Faktoren gegeben: Eine interessante Umgebung in der sich etwas sichtbar abspielt. In diesem Beispiel sehen wir zwei Labors – eines traditionell, das andere vollautomatisiert.

Beide Locations, insbesondere die vollautomatische Anlage, sind zu groß und zu komplex, um sie auf dem Messestand aufzubauen. Auf dem Messestand wurden dann 360Grad-Videos auf einer VR-Brille präsentiert.


Wer keinen virtuellen Showroom auf seinem Messestand hat, der kann 360°-Videos genau umgekehrt verwenden und die Werbetrommel für den eigenen Messeauftritt rühren. Anstatt etwas via 360°-Video auf die Messe zu holen, bringt man den Messestand selbst in einem 360°-Video an den Zuschauer, der nicht auf der Messe ist.

Vielleicht lockt man so den einen oder anderen zusätzlichen Messebesucher an, präsentiert aber zumindest die eigene Ausstellung einer breiteren Öffentlichkeit. Für Cisco wurde dies in kürzester Zeit realisiert: Ein Kamerateam hat den Messestand innerhalb von einer Stunde mit 360°-Fotos abgelichtet und das Bildmaterial sofort an das „OverNight-„Team für die Postproduktion verschickt, das daraus innerhalb weniger Stunden einen virtuellen Video-Rundgang mit eingeblendeten Zusatzinformationen zu den Ausstellungsstücken hergestellt hat.

3. Dokumentation

Wie bereits Eingangs erwähnt wurde: 360°-Content ist besonders gut darin, interessante Umgebungen abzubilden. Der unverstellte Blick, bei dem kein Kameramann für den Zuschauer entscheidet, was er wie lange betrachtet, und aus welchem Winkel, ist besonders dann attraktiv, wenn große Ereignisse dokumentiert werden sollen, vom Rockkonzerten bis zur Großbaustelle.

Wavin, Hersteller von Kunststoff-Rohrsystemen für die Trinkwasserversorgung und Abwasserversorgung, dokumentierte mithilfe von 360-Grad-Videos den Bau eines neuartigen Entwässerungssystems auf einer Baustelle für ein Wohnquartier in Hellwinkel-Wolfsburg. Damit konnten Architekten und Städteplanern gezeigt werden, was das Entwässerungssystem für das zukünftige Wohnquartier bedeutet. Und das nicht nur persönlich vor Ort, sondern auch via Facebook Ads-Targeting.

4. Infotainment

Auch Informationen lassen sich in Viertüllen 360°-Umgebungen vermitteln. Für den Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft wurde ein 360-Grad-Video hergestellt, die zeigt, wie man spielerisch den sphärischen 360°-Raum dazu benutzen kann, um Inhalte zu strukturieren und Neugier beim Zuschauer herzustellen.

Einmal im Monat wählt der Stifterverband eine „Zahl des Monats“, eine statistische Kennzahl aus dem Bereich der Wirtschaft, Forschung oder Innovation. Schon in der Vergangenheit viele solcher Videos aufbereitet, jedoch immer in „traditioneller“ Form. Dieses Beispiel aber zeigt, dass es auch anders geht.

Anstatt, wie eine Powerpoint-Präsentation, nach und nach die Informationen auf Tafeln einzublenden, wird unser Blick hier clever über die ganzen 360° gelenkt und die Informationen in verschiedene Richtungen verbreitet. Auch hier gilt wieder: Der Zuschauer hat in der Hand, wie lange er sich mit welcher Zahl und ihrer Erklärung beschäftigen will, indem er einfach in die entsprechende Richtung blickt.

Fazit

Wie man leicht an diesen vier Beispielen sehen kann sind Form, Inhalt und Produktionsaufwand bei 360°-Content ähnlich skalierbar, wie man es vom üblichen Foto-/Videocontent kennt. Besonders wenn es darum geht, Umgebungen realistisch abzubilden und erfahrbar zu machen, führt inzwischen kein Weg mehr an dieser immersivsten aller Darstellungsformen vorbei. In Zukunft wird der Zugang noch einfacher und der Verbreitungsgrad von 360°-Content noch höher werden. Daher lohnt es sich, diese neue Möglichkeit im Hinterkopf zu behalten und sie in den eigenen Kommunikationsmix einzufügen.