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New Work: 5 Herausforderungen, die auf digitale Leader warten

New Work: 5 Herausforderungen, die auf digitale Leader warten

Lesezeit: 10 Min | Autor: Holger Hartmann

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Was ist New Work?

Das Konzept New Work wurde durch den austro-amerikanischen Sozialphilosophen Frithjof Bergmann und seine Ideen zu einer neuen Art von Arbeitswelt salonfähig. Die Bezeichnung New Work ergibt sich aus der heutigen Konsequenz der Globalisierung und Digitalisierung und welche Auswirkungen diese Konsequenzen auf die Arbeitswelt haben.

Die Arbeitswelt erfährt seit Beginn der Digitalisierung, der steigenden Konnektivität bzw. dem Zeitalter des Internets einen grundlegenden Wandel. New Work ist der Inbegriff für diese Transformation. Die Globalisierung, sowie der demographische Wandel sind der Treibstoff für den Wandel der Arbeitswelt.

Obwohl der Begriff und die Idee dahinter nicht neu sind, sind sie heutzutage von noch größerer Relevanz für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, insbesondere für die Generation der Millennials. Junge Arbeitnehmer wollen schließlich sinnstiftende Arbeit und flexible Arbeitsweisen, Arbeitgeber aber wie eh und je erhöhte Produktivität. Und plötzlich kommt die Digitalisierung um die Ecke und sagt: “Jetzt bekommt ihr alle eure Chance!”

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Moderne Technik sowie digitale Informations- und Kommunikationswege ermöglichen es, die Arbeitsatmosphäre eben anders zu gestalten als es noch vor Jahrzehnten möglich war: Zuhause, im Café, am Strand; im Pyjama, Anzug oder in Badehose; per Laptop, Smartphone oder mit dem Notizblock – ganz egal! Wichtig ist nur das Ergebnis. Oder?

Ganz so einfach ist die Umsetzung dann leider doch nicht. Zwar fördert New Work das Selbst- bzw. Mitgestalten der eigenen Arbeitsatmosphäre, aber dadurch entstehen ebenso neue Herausforderungen für die Unternehmenskultur, die Zusammenarbeit und die internen Prozesse.

Welche Möglichkeiten gibt es also, um kreativen Spielraum und sinnstiftende Arbeit zu fördern? Und welchen Herausforderungen wirst Du als digitale Führungskraft dabei früher oder später begegnen? Schauen wir uns das doch mal im Detail an!

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„Das Konzept hinter New Work ist kein Prozess, kein Programm, sondern eine Frage der Kultur, der Haltung gegenüber der Arbeit und Führung seines Teams.”

Holger Hartmann

Welche Herausforderungen erwarten Dich bei New Work?

1. Mobile Office und Gleitzeit

Mobile Office einschl. Home Office (der Unterschied besteht einzig darin, ob man von daheim aus oder bspw. im Park, im Restaurant etc. arbeitet) und Gleitzeit gelten als große Benefits für … jeden! Du kannst Deine Arbeit flexibel einteilen, auf den frühen Morgen oder den späten Nachmittag verlegen und dann arbeiten, wenn Du Dich selbst am ehesten in der Lage dazu siehst. Manche fühlen sich abends produktiver, andere nutzen gerne den Vormittag und möchten nachmittags frei haben. Und das egal von wo aus. In der Theorie klingt das traumhaft!

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„Der klassische „Nine-to-Five-Job“ wird es in der Zukunft nicht mehr geben. Die Arbeitswelt, wie wir sie kennen, verändert sich!”

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Schwierig wird es erst, wenn es um die Terminfindung, um Verfügbarkeit und Erreichbarkeit geht. In einem Unternehmen zu arbeiten heißt nun mal, im Team zu arbeiten. Also muss es auch einen zuverlässigen Kommunikationsfluss geben, der zeitnah stattfindet, damit jedes Bindeglied im Team überhaupt arbeiten kann.

Die nächste Herausforderung stellt sich dann bei der Frage nach der Unternehmenskultur: Wie stärkt man den Teamzusammenhalt, wenn man sich selten sieht? Und wann ist das Unternehmen überhaupt für die Kunden erreichbar? Denn wenn Dein Kundenberater lieber nachts arbeitet und tagsüber schläft, wird die Erreichbarkeit für Deine Kunden relativ schwierig.

Wie kannst Du diese Herausforderungen lösen?

  • Es braucht Kernarbeitszeiten, an die sich das Team hält und in denen das Unternehmen für die Kunden erreichbar ist.
  • Transparenz ist das A und O: Kalender müssen gepflegt und das Team rechtzeitig benachrichtigt werden, wenn sich jemand beispielsweise am Nachmittag Gleitzeit nimmt.
  • Regelmäßige Teamevents, die den sozialen Zusammenhalt fördern und jeden einzelnen mit ins Boot nehmen, sind wichtig. Da reicht nicht nur die jährliche Weihnachtsfeier, auch alltägliche Dinge wie gemeinsames Mittagessen stärken das Teamgefühl.

Du solltest also Regelungen, Commitments und Kompromisse mit Deinem Team schaffen: Beispielsweise wöchentliche Treffen, um Neuigkeiten auszutauschen; ein regelmäßiges gemeinsames Mittagessen in der Woche; Regelungen, wie oft man pro Woche im Mobile Office sein darf; individuelle Gutzeitkonten, etc. Dein Team wird schnell merken, dass diese Regelungen für alle von Bedeutung sind und jeder davon profitiert.

Unabhängig davon können aber auch online Absprachen gehalten werden, wenn sich jemand im Mobile Office befindet. Mittlerweile gibt es genug digitale Tools, die die Kommunikation vereinfachen, z. B. Slack, Skype oder Google Hangouts. Das alles erfordert jedoch einen Invest seitens Arbeitgeber: Laptops müssen bereitgestellt werden, eine ganze IT-Infrastruktur vorhanden sein, die von überall auf der Welt erreichbar ist. Sowas umzusetzen braucht seine Zeit und funktioniert nicht von heute auf morgen.

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„Vertrauen ist in Zeiten von New Work unabdingbar!”

Holger Hartmann

Was es aber vor allem braucht, ist das Vertrauen der Arbeitgeber in die eigenen Mitarbeiter. Der Schritt muss gewagt werden, aber ich kann Dir sagen: Es lohnt sich!

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2. Querdenker

Um im Zeitalter der Digitalisierung innovative Lösungen für seine Kunden zu entwickeln, braucht ein Unternehmen Querdenker, die über den Tellerrand hinausblicken und Schemata, Prozesse, Ziele und Ideen kritisch hinterfragen. Dabei wirst Du Dich zwangsläufig auch mal auf Diskussionen einlassen müssen, aber nur indem Dir widersprochen wird, profitierst Du von dem Wissen, der Erfahrung und der Weitsicht Deiner Mitarbeiter. Menschen widersprechen nicht, weil es ihnen Spaß macht, sondern weil sie von bestimmten Ansichten überzeugt sind. Du musst herausfinden, ob diese Überzeugung auf soliden Argumenten beruht. Der große Vorteil ist, dass Du dadurch Grenzen pushen kannst und Innovationen für Deine Kunden erzeugst.

Manchmal fehlen aber vielleicht auch Informationen, die das Verständnis Deines Teams erschweren. Dann liegt es an Dir, dieses Verständnis für bestimmte Entscheidungen zu schaffen. Einfach immer nur die Chefkarte ziehen ist jedenfalls selten sinnvoll und führt langfristig zu einem geringeren Vertrauen der Mitarbeiter in Deine Entscheidungen.

3. Feedbackkultur

Um im Unternehmen querzudenken, braucht es also das Feedback der Mitarbeiter, die ihre Gedanken, Ideen, aber auch Zweifel oder Sorgen offen mitteilen. Selbstverständlich gibt es immer Mitarbeiter, die sich hiermit schwerer tun, um nicht anzuecken. Aber gerade dann muss der Raum geschaffen werden, um das Feedback einzuholen. Das kann anonym passieren oder durch offene Gespräche. Wichtig ist, dass man als digitale Führungskraft zuhört, das positive Feedback und die Kritik aufnimmt, sich zu Herzen nimmt und sorgfältig abwägt, wie viel man davon umsetzen kann.

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„Beim Konzept New Work ging es Bergmann um eine Art der modernen Führung, die in Zukunft von Augenhöhe und Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern, von mehr Coaching und weniger Ansage geprägt ist. ”

Holger Hartmann

Hier spielt dann auch die Fehlerkultur eine wichtige Rolle. Digitale Führungskräfte müssen offen sein für Fehler, sowohl für die der Arbeitnehmer als auch für die eigenen. Nach dem Motto “Try, Fail, Learn, Repeat” lassen sich Erfahrungen machen, aus denen wichtige Learnings gezogen werden können. Indem im Unternehmen offen über diese Fehler und Erfahrungen gesprochen wird, können anschließend Prozesse optimiert werden, die zu neuen Erfolgen führen.

Ebenso solltest Du konstruktives Feedback zurückgeben und dabei helfen, dass sich Deine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterentwickeln können. Was uns zur nächsten Herausforderung führt.

4. Rollenfindung

In flexiblen, dynamischen Unternehmen machen Kompetenzrangeleien keinen Sinn – wenn sie denn überhaupt irgendwo Sinn machen. Klar braucht es Führung, um die Ziele nicht aus den Augen zu verlieren, aber Talente brauchen ebenso Spielraum, um sich zu entfalten und weiterzuentwickeln. Die Möglichkeit, seine eigene Rolle zu definieren und regelmäßig den dynamischen Anforderungen der Branche und den eigenen Wünschen und Zielen, die mit der Zeit dazukommen oder sich verändern, anzupassen, sind für viele junge Arbeitnehmer eine willkommene Chance. Du kennst das bestimmt: Heutzutage will sich niemand mehr langfristig festlegen. Da ist es nur verständlich, dass das Einfinden in neue Rollen zugunsten der sinnstiftenden Arbeit zur Tagesordnung gehört.

Als digitale Führungskraft liegt es aber auch an Dir, zu erkennen, welche Talente Deine Mitarbeiter haben, wo sie sich zukünftig selbst sehen und ob neue Rollen und Verantwortlichkeiten auch objektiv zu ihren Fähigkeiten passen. Manchmal steht die subjektive Wahrnehmung leider nicht im Einklang mit der tatsächlichen Eignung. Das heißt nicht, dass Wünsche einfach abgeschmettert werden sollten. Gib Deinen Mitarbeitern die Chance, sich zu beweisen, am Besten mehrmals. Falls der Erfolg aber langfristig nicht abzusehen ist, erkennen sie im Idealfall selbst, dass ihre Talente vielleicht doch bei einer anderen Rolle liegen.

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5. Ergebnisorientiertes Arbeiten

Eigentlich geht es Kunden ja nicht um verkaufte Stunden, sondern um das Ergebnis und den Mehrwert, der daraus gezogen wird. Wieso dann nicht auch ergebnisorientiert arbeiten? Wenn die Leistung und die Ergebnisse, die Deine Mitarbeiter liefern, den Ansprüchen der Kunden gerecht werden und sie bestenfalls sogar übertreffen, spielt die Zeit, die zur Erreichung dieser Ziele genutzt wurde, eigentlich keine Rolle. Warum sollte man dann wöchentliche Arbeitsstunden erfüllen müssen und überhaupt Stunden intern erfassen? Ist das Controlling im Hinblick auf New Work noch zeitgemäß?

Hier stehen typische betriebswirtschaftliche Prozesse im krassen Gegensatz zu den Leitgedanken von New Work. Wenn Dein Arbeitnehmer tolle Arbeit leistet und Deadlines einhält, warum sollte es Dich dann interessieren, ob er oder sie für die Arbeit 6 Stunden oder 8 Stunden gebraucht hat, solange der materielle oder immaterielle Wert angemessen durch Kunden entlohnt wird? Klar, wenn nur 6 Stunden gebraucht wurden, könnten die anderen 2 Stunden am Tag anderweitig produktiv eingesetzt werden. Aber auf diese Weise kann man sich schnell auch bei fragwürdigen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen verlieren, die keinen nennenswerten Mehrwert liefern – weder für Kunden noch für Dein eigenes Unternehmen.

Zugegeben: Für diesen Punkt gibt es also (noch) keine optimale Lösung, denn Wertschöpfung ist gerade in einer Branche, die viele immaterielle Güter produziert, häufig umstritten. Umso schwieriger ist die Begründung für das Pricing, wenn allein der immaterielle Wert als Grundlage dienen soll. Aber vielleicht hilft die bewusste Auseinandersetzung mit diesem Widerspruch, um eine Sicht auf Produktivität zu entwickeln, die sich mehr an Ergebnissen und Mehrwerten orientiert statt an bloßen Zahlen.

Fazit

Klingt schwieriger als Du erwartet hättest? Verständlich. Denn wenn Du New Work in Deinem digitalen Unternehmen angehen möchtest, wirst Du schnell merken, dass es für manche Herausforderungen zwar einfache Lösungen gibt, für viele jedoch nicht.

Als Digitalagentur, die ihren Fokus auf Social Media legt, arbeiten wir nun seit ca. drei Jahren mit den Leitgedanken von New Work. Dabei machen wir auch heute noch neue Erfahrungen, für die wir Wege und Mittel finden möchten, um die Arbeit für unser rund 20-köpfiges Team gleichermaßen sinnstiftend sowie produktiv zu gestalten. New Work ist also nichts, was man über Nacht mit einer Checkliste einführen und durchsetzen kann. Es braucht seine Zeit, es müssen Dinge ausprobiert und Fehler gemacht werden, Prozesse optimiert, Diskussionen geführt, Hindernisse aus dem Weg geschaffen werden. Es kostet Zeit, Kraft, Investitionen. Manchmal wird es mühselig und Du wirst Zweifel hegen, ob es das wert ist, aber genau dann solltest Du weitermachen und Dich reinhängen.

Denn New Work trägt nicht nur zu einer besseren Arbeitsatmosphäre im Betrieb bei, sondern auch zu einer erstrebenswerten Work-Life-Balance sowohl der Arbeitnehmer als auch der Arbeitgeber. Letztendlich profitiert das Unternehmen auch davon, denn ein glückliches Team ist logischerweise motivierter und arbeitet dementsprechend auch effizienter.

Falls Du New Work nun auch in Deinem Unternehmen einführen möchtest, wünschen wir Dir und Deinem Team viel Erfolg und vor allem viel Spaß!

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