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Wie branchenabhängig ist der Traffic-Anteil der klassischen alternativen Suchmaschinen?

Wie branchenabhängig ist der Traffic-Anteil der klassischen alternativen Suchmaschinen?

Lesezeit: 10 Min | Autor: Dennis Hirsch

Marktanteil von Google in Deutschland branchenübergreifend

Laut einer Datenerhebung von statcounter.de lag der Marktanteil von Google in Deutschland 2018 bei 98,45 %. Abgeschlagen dahinter folgen Bing (0,57 %), Yahoo (0,38 %) und DuckDuckGo (0,42 %). Hierzu muss gesagt werden, dass der Marktanteil von Google in den letzten Jahren nicht gefallen ist. Im Gegenteil: Der Vorsprung von Google wurde kontinuierlich ausgebaut (2016 hatte Google einen Marktanteil von 93,6 %).

Woran liegt das?

Abgesehen von Googles und Chromes Popularität als eigenständige Browser gibt es einen weiteren Vorteil, der den Unterschied zu Bing und Co. ausmacht: Android. Die Google-Suchfunktion ist mittlerweile auf den meisten Smartphones vorinstalliert und macht es uns Nutzern so einfach wie nur möglich. Der Anteil der mobilen Suchanfragen steigt immer weiter und hat die Desktopanfragen mittlerweile überholt, weshalb Google auch bei dem Gesamtmarktanteil zugelegt hat. Um seine Suchmaschinenoptimierung bestmöglich zu gestalten, sollte man seinen Horizont erweitern und auf die anderen Suchmaschinen zurückgreifen.

Wie verteilen sich die Marktanteile bei unterschiedlichen Branchen?

Im folgenden Abschnitt habe ich mir die organischen Suchanfragen verschiedener Branchen im Jahr 2018 angeschaut und sie auf die unterschiedlichen Suchmaschinen aufgeteilt (Werte wurden auf die erste Nachkommastelle gerundet).

Branche #1: Perücken

Im ersten Teil analysieren wir eine Webseite aus der Perücken-Branche. Der Großteil der Nutzer ist weiblich (knapp 75 %) und zwischen 25 und 55 Jahre alt. Das Hauptkeyword ist natürlich „Perücke“.

Wie in jeder Branche kommt auch hier der größte Teil des Traffics über Google (94 %), gefolgt von Bing mit gerade mal 3,0 %. Die weiteren Suchmaschinen haben keinen erwähnenswerten Traffic-Anteil. Bemerkenswert ist aber hier, dass der organisch generierte Umsatz „nur“ zu 90,4 % vom Google-Traffic kommt. Der durch Bing generierte Umsatz liegt bei 4,8 %, der Umsatz durch den organischen Traffic von web.de auch bei immerhin 1,5 %.

Wie viel ist ein Nutzer wert?

Der wertvollste Traffic, der auf dieser Webseite generiert wurde, kam über web.de (12,72 € pro Nutzer) und gmx.net (10,91 € pro Nutzer). Da aber die Messwerte hier zu gering sind, um wirklich relevant zu sein, lasse ich sie im weiteren Verlauf außer Acht.

 

wert pro User Branche perücke alternative suchmaschinen

Die Grafik zeigt eine Übersicht der Werte pro Nutzer aufgeteilt auf die verschiedenen Suchmaschinen.

 

Wirklich relevant ist in diesem Fall nur der Traffic von Google und Bing. Auch hier scheinen Bing-Nutzer spendabler zu sein, denn pro User über Bing kommen bei der analysierten Website 4,75 € zusammen. Beim Google-Traffic sind es nur 2,83 €.

Welches Alter nutzt welche Suchmaschine?

Hier fällt besonders schön auf, dass die jüngeren User eher auf Google zurückgreifen (61 % unter 45 Jahre), und Bing sowie t-online.de eher von den älteren Nutzern verwendet wird.

 

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Die Grafik zeigt die Altersverteilung bei den 3 größten organischen Trafficbringern zum Thema Perücke.

 

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Die Tabelle zeigt den Gesamttraffic im Jahr 2018 der alternativen Suchmaschinen im Bereich Perücken.

 

Fazit:

Wie zu erwarten, liegt der Traffic-Anteil von Google deutlich über 90 %. Dennoch hat auch Bing einen nennenswerten Anteil am Umsatz von fast 5 %. Die restlichen Suchmaschinen scheinen in der Branche noch keinen rechten Anklang zu finden (die Rankings sind auf den Hauptkeywords nahezu gleich).

Branche #2: Busreisen

Die nächste analysierte Webseite stammt aus der Busreisen-Branche. Der Großteil der Nutzer hier ist weiblich (61,4 %) und über 44 Jahre alt (69 %).

Der organische Traffic über Google liegt hier sogar unter 90 % (genau 89,2 %), gefolgt von Bing mit 6,5 % und t-online.de mit 2,2 %. Auch im organisch generierten Umsatz ist Google hier wesentlich schwächer als in anderen Branchen. Der durch Google generierte Umsatz liegt hier bei 82,5 %, also 6,7 % unter dem Traffic-Anteil. Bei Bing ist der Umsatzanteil jedoch 4,7 % höher als der Traffic-Anteil. Besonders bemerkenswert ist hier das Ergebnis der t-online-Suchmaschine. Der Traffic-Anteil liegt bei immerhin 2,2 % und der Umsatzanteil bei 2,7 %. Klar, nicht besonders hoch, aber auffällig höher als bei allen anderen (analysierten) Branchen.

Wie viel ist ein Nutzer wert?

Die Verteilung des Umsatzes ist bei der Busreisen-Webseite (meiner Meinung nach) am interessantesten. Ein Nutzer, der über DuckDuckGo kam, sorgte im Schnitt für einen Umsatz von 8,25 € (Höchstwert), gefolgt von web.de mit 7,85 € pro Nutzer. Im weiteren Verlauf kommen mit gmx.de, Bing, ask.de und t-online.de weitere Suchmaschinen, deren Nutzer zwischen 4 € und 6 € wert sind. Danach erst folgen Google (3,07 €), Ecosia (2,47 €) und Yahoo (2,17 €).

 

übersicht wert pro user busreisen

Die Grafik zeigt den Wert pro User der einzelnen Suchmaschinen im Bereich Busreisen.

 

Interessant ist hier außerdem ein Blick auf die Altersverteilung. Bei t-online.de sind 93,5 % der Nutzer über 44 Jahre alt und machen sogar 100 % des hier generierten Umsatzes und daher auch 2,7 % vom Gesamtumsatz aus. Google liegt bei der Altersverteilung sehr nah am Durchschnitt mit 66,7 % der über 44-Jährigen. Der Altersdurchschnitt bei Bing liegt mit 76,8 % jedoch wesentlich höher.

übersicht altersverteilung alternative suchmaschinen thema busreisen

Die Grafik zeigt die Altersverteilung auf die verschiedenen Suchmaschinen im Bereich Busreisen.

 

Des Weiteren ist zu erwähnen, dass 67,5 % des organischen Gesamtumsatzes von Nutzern generiert wird, die älter als 44 sind, und 47,23 % von Nutzern, die älter als 54 sind.

 

alternative suchmaschinen gesamttraffic busreisen

Die Grafik zeigt die Aufteilung des organischen Gesamttraffics zum Thema Busreisen.

 

Unter 0,5 %: Ecosia, DuckDuckGo, Ask, gmx.de

Fazit:

Der Traffic-Anteil von Google ist in der Busreisen-Branche mit 89,2 % verhältnismäßig gering und Bing mit 6,5 % überdurchschnittlich stark. Hinzu kommt, dass Bing mit 11,2 % des organischen Gesamtumsatzes ein wirklich wichtiger Faktor ist, der nicht unterschätzt werden sollte.

Der zwar geringe, aber bemerkenswerte Traffic- und Umsatzanteil von t-online.de ist hier ebenfalls auffällig. Gerade ältere Internetnutzer verwenden häufig noch die „älteren“ Suchmaschinen und sind auch bereit, Geld auszugeben.

Branche #3: Gesunde Ernährung

Die nächste Branche, die ich mir genauer angesehen habe, ist Gesunde Ernährung. Die hier analysierte Seite hatte im Jahr 2018 knapp über 450.000 organisch generierte Nutzer. Die Zielgruppe ist hier relativ ausgeglichen, aber zu knapp 65 % unter 45 Jahre alt. Der größte Teil (27,7 %) ist zwischen 25 und 34 Jahre alt. Auch hier gibt es beim Traffic „nur“ Google.

Mit 96,7 % ist Google hier die stärkste Suchmaschine, gefolgt von Bing mit 1,6 %. Ein Blick auf den Umsatz kann jedoch zu Verwunderung führen. Obwohl Google 96,7 % des organischen Traffics ausmacht, werden über diesen Kanal „nur“ 87,9 % des organisch generierten Umsatzes erbracht. Bing kommt auf ganze 6 % des Umsatzes (obwohl nur 1,6 % des Traffics) und Ecosia auch auf immerhin 3,2 % (obwohl nur 0,6 % des Traffics).

Wie wertvoll ist hier ein Nutzer?

Pro Nutzer, der über Google kommt, werden auf der analysierten Webseite im Durchschnitt 0,95 € eingenommen, was der schlechteste Wert der gemessenen Suchmaschinen ist. An der Spitze steht Ecosia mit 5,58 € pro Nutzer, gefolgt von Bing mit 3,89 € und DuckDuckGo mit 3,81 € pro Nutzer.

 

übersicht alternative suchmaschinen gesamttraffic organisch gesund ernährung

Die Grafik zeigt eine Gesamtübersicht des organischen Traffics verteilt auf die alternativen Suchmaschinen.

 

Fazit:

In diesem Fall ist ein Bing-Nutzer wesentlich mehr wert als ein Nutzer, der über Google auf die Webseite gelangt. Auch die Nutzer von Ecosia und DuckDuckGo geben im Schnitt wesentlich mehr Geld aus als die Google-Nutzer.

Branche #4: Manschettenknöpfe – Männermode

Als nächstes folgt die Analyse einer Webseite aus der Männermode-Branche mit dem Hauptkeyword „Manschettenknopf“. Die Zielgruppe ist zwischen 25 und 34 Jahre alt und zwischen Männern und Frauen relativ gleich aufgeteilt (53,8 % Männer und 46,2 % Frauen).

Wie auch hier zu erwarten, lag der organische Traffic über Google bei knapp über 95 % (genauer 95,4 %), gefolgt von Bing mit 2,7 %. Die weiteren Suchmaschinen hatten keinen nennenswerten Marktanteil.

Was hier jedoch wieder auffällt, ist die Verteilung beim Umsatz. Google kommt zwar immer noch auf 92,5 % des organischen Gesamtumsatzes, aber Bing kommt mit nur 2,7 % auf immerhin 5,3 % des Umsatzes.

Wie wertvoll ist hier ein Nutzer?

Pro Nutzer, der über Bing generiert wurde, konnten 4,06 € Umsatz aufgeschrieben werden. Darauf folgten Ecosia mit 3,38 € und Google mit 2,01 €.

 

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Die Grafik zeigt eine Gesamtübersicht des organischen Traffics verteilt auf die alternativen Suchmaschinen.

Fazit:

Da wir hier von einer verhältnismäßig jungen Zielgruppe sprechen, war ein hoher Wert des Google-Traffics zu erwarten. Bing kommt jedoch wenigstens beim Umsatz auf über 5 % und ist daher auch ein nennenswerter Faktor. Die anderen Suchmaschinen spielen hier allerdings überhaupt keine Rolle.

Branche #5: Kosmetikstudio

Um auch eine lokale Branche mit einzubeziehen, habe ich mir ein lokales Kosmetikstudio angeschaut. Da der Marktanteil bei der mobilen Suche, wie bereits erwähnt, bei über 98 % liegt (https://seo-summary.de/suchmaschinen/), bin ich davon ausgegangen, dass der Anteil der „Alternativen“ gegen Null geht.

Als Zielgruppe haben wir hier fast ausschließlich ein weibliches Publikum, älter als 45 Jahre.

Obwohl es hier um einen lokalen Anbieter geht, ist der Google-Traffic „nur“ bei 95 %, gefolgt von Bing mit 3,1 % und Yahoo mit 0,9 %. Die anderen Suchmaschinen haben keinen nennenswerten Traffic gebracht.

 

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Die Grafik zeigt eine Gesamtübersicht des organischen Traffics verteilt auf die alternativen Suchmaschinen.

 

Unter 0,5 %: Ecosia, DuckDuckGo, t-online.de, web.de

Fazit:

Obwohl es hier um ein lokales Keyword geht, liegt der Google-Traffic „nur“ bei 95 %. Zudem kamen immerhin noch 31,2 % des Traffics über Desktop, was die 95 % erklären könnte und darauf hindeutet, dass der Altersdurchschnitt der Nutzer verhältnismäßig hoch ist.

Branche #6: Online-Marketing-Weiterbildungsplattform

Als nächste Webseite habe ich die OMT-Webseite analysiert. Hier haben wir einen extremen Schwerpunkt auf 25- bis 34-jährigen Nutzern, wobei die Geschlechterverteilung sehr ausgeglichen ist.

Eigentlich könnte man meinen, Online-Marketer würden mehr zwischen den Suchmaschinen wechseln und ausprobieren. Dem ist jedoch überhaupt nicht so. Bei OMT kommen 97,2 % der organischen Nutzer über Google. Gerade mal 2,1% kommen über Bing und den Rest brauchen wir gar nicht zu erwähnen.

 

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Die Grafik zeigt eine Gesamtübersicht des organischen Traffics verteilt auf die alternativen Suchmaschinen.

 

Fazit:

Gerade Online-Marketer vertrauen komplett auf Google. Mit über 97 % der organischen Nutzer ist hier der Höchstwert der Analysen erreicht (sogar vor lokalen Branchen).

Branche #6: Fußball

Die nächste Branche, die ich analysiert habe, ist Fußball. Die Nutzer setzen sich hier zum größten Teil aus Männern im Alter von 20 bis 50 Jahren zusammen.

Auch hier ist der Traffic-Anteil von Google bei weit über 90 % (genau: 94,6 %), gefolgt von Bing mit 4,3 %. Die weiteren Suchmaschinen haben keinen nennenswerten Marktanteil.

 

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Die Grafik zeigt eine Gesamtübersicht des organischen Traffics verteilt auf die alternativen Suchmaschinen.

 

Fazit:

Obwohl wir hier von einer sehr gemischten Altersgruppe ausgehen können, hat auch hier Google einen Marktanteil von fast 95 %. Bing ist jedoch mit 4,3 % auch verhältnismäßig stark.

Gesamtfazit:

Wie erwartet, liegt der Anteil des organischen Google-Traffics fast immer bei knapp 95 %. Nur bei Branchen mit einer älteren Zielgruppe (siehe Busreisen) ist der Traffic unter 90 %. Bing ist zudem die einzige alternative Suchmaschine, die konstant hinter Google bei 2 bis 5 % Marktanteil zu finden ist.

Interessant zu sehen ist, dass der Umsatz pro Nutzer bei Bing in allen Branchen höher ist als bei Google. Zudem haben Suchmaschinen wie t-online.de und web.de immer noch einen besonderen Stellenwert, insbesondere bei Internetnutzern im Rentenalter.

Auch datenschutzorientierte Suchmaschinen wie DuckDuckGo sprechen scheinbar eher das ältere Publikum an (Perücken und Gesunde Ernährung ausschließlich DuckDuckGo-Nutzer mit einem Alter von 45 aufwärts).

An dem Beispiel „Gesunde Ernährung“ sehen wir, dass Nutzer, die sich bewusst für Ecosia entscheiden, auch wesentlich mehr auf der Webseite kaufen (im Durchschnitt). Webseiten bzw. Unternehmen, die Umwelt oder Nachhaltigkeit als Hintergrund haben, sollten daher definitiv auf Ecosia setzen.

In den untersuchten Branchen zwar nicht aufgekommen, dennoch in vielen Bereichen des WWW nicht zu unterschätzen, ist Yandex. Die russische Suchmaschine ist gerade für Webseiten mit russischer Sprachvariante enorm wichtig.

Insgesamt lässt sich sagen, dass Google in allen Branchen kurz vor einem Monopol steht. In den nächsten Jahren wird sich zeigen, inwiefern die kleineren Suchmaschinen (wie zum Beispiel Ecosia, DuckDuckGo) sich durchsetzen können und Google bei weiteren Branchen unter die 90-%-Marke fallen könnte.