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Clubhouse – nur ein Hype oder Plattform mit Marketing-Potenzial?

Clubhouse – nur ein Hype oder Plattform mit Marketing-Potenzial?

Lesezeit: 19 Min | Autor: Mario Jung

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Seit einigen Wochen kursieren in der deutschen Online Marketing Szene Gespräche und Diskussion rund um die Social Media Audio-Plattform Clubhouse! Der Hype schwappt gerade sichtlich über und seit wenigen Tagen bestimmt die Diskussion über die Plattform auch die Diskussionen auf anderen Networks wie LinkedIn, Facebook und Twitter.

Ich aktualisiere weiterhin 2 Wochen diesen Artikel, wenn ich neue Erkenntnisse habe bzw. neue Erfahrungen gesammelt habe.

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Was ist Clubhouse?

Clubhouse ist ein Social Media Audio Network. Irgendwie ein wenig wie Twitter (da sehr clean gehalten ohne viele Funktionen) nur komplett mit Audio. Das bedeutet die Nutzer schicken sich keine Bilder, Videos oder Textnachrichten, sondern unterhalten sich mit ihrer echten Stimme. Es gibt auch keine Webseite dazu, sondern das ganze läuft nur via App. Aktuell nur über Apple-Endgeräte, da sich die Plattform noch in der Beta-Phase befindet. Hinter der App stecken die beiden Gründer Rohan Seth und Paul Davison mit der Firma Alpha Exploration Co. Beide sind im Silicon Valley keine Unbekannten mehr.

Obwohl noch in der Beta-Phase, wurde die App schon 2020 mit 100 Millionen US-Dollar bewertet. Der Grund dafür war der Einstieg der Risikokapitalgesellschaft Andreessen Horowitz, die sich mit 12 Millionen US-Dollar an der Company beteiligt hat, wie das Forbes Magazine berichtet. Das interessante daran: die App hatte damals noch vierstellige Nutzerzahlen, was sich bis dato natürlich geändert hat. Auch wenn ich die aktuellen Zahlen nicht kenne, sind es dank der vielen Promis, die sich mit ihren Aufrufen an dem Wachstum beteiligen, bedeutend mehr geworden.

Seit wann gibt es Clubhouse?

Die App ist mehreren Quellen zugrunde im März 2020 gelauncht worden. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich bis zum 16.01. noch nie davon gehört hatte und auch das Gefühlt habe, dass der Hype genau an dem Wochenende nach Deutschland übergeschwappt ist.

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Wie funktioniert Clubhouse?

Der Unterschied von Clubhouse zu allen anderen Social Network liegt klar auf der Hand: Der Fokus auf Audio, sprich eine sprachbasierte Kommunikation! Deshalb reden wir hier auch von einem “Drop-in-Audio-Chat”.
Die Interaktion der User findet über Audio-Chaträume statt, die sich mit den unterschiedlichsten Themen beschäftigen. Jeder kann ein Event anlegen und bestimmen, welches Thema in einem Event behandelt wird. Das Handling ist leicht verständlich und wirklich einfach. Auch die Aufsetzung des Accounts dauert keine 3 Minuten. Bild hochladen, Bio betexten, Interessensgebiete auswählen und vielleicht noch seinen Instagram- und Twitter-Account verknüpfen. That’s it. Man kann direkt loslegen.

Clubhouse-Profil Mario Jung

Die Sessions an sich sind im Kalender gelistet und es werden die Events angezeigt, die in dem Interessensgebiet liegen, dass im Vorfeld im Profil bzw. Anmeldeprozess angegeben wurde. Um teilzunehmen, muss man einfach nur auf das Event klicken und hört zu. Spannend ist, um sich selbst zu beteiligen, kann einfach die Hand gehoben werden und mit etwas Geduld (und je nach Größe der Crowd) kann der Moderator bzw. Host denjenigen als Speaker auf die “Bühne” holen. Und Bumms… bist Du direkt an einer Stelle, um Deine Meinung vor einer spannenden Audience kundzugeben.

Normalerweise werden die Audio-Chats von dem Moderatoren geleitet, die auch entscheiden, wer wann reden darf. Die Moderatoren sind natürlich auch Verantwortlich bei Verstößen gegen die Clubhouse-Richtlinien einzugreifen.

Welche Themen werden auf Clubhouse behandelt?

Alles! Ich habe mich in den ersten Stunden natürlich um mein Steckenpferd Online Marketing bemüht. Aber es existieren auch Talks zur Bundesliga, zum veganen Leben oder zu Finanzen. Egal mit welchem Thema Du Dich beschäftigst. Auf Clubhouse wirst Du ziemlich sicher Inhalte dazu finden. Was ihr vom OMT auf Clubhouse erwarten könnt, verrate ich weiter unten im Artikel.

Wie kommt man rein?

Offiziell ist Clubhouse nicht öffentlich. Eintritt nur via Einladung. Das wirkt natürlich so, als unterlieg der Einlass strikten Reglementierungen. Da aber jeder neue Nutzer von Haus aus zwei Einladungen an die Hand bekommt, merkt mit dem Anwenden einfacher Mathematik natürlich jeder früher oder später bedient wird. Hinzu kommt, dass wenn sich jemand auf die Warteliste setzen lässt, weil er keinen Einlader hat, dass Clubhouse selbst schaut, wer hat die Nummer (Ja, Du musst Deine Telefonnummer hinterlassen, um eingeladen zu werden) in seinen Kontakten und bittet gelegentlich User, einen ihnen bekannten User reinzulassen. Ich selbst habe so in den ersten 24 Stunden schon 4 Leute zu Clubhouse reinholen können. Zudem bekommt man wohl als sehr aktiver Teilnehmer und Dauer-Host ebenfalls weitere Einladungen, die verteilt werden können.

Hier wird also klar mit dem Thema “künstliche Verknappung” gespielt, was den Eindruck hinterlässt, dass es sich hier um eine sehr elitäre Plattform handelt.

Zudem habe ich gesehen, dass auf ebay schon Einladungen für 100 € und mehr zum Kauf angeboten wurden. In einem Talk habe ich gehört, wie das jemand getestet hat, er sprach aber nur von Angeboten über 10 bzw. 20 €. Ein anderer User meinte, dass es in den USA auch schon Gebote im vierstelligen Bereich gab. Ob das stimmt, kann ich aber nicht verifizieren.

Eine weitere (wahrscheinlich nur aktuelle) Restriktion ist die Verfügbarkeit nur für bestimmte Systeme. Aktuell ist die App nur im App Store von Apple downloadbar und somit nur für iOS-Nutzer verfügbar.

Achtung: In einem Talk wurde erzählt, dass Clubhouse auch sehr darauf achtet, wer wen eingeladen hat. Vor allem im negativen Falle. Aus diesem Grund würde ich stark davon abraten, Einladungen zu verkaufen. Das bedeutet, wenn sich jemand daneben benimmt und “geflaggt” wird, dass automatisch auch der Einlader “geflaggt” wird. Ob das stimmt, habe ich noch nicht rausfinden können, auch hat sich noch niemand in den von mir besuchten Sessions daneben benommen. Deshalb fehlt mir hier noch die Erfahrung.

Laufende Session auf Clubhouse

Hier eine laufende Session, in der sich gerade 8 Speaker unterhalten!

Vorteile von Clubhouse

  • Angst vor Video
    Ich lerne immer wieder Leute kennen, die ein sehr gutes Know How haben, aber keine Lust verspüren, ihr Gesicht vor eine Kamera zu halten. Oder vielleicht auch nicht die besten Schreiber sind. Aber vielleicht ist auch der Aufwand bzw. die Verpflichtung einen Podcast aufzusetzen und dann auch aktuell zu halten nicht jedermanns Sache. Speziell für diese Menschen bietet Clubhouse jetzt eine gute Alternative. Ich selbst habe gerade an einem Talk teilgenommen, währenddessen ich mir mein Essen gekocht habe. Auf stumm geschaltet, keine Kamera an und wenn es gepasst hat bzw. ich angesprochen wurde, habe ich mich zu dem Thema geäußert.
  • Schnelles Feedback
    Da ich ja auch Podcaster bin, sehe ich gerade beide Seiten. Zu dem Thema, ob Clubhouse eine Konkurrenz zum Podcasting darstellt, äußere ich mich weiter unten noch, aber ein Vorteil gegenüber Podcasts ist auf jeden Fall, dass man sofort ein Feedback bekommt. Ich kann mich zu einem Thema äußern und wenn das jemandem nicht passt bzw. er/sie eine andere Meinung hat, kann das an Ort und Stelle ausdiskutiert werden. Gerade Podcaster*innen beklagen sich ja häufig, dass sie selten Feedback bekommen. Jetzt hast Du die Chance. Allerdings musst Du dann auch mit den negativen Elementen leben, da die Kritik Dich natürlich auch mal unangenehm berühren kann.
  • Schneller Zugang zu Experten
    Besonders spannend finde ich, dass ich relativ ungeplant (gegenüber Podcast und Radio) herangehen kann. Klar, ein zu diskutierendes Thema solltest Du natürlich parat haben. Auch die eine oder andere Frage ist sicherlich spannend. Zumindest, wenn Du eine Diskussion entstehen lassen willst. Bei einem Monolog sieht das sicherlich anders aus. Wenn Du aber eine Diskussion starten willst, kommst Du hier sehr schnell an Experten, die Du auch um deren Meinung fragen kannst. Die Show/Session kann sehr schnell mit weiteren Experten angereichert werden, weil die Räume sich sehr schnell füllen. Natürlich solltest Du die Namen der potenziellen Experten auch kennen, die sich in Deiner Branche aufhalten.
  • Schnelle Aufmerksamkeit /Expertenstatus
    Aktuell gibt es natürlich noch überschaubar viele Talks im Kalender. Genug, um sich den ganzen Tag damit zu beschäftigen, aber noch nicht genug, als dass Du mit Deinem Event im Hintergrund bleibst. Das bedeutet, auch wenn Dein Name noch nicht so bekannt ist, wirst Du trotzdem schnell viel Aufmerksamkeit und Zuhörer bekommen, die sich für das Thema interessieren. Jetzt musst Du natürlich auch inhaltlich performen, sonst sind die User schnell wieder weg. Wenn Du aber inhaltlich überzeugend bist, bietet Dir Clubhouse somit eine sehr gute Chance als Early Adopter schnell mehr Aufmerksamkeit / Expertenstatus zu erhalten.

Nachteile von Clubhouse

  • Nur für iPhone und iOS aktuell
    Wie schon mehrmals angesprochen, aktuell ist Clubhouse nur über den App Store von Apple verfügbar. Soweit ich weiß, ist Apple nicht in dem Startup involviert, so dass davon ausgegangen werden kann, dass Android-User früher oder später auch noch berücksichtigt werden. Wann? Dazu habe ich bis dato keine Auskunft gefunden. Aber um ehrlich zu sein, bei der aktuellen viralen Wirkung verstehe ich ehrlich gesagt nicht, warum das Unternehmen nicht bereits eine Android-App anbietet. Krass, wie viele User sie durch diesen Umstand verlieren.
  • Gelegentliche Serverprobleme
    Ich hatte in den ersten 36 h bei zwei Talks Serverprobleme, so dass ich nicht in die Talks reingekommen bin. Insgesamt läuft aber alles sehr flüssig. Um ehrlich zu sein, bei der Masse an Menschen, die sich hier beteiligen, habe ich lange überlegt, diesen Punkt überhaupt zu bringen.
  • Übersichtlichkeit bei zu vielen Speakern
    In einigen Chats werden teilweise zu viele Speaker zugelassen. Ich selbst habe einen Talk mitbekommen, bei dem über 20 Speaker zugelassen wurden und jeder fühlt sich ja irgendwie berufen, hier was zu sagen. Absolut verständlich. Aber wenn dann ein Thema (z.B. Corona) losgeht, wo Emotionen ins Spiel kommen und sich mehrere nicht mehr an die Anweisungen des Moderators halten, sprich durcheinanderreden, kann der Talk doch sehr schnell unangenehm werden und in Sachen Verständlichkeit und somit Qualität leiden.
  • Pitches / Plattform-Falsch-Versteher / Hetze
    Ein großes Problem ist natürlich die Kontrollierbarkeit. Einige setzen Sessions auf und nutzen das für Pitches. Ziel verfehlt. Noch schlimmer, es wird ein Talk aufgesetzt und man lässt weitere Speaker zu, die dann anfangen in Deiner Session zu pitchen. In einem Talk heute hat einer die ganze Zeit nur erzählt, was er für Kampagnen schon gemacht hat (fand ich gut) und das mit welchen Firmen (fand ich scheiße). Gefühlt wollte die Person die ganze Zeit nur zu verstehen geben, was für ein toller Player er ist und mit welchen Brands er so zusammenarbeitet. Ganz schlimm.
    Getoppt wird das ganze eigentlich nur noch von Hetze!!! Echte Hetze!!! Ich persönlich habe das zwar noch nicht erlebt, aber ich hoffe, nicht, dass irgendwann jemand in meiner Session als Speaker zugelassen wird und derjenige dann irgendwelche rassistischen oder beleidigenden Aussagen trifft. Oder irgendwelche anderen Dinge, die ich mit meinem Gedankengut nicht vereinen kann.
  • Keine Messaging-Funktion
    Einige von Euch werden wahrscheinlich sagen, das ist doch super. Man wird nicht mehr vollgespamt. Ich hatte heute den Fall, dass mich gerne jemand auf die Bühne geholt hätte. Ich wäre auch gerne dabei gewesen, aber zu dem Zeitpunkt sind meine drei Kinder mehr oder weniger auf mir rumgesprungen und waren relativ laut, so dass es mir kaum möglich war, zuzuhören. Wäre ich auf die Bühne gegangen, hätte ich der Qualität der Show sicherlich geschadet. Ich wollte aber nicht einfach nur nicht annehmen. Das fand ich irgendwie nicht gut, ohne Kommentar abzulehnen. Deshalb habe ich den Einlader auf LinkedIn gesucht und ihm dort eine Nachricht geschrieben. Es wäre einfacher gewesen, hätte ich ihm direkt über Clubhouse schreiben können.

Warum ist Clubhouse noch nicht für alle verfügbar?

Sehr kurz gedacht, denken alle Marketer direkt an das Thema “künstliche Verknappung”. Klar, liegt ja auch nahe. Eine gute Möglichkeit, um mehr Aufmerksamkeit für die App zu bekommen. Ganz im Sinne des “Clubhauses”: Wer nicht dabei ist, will reinkommen. Wer drin ist, will nichts verpassen. FOMO (“Fear of missing out”) halt. Klar, dass so der Hype geschürt wird. Jeder will rein und wenn irgendwo einer nicht reinkommt oder sogar abgelehnt wird (ich weiß gar nicht, ob das wirklich geht), sorgt das natürlich für Aufmerksamkeit.

Etwas länger nachgedacht, kann das natürlich auch noch andere Gründe haben. Aktuell ist die App ja nur für Apple-User zugänglich. Ja, wie oben schon geschrieben, kann ich auch nicht verstehen, warum das Unternehmen es noch nicht geschafft hat, zusätzlich eine Android-App auf die Beine zu stellen. Was auf der einen Seite fahrlässig wirkt, ist natürlich auf der anderen Seite auch mit der Infrastruktur zu erklären. Um genauer zu sein, mit der Schwierigkeit der Infrastruktur. Ich habe keine Erfahrung, wie es ist eine App zu bauen und am Laufen zu halten, die mehrere Millionen Menschen beherbergt. Menschen, die dauerhaft in der App sind und das teilweise über viele Stunden. Ich habe oben bei den Nachteilen schon von den kleinen Server-Problemen erzählt. Diese App muss auch am Laufen bleiben, wenn es urplötzlich einen Massenandrang gibt. Stellt Euch vor, irgendein Promi empfiehlt auf YouTube oder Instagram eine Show und auf einmal strömen Hunderttausende auf einen Schlag auf die Plattform. Das stelle ich mir schon schwierig vor. Da kann ich schon verstehen, dass sich ein Unternehmen vielleicht erstmal auf eine Technologie konzentriert, bevor dann die Android-App nachgeschossen wird.

Dazu kommt dann noch das Problem der Kontrolle. Wenn sich an einem Tag Tausende oder sogar Millionen neue Nutzer anmelden, entgleitet natürlich auch schnell die Kontrolle. Verstöße gegen Nutzerrichtlinien und die Überwachung der Themen, um nur zwei der kritischsten Themen zu erwähnen. Eine echte Herkules-Aufgabe.

Ich gehe davon aus, dass die App noch eine ganze Zeit lang in der Beta-Phase bleiben wird, bis sie sich für alle öffnet. Alleine schon, um diese ganzen “Krankheiten” im Griff zu behalten.

Auf der anderen Seite sollte sich das Unternehmen aber auch nicht zu viel Zeit lassen, weil wenn der Hype abflaut, sind vielleicht viele User verloren, die jetzt einfach hätten eingesammelt werden können.

Hat Clubhouse das Potenzial Podcast oder Radio abzulösen?

Das kann ich mir ehrlicherweise nicht vorstellen. Schon nach 4 Wochen war klar zu spüren, dass die Userzahlen zurückgegangen ist und viele nach “Nicht-Gefallen” nicht mehr wiederkommen. Trotzdem gibt es immer noch einen starken Kern, der das Format nutzt, so dass wir beim OMT auch weiterhin dabei bleiben, um nach 3 Monaten ein neues Urteil zu treffen.

Zudem bieten Podcast und Radio klare Vorteile, die Clubhouse nicht bietet.

  • Podcast: Einen Podcast höre ich “on demand”. Ich suche mir ein Thema aus und höre es, wenn es mir passt. Auf Clubhouse findet alles live statt und es wird nicht aufgezeichnet. Dort werden ähnliche Themen besprochen, wie in Podcasts und dazu auch noch mit mehreren Experten, aber wenn ich gerade keine Zeit habe, habe ich halt keine Zeit. Ich dachte eigentlich, dass die “On Demand”-Nutzung ein Trend unserer Zeit ist. Egal, ob Podcast, Netflix oder von mir aus auch Online Marketing Webinar beim OMT, Clubhouse geht hier in eine Richtung, die ich aktuell eigentlich nicht für zeitgemäß erachte.
  • Radio: Radio wird gehört, für News, gute Musik oder tiefer recherchierte Inhalte. Alle drei Formate habe ich bis dato bei Clubhouse nicht gesehen und sie passen meiner Meinung nach auch nicht zu Clubhouse. Ich persönlich höre jeden Morgen beim Sport (als Hesse) HR-Info, einen Radiosender, der mir die aktuellen Entwicklungen in der Politik oder in der Wirtschaft vermittelt. Klar, einige dieser Themen ließen sich sicher auch auf Clubhouse spielen, aber nicht mit dem gleichen Charakter.

Aus diesen Gründen glaube ich nicht, dass es perspektivisch hier die “entweder oder”-Situation gibt.

Was sind die Erfolgsfaktoren von Clubhouse?

  • Einzigartig
    Es gibt kein andere Social Media Audio-Netzwerk. Auch nach längerem Recherchieren habe ich keins gefunden. Zudem habe ich einige Kommentare gefunden, die auch sagen, dass Clubhouse in seiner Ausrichtung unique ist. Einzigartigkeit ist heutzutage sehr selten. Copycats gibt es meistens sehr schnell. Aufgrund des bereits fortgeschrittenen Stadiums würde ich aber sagen, dass nicht mehr viele Player kommen werden.
  • Aspekte der Konsumpsychologie
    Wie oben schon beschrieben, ist das nötige Einladen ein wichtiger Treiber für den aktuellen Erfolg. Die elitäre Stellung, die nach außen vermittelt wird.
  • Suchtpotenzial
    Ich lese immer wieder die Statements, dass Clubhouse süchtig macht und man gar nicht mehr vom Handy wegkommt. Ich empfinde nur bedingt so, aber kann es schon etwas nachvollziehen. Gerade, wenn man dank eines Lockdowns aktuell nicht so viel zu tun bzw. nicht so viele Möglichkeiten hat.

Ist Clubhouse eine Chance für Marketer ohne Reichweite auf anderen Communities?

Ja und nein.
Als Early Adopter, der man gegenwärtig sicherlich noch wäre, könnte man davon profitieren, dass noch nicht so viele Sessions online sind. Sicherlich sind es genug, um den ganzen Tag zu füllen, aber noch nicht genug, um in unendlichem Content unterzugehen. Überdies ist davon auszugehen, dass sich viele Nutzer sicherlich noch eher von Inhalten-, denn von bekannten Persönlichkeiten treiben lassen, bietet das hier sicherlich eine Chance selbst einen Raum zu eröffnen (Einfach über den grünen Call2Action-Button – siehe Screenshot). Natürlich müssen final auch die Inhalte stimmen. Ohne die, wird die ganze Aufmerksamkeit nichts bringen.

Start a room auf Clubhouse

Zudem kann man mit einer guten, aussagekräftigen Bio im Profil vielleicht auch die Chance erhalten, in anderen Sessions als Speaker auf die Bühne geholt zu werden. Ich selbst habe gleich in meinem ersten Talk mit knapp 350 Teilnehmern als Speaker in kürzester Zeit dreistellige Follower-Zahlen aufgebaut. Ich habe mir die User zwar nur stichprobenartig angeschaut, aber die, die ich gesehen habe, waren für mich mit meinen Zielen sehr relevant.

Auf der anderen Seite muss auch erwähnt werden, Influencer, die auf anderen Communities schon eine große Anhängerschaft haben, sind im Vorteil. Ein Post und es schwappen direkt tausende von Usern rüber, die ich so auch direkt auf einer weiteren Plattform einfangen kann. Wer mich schon etwas länger kennt, weiß, dass ich immer predige owned media (sprich eigenen Newsletter plus Webseite im Mittelpunkt) aufzubauen. Aber wenn ich in einem Kanal sehr viele Follower habe, dann sollte ich versuchen, diese auch in verschiedenen Networks einzufangen. Wenn mich dann ein Network rausschmeißt oder mir die Reichweite drosselt, habe ich diese User zumindest nicht verloren. Eine gesunde Diversifikation meiner Reichweite auf unterschiedlichen Social Networks ist hier sicherlich von Vorteil. Clubhouse bietet somit eine weitere Möglichkeit.

Inwieweit kann Clubhouse Dein Marketing beeinflussen?

  • Expertenstatus
    Auf die Steigerung des Expertenstatus bin ich weiter oben schon eingegangen. Sicherlich ist Clubhouse eine weitere gute Plattform, um den eigenen Expertenstatus bzw. die eigene Brand weiter zu untermauern. Ich bin regelmäßig in Sessions mit Hunderten von Teilnehmern.
    Wie oben schon berichtet, habe ich in meiner ersten Session direkt mehrere Hundert neuer Follower begrüßen dürfen.345 Leute in einer Session auf Clubhouse
  • Verknüpfung mit anderen Communities
    Was ich oben noch als Nachteil erwähnt habe, kann allerdings auch zum Vorteil gereichen. Es geht mir um die fehlende Messaging-Funktion. Stell Dir vor, Du machst eine AMA-Session (Ask me anything), willst aber nicht jeden x-beliebigen Teilnehmer auf die Bühne lassen. Du könntest zum Beispiel sagen, ich spreche heute über das Thema X und wenn ihr Fragen dazu habt, stellt sie mir doch einfach über LinkedIn. Da in der Session vielleicht viele sind, die Dich nicht kannten, aber eine Frage zu dem Thema haben, könnte das zu mehr LinkedIn-Kontakten führen. Wieder ein gutes Beispiel, um seine Follower auch in unterschiedlichen Plattformen einzufangen.
  • Ansprache eines neuen Zielpublikums
    Natürlich birgt jede neue Plattform auch neue Potenziale. Neue Leute, die Dich adden, bringen Dich indirekt auch wieder mit neuen Leuten in Kontakt, die Du auf anderen Communities so vielleicht nicht kennengelernt hättest. Ich rede da gerne immer von einem Vergleich mit dem Zinseszins-Effekt in der Welt der Finanzen und Investments. 10.000 Leute auf Facebook haben anderen indirekte Kontakte – etwa 10.000 Follower auf Clubhouse. Durch die unterschiedliche Interaktivität der Kontakte werden auch unterschiedliche Kontakte auf Dich aufmerksam und die Audience auf einer Plattform entwickelt sich in eine andere Richtung als die Audience auf einer anderen Plattform, was im Endeffekt zu einem größeren Zielpublikum führt. Aber, und das ist die Kehrseite der Medaille, auch zu mehr Aufwand.

Gibt es auf Clubhouse und Unternehmensseiten oder Gruppen?

Unternehmensseiten, wie wir sie von Facebook oder LinkedIn kennen, existieren nicht. Aber es gibt Gruppen oder besser gesagt Clubhouse-Clubs wie sie hier heißen. Allerdings können die nicht so einfach aufgesetzt werden, wie zum Beispiel die persönlichen Profile. Scheinbar werden diese Clubs immer noch manuell aufgesetzt und aufgrund des Hypes werden es immer mehr Requests. Aktuell gibt es die Restriktion, dass jeder nur eine Gruppe eröffnen kann und es etwas dauert, bis es soweit ist.

Clubhouse - Club

Mehr Infos gibt es hier!

Was wird der OMT auf Clubhouse veranstalten?

Natürlich haben wir uns auch etwas überlegt und wir werden die Plattform auf jeden Fall mal 3 Monate testen. Seite 4 Wochen machen wir 2-3 Mal pro Woche eine OMT-Session in der Mittagspause. Bis dato wird es auch sehr gut angenommen, wir werden aber die mittelfristige Entwicklung beobachten und hier weiter berichten. Da unter der Woche zu normalen Arbeitszeiten die Aktivität deutlich abgeflacht ist, findet man die meisten Sessions abends. Um denen aus dem Weg zu gehen, haben wir uns für eine Session in der Mittagspause entschieden und fahren damit aktuell ganz gut. Die Topics werde ich versuchen in der Session-Beschreibung schon einigermaßen vorzugeben.

Wenn ihr auch dabei sein wollt, müsst ihr auf mein Profil bei Clubhouse gehen und die “Glocke” aktivieren. Dann werdet ihr immer benachrichtigt, sobald wir eine neue Session planen oder starten.

Fazit

Clubhouse hat das Potenzial, um zu bleiben. Natürlich ist es gerade ein Hype-Thema, der aber gerade etwas abflaut. Wie sich die Plattform entwickeln wird, wenn auch eine Android- und Desktop-Version auf den Markt kommt, werden wir sehen. Das wird die Nutzerzahlen noch mal stark in die Höhe treiben und vielleicht sogar einen zweiten Hype auslösen. Natürlich profitiert die App hier auch massiv von dem aktuell bestehenden Lockdown, so dass die Menschen oft sowieso keine anderen Pläne haben und gelangweilt zu Hause sitzen.

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