Buy Now, Pay Later ist längst mehr als ein zusätzlicher Button im Checkout. Hinter dem Begriff stehen unterschiedliche Modelle: Kauf auf Rechnung, klassische Ratenzahlung, kurze Teilzahlungspläne wie Pay-in-3 oder Pay-in-4 und spezielle Angebote für Geschäftskund:innen. Für Dich als Händler:in ist deshalb nicht die Frage entscheidend, welcher Anbieter allgemein „der beste“ ist. Entscheidend ist, welche Lösung zu Deinen Warenkörben, Deinen Kund:innen, Deiner Marke und Deinen Vertriebskanälen passt. Gerade für mittelständische Händler reicht es dabei häufig nicht aus, BNPL als isolierte Zahlart zu betrachten. Relevant ist vielmehr, wie gut sich Rechnungskauf und Ratenzahlung mit dem bestehenden Payment-Setup, stationären Verkauf, Risikomanagement und internen Prozessen verbinden lassen.
Die Bedeutung dieser Entscheidung zeigen aktuelle Marktdaten. 2024 entfielen 25,8 Prozent der deutschen E-Commerce-Umsätze auf den Rechnungskauf. Der Ratenkauf beziehungsweise die Finanzierung lag bei 4,3 Prozent und hat den Umsatzanteil innerhalb von drei Jahren verdoppelt. Gleichzeitig boten 2025 bereits 85,8 Prozent der 500 umsatzstärksten B2C-Onlineshops in Deutschland den Kauf auf Rechnung an; das sind drei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Damit gehört der Rechnungskauf im deutschen Onlinehandel zum Standardangebot. (Quelle: EHI Retail Institute, „Online-Payment 2025“ (Erhebung Februar bis April 2025; Umsatzanteile für 2024) und „3. Onlineshop Report Deutschland“ (Kennzahlen 2025, veröffentlicht 2026)
Auch aus Sicht der Checkout-Optimierung lohnt sich ein genauer Blick. Die durchschnittliche dokumentierte Warenkorbabbruchrate im Onlinehandel liegt bei rund 70 Prozent. In einer Baymard-Erhebung gaben 11 Prozent der befragten US-Online-Shopper an, einen Checkout abgebrochen zu haben, weil die gewünschte Zahlungsoption fehlte. Die Werte lassen sich nicht eins zu eins auf jeden deutschen Shop übertragen. Sie zeigen aber, wie eng Zahlartenwahl und Conversion zusammenhängen. (Quelle: Baymard Institute, „Cart Abandonment Rate Statistics 2026“ und „Payment Method UX“)
Vier Zahlen, die Du kennen solltest
| 85,8 % | Anteil der 500 umsatzstärksten B2C-Onlineshops, die 2025 Rechnungskauf anboten. |
| 25,8 % | Umsatzanteil des Rechnungskaufs im deutschen E-Commerce 2024. |
| 4,3 % | Umsatzanteil von Ratenkauf und Finanzierung 2024, doppelt so hoch wie drei Jahre zuvor. |
| Rund 70 % | Durchschnittliche dokumentierte Warenkorbabbruchrate im Onlinehandel. |
Was gehört zu Buy Now, Pay Later?
BNPL beschreibt Zahlungsmodelle, bei denen Kund:innen eine Ware sofort erhalten, den Kaufpreis aber später oder in mehreren Teilbeträgen begleichen. Im Hintergrund prüft der Anbieter in der Regel die Bonität, autorisiert die Zahlung und übernimmt je nach Vertragsmodell weitere Aufgaben wie Forderungsmanagement, Mahnwesen oder Zahlungsausfallschutz.
Für Händler:innen ist diese Sammelbezeichnung manchmal irreführend. Ein Rechnungskauf mit 14 oder 30 Tagen Zahlungsziel erfüllt einen anderen Zweck als eine Finanzierung über zwölf Monate. Auch Pay-in-3 ist nicht einfach eine kürzere klassische Ratenzahlung: Häufig geht es um kleinere Warenkörbe, wenige Teilbeträge und eine besonders schlanke Customer Journey. Im B2B-Handel kommen wiederum höhere Bestellwerte, längere Zahlungsziele und komplexere Bonitätsprüfungen hinzu.
| Modell | Typisches Zahlungsziel | Geeignet für | Stärke | Worauf Du achten solltest |
| Rechnungskauf | 14–30 Tage | Fashion, Beauty, General Retail, Erstkäufe | Vertrauen und Kontrolle: erst Ware prüfen, dann zahlen | Retouren, Rechnungsprozesse, Mahnwesen und Zahlungsgarantie |
| Klassischer Ratenkauf | 3–24 Monate | Möbel, Elektronik, Sportgeräte, Home & Garden | Hohe Warenkörbe werden in planbare Monatsbeträge aufgeteilt | Zinsen, Laufzeiten, Pflichtinformationen und Kreditprüfung |
| Pay-in-3 / Pay-in-4 | Wenige Wochen oder Monate | Lifestyle, DTC, kleinere bis mittlere Warenkörbe | Einfache, kurze Teilzahlung | Transparenz der Fälligkeiten und Marktverfügbarkeit |
| B2B-BNPL | 30–90 Tage oder Raten | Großhandel, Hersteller, B2B-Shops und Marktplätze | Flexible Zahlungsziele bei sofortiger Händlerauszahlung | Unternehmensprüfung, Limits, Länderabdeckung und ERP-Prozesse |
Warum die Anbieterwahl mehr als eine Preisfrage ist
Transaktionsgebühren sind wichtig, aber sie zeigen nur einen Teil der Gesamtkosten. Eine vermeintlich günstige Lösung kann teuer werden, wenn sie viele Zahlungen ablehnt, Retouren kompliziert verarbeitet oder zusätzlichen Aufwand im Kundenservice auslöst. Umgekehrt lohnt sich ein höherer Preis, wenn die Lösung zuverlässig konvertiert, Forderungen absichert und interne Prozesse entlastet.
Vergleiche Angebote deshalb nicht nur anhand eines Prozentwerts pro Transaktion. Betrachte die gesamte Prozesskette: von der Darstellung auf der Produktseite über die Bonitätsprüfung im Checkout bis zur Auszahlung, Retoure und Kundenkommunikation. Die folgenden neun Kriterien helfen Dir dabei.
1. Passt das BNPL-Modell zu Deinen Warenkörben?
Der erste Filter ist Dein Sortiment. Beim Rechnungskauf steht häufig das Vertrauen im Vordergrund: Kund:innen können Ware erhalten, prüfen und erst danach bezahlen. Das ist besonders bei Erstbestellungen und retourenintensiven Sortimenten relevant. Bei hohen Anschaffungskosten rückt dagegen die monatliche Belastung in den Mittelpunkt. Dann kann eine klassische Ratenzahlung sinnvoller sein.
Die EHI-Studie „Online-Payment 2024“ verdeutlicht den Unterschied. Der durchschnittliche Warenkorb lag beim Rechnungskauf mit Zahlungsgarantie bei rund 145 Euro. Bei Ratenkauf beziehungsweise Finanzierung mit Zahlungsgarantie waren es 433,49 Euro. Der Wert war damit etwa dreimal so hoch. Diese Zahlen beweisen nicht automatisch, dass Ratenzahlung jeden Warenkorb erhöht. Sie zeigen aber deutlich, in welchen Kaufkontexten die Modelle genutzt werden. (Quelle: EHI Retail Institute, „Online-Payment 2024“)
Analysiere deshalb vor der Anbieterauswahl Deine eigenen Daten: durchschnittlicher Warenkorb, Preisspannen, Retourenquote, Neukundenanteil und Abbruchrate nach Produktkategorie. Ein Möbelshop braucht andere Laufzeiten und Limits als ein Fashion-Shop. Ein B2B-Händler muss wiederum berücksichtigen, dass Geschäftskund:innen oft auf Rechnung bestellen müssen und deutlich längere Zahlungsziele erwarten.
Praxisfragen
- Bei welchem Warenkorbwert beginnt Deine Abbruchrate spürbar zu steigen?
- Nutzen Kund:innen den Rechnungskauf vor allem bei Erstbestellungen oder auch bei Wiederkäufen?
- Welche Produktgruppen würden von einer sichtbaren Monatsrate profitieren?
2. Soll die Anbietermarke sichtbar sein?
Beim Checkout hast Du grundsätzlich drei Möglichkeiten: eine eigene Lösung, einen sichtbaren Drittanbieter oder eine White-Label-Lösung. Eine Inhouse-Lösung gibt Dir maximale Kontrolle, verlangt aber eigene Prozesse für Bonitätsprüfung, Finanzierung, Regulierung und Forderungsmanagement. Für die meisten Händler:innen ist dieser Aufwand zu hoch.
Gebrandete Angebote nutzen die Bekanntheit des Zahlungsanbieters. Das kann Vertrauen schaffen und die Einführung beschleunigen. Gleichzeitig findet ein Teil der Customer Journey in der Markenwelt des Anbieters statt, etwa über ein Kundenkonto, eine App oder direkte Kommunikation.
White Label verfolgt den gegenteiligen Ansatz: Die Zahlart erscheint im Look-and-Feel Deines Shops, der Dienstleister bleibt im Hintergrund. Dazu können eine eingebettete Zahlungsstrecke, händlerspezifische E-Mails und ein Kundenportal in Deiner Gestaltung gehören. Gerade bei längeren Ratenplänen entsteht daraus ein strategischer Vorteil, weil jede Abbuchungsinformation oder Zahlungserinnerung ein Kontaktpunkt mit Deiner Marke bleibt. Ein Beispiel dafür sind händlerorientierte Lösungen für Rechnungskauf und Ratenzahlung, die sich in die bestehende Payment- und Markenwelt integrieren lassen.
Das ist besonders relevant, wenn Du die Kundenbeziehung nicht nach dem Checkout an eine fremde Endkundenmarke abgeben möchtest. Prüfe deshalb nicht nur die Gestaltung des Zahlungsbuttons, sondern die gesamte Kommunikation nach dem Kauf: Rechnung, Zahlungsplan, Erinnerung, Retoure, Kundenportal und Support.
| Ansatz | Vorteil | Nachteil | Geeignet für |
| Inhouse | Maximale Kontrolle über Prozesse und Daten | Hohe Kosten, Risiko und regulatorischer Aufwand | Sehr große Händler:innen mit eigenen Finance- und Risk-Teams |
| Gebrandeter Anbieter | Schneller Start und bekannte Endkundenmarke | Teil der Kundenbeziehung verlagert sich zum Anbieter | Händler:innen, die Reichweite und einfache Aktivierung priorisieren |
| White Label | Konsistente Marke und eingebettete Customer Journey | Abhängigkeit von Qualität und Flexibilität des Partners | Mittelstand, Omnichannel und strategisch geführte Zahlarten |
3. Wie intelligent steuert der Anbieter Akzeptanz und Risiko?
BNPL verbessert die Conversion nur, wenn Kund:innen die Zahlart tatsächlich nutzen können. Eine hohe Ablehnungsquote erzeugt dagegen Frust, besonders dann, wenn die Prüfung erst nach mehreren Checkout-Schritten erfolgt und die Person anschließend zu einer anderen Zahlart zurückspringen muss.
Eine gute Risikosteuerung prüft deshalb möglichst früh und in Echtzeit, welche Optionen zu einer Transaktion passen. Abhängig von Bonität, Betrugsindikatoren, Warenkorb, Lieferadresse oder Kaufhistorie kann der Checkout die geeigneten Zahlarten dynamisch anzeigen. Kund:innen mit positiver Prüfung sehen beispielsweise Rechnung oder Ratenzahlung. Bei erhöhtem Risiko bleiben sichere Alternativen verfügbar.
Frage Anbieter nicht nur nach einer allgemeinen Akzeptanzrate. Lass Dir erklären, wie sie zustande kommt: Welche Länder, Branchen und Warenkörbe fließen ein? Kannst Du Regeln nach Produktgruppe oder Kundensegment steuern? Wie werden False Positives reduziert? Und wie schnell erhältst Du eine Entscheidung? Nur eine transparente Antwort erlaubt einen fairen Vergleich.
4. Wer trägt das Zahlungsausfallrisiko?
Bei Rechnung und Ratenzahlung entsteht eine zeitliche Lücke zwischen Warenübergabe und vollständiger Zahlung. Ohne Absicherung trägst Du das Risiko, obwohl die Ware Deinen Bestand bereits verlassen hat. Genau hier unterscheiden sich die Vertragsmodelle der Anbieter.
Beim Zahlungsausfallschutz greift die Absicherung typischerweise, wenn eine Forderung nach dem vereinbarten kaufmännischen Mahnprozess ausfällt. Beim Factoring kauft der Payment-Partner die Forderung dagegen bereits bei ihrer Entstehung oder nach dem Warenversand an. Dadurch erhältst Du den Kaufbetrag früher und unabhängig davon, wann Kund:innen zahlen. Der Partner übernimmt zusätzlich häufig Mahnwesen und Beitreibung.
| Modell | Zeitpunkt der Risikoübernahme | Bedeutung für Dich |
| Ohne Absicherung | Risiko bleibt beim Händler | Volle Marge, aber eigene Ausfälle, Mahnprozesse und Liquiditätsbindung |
| Zahlungsausfallschutz | Nach definiertem Mahnprozess | Schutz vor Ausfällen; Auszahlung kann dennoch vom Zahlungsverlauf abhängen |
| Factoring | Bei Entstehung oder Versand der Forderung | Frühe Auszahlung, planbarer Cashflow und ausgelagertes Forderungsmanagement |
Prüfe die Bedingungen genau. „Zahlungsgarantie“ bedeutet nicht automatisch, dass jede denkbare Forderung gedeckt ist. Ausschlüsse können etwa bei falschen Versanddaten, nicht eingehaltenen Prozessen, bestimmten Produktgruppen oder Betrugsfällen greifen. Entscheidend ist, ob die operativen Voraussetzungen zu Deinen Abläufen passen.
5. Wie wirken Auszahlung und Forderungsmanagement auf Deinen Cashflow?
Eine Ratenzahlung über zwölf Monate darf nicht bedeuten, dass Du zwölf Monate auf Deinen Umsatz wartest. Kläre deshalb, wann der Anbieter auszahlt: nach Bestellung, nach Versand, nach Ablauf einer Widerrufsfrist oder erst nach Zahlung der Kund:innen? Unterschiede von wenigen Tagen können bei hohem Volumen spürbare Auswirkungen auf Deinen Liquiditätsbedarf haben.
Auch Retouren und Teilstornierungen gehören in den Vergleich. Wie schnell wird eine Forderung angepasst? Muss Dein Team manuell eingreifen? Wie werden Gutschriften, Teillieferungen und Reklamationen verarbeitet? Gerade in Branchen mit hoher Retourenquote entscheidet die Qualität dieser Prozesse oft stärker über die Gesamtkosten als die reine Transaktionsgebühr.
Beim Forderungsmanagement zählt neben Effizienz auch die Kundenbeziehung. Zahlungserinnerungen sollten klar, respektvoll und inhaltlich konsistent sein. Bei White Label gilt zusätzlich: Passt die Tonalität zu Deiner Marke? Kann Dein Service den Status einer Forderung einsehen, ohne Kund:innen zwischen mehreren Ansprechpartnern hin- und herzuschicken?
6. Funktioniert BNPL online und am Point of Sale?
Viele Händler:innen verkaufen längst nicht mehr in getrennten Welten. Kund:innen informieren sich online, lassen sich in der Filiale beraten und entscheiden erst an der Kasse. Eine BNPL-Lösung, die nur im Webshop funktioniert, kann deshalb eine Lücke in der Customer Journey erzeugen.
Wie relevant die Verbindung der Kanäle ist, zeigen aktuelle EHI-Daten: 34,6 Prozent der 500 umsatzstärksten B2C-Onlineshops boten 2025 Selbstabholung beziehungsweise Click & Collect an. 29,4 Prozent ermöglichten Click & Collect mit Onlinebezahlung, 18,2 Prozent eine Bezahlung im stationären Geschäft. 15,0 Prozent ermöglichten die Rückgabe online gekaufter Ware in der Filiale. (Quelle: EHI Retail Institute, „3. Onlineshop Report Deutschland“, Kennzahlen 2025, veröffentlicht 2026)
Auch Rechnung und Finanzierung sind nicht ausschließlich ein Online-Thema. Im stationären deutschen Einzelhandel entfielen 2025 nach Berechnung des EHI rund 9,86 Milliarden Euro auf Rechnung und Finanzkauf zusammen. Das entsprach 2,0 Prozent des stationären Einzelhandelsumsatzes. Der vom EHI geschätzte durchschnittliche Einkaufsbetrag lag bei 125 Euro und damit deutlich über dem Durchschnitt aller Zahlungsarten. Die Zahl zeigt, dass diese Verfahren am POS vor allem bei höheren Warenkörben relevant sind. (Quelle: EHI Retail Institute, „Zahlungssysteme im Einzelhandel 2026“. Der Durchschnittsbetrag und die daraus abgeleitete Transaktionszahl sind Schätzwerte auf Basis von Einzelinformationen der Studienteilnehmer)
Moderner Rechnungskauf oder Ratenkauf am POS lässt sich digital und papierlos abwickeln. Typischerweise gibt das Verkaufsteam Betrag und Kontaktdaten in die Kasse oder eine App ein. Kund:innen ergänzen persönliche Daten auf dem eigenen Smartphone, die Bonitätsprüfung läuft in Echtzeit und die Zahlart wird direkt bestätigt. Danach verlassen sie die Filiale mit der Ware; die Zahlung erfolgt später per Überweisung oder Lastschrift.
Für Dich sind dabei mehrere Fragen wichtig: Nutzt der Anbieter dasselbe Risikomodell online und offline? Sind Rückgaben kanalübergreifend möglich? Siehst Du alle Vorgänge in einem Backend? Können Filialmitarbeiter:innen den Prozess ohne umfangreiche Finanzierungsberatung erklären?
Entscheidend ist außerdem, ob BNPL Teil einer gemeinsamen Zahlungsinfrastruktur ist oder als separates System neben Online-Payment und POS betrieben werden muss. Separate Systeme können zusätzliche Abstimmungen, unterschiedliche Reportings und Medienbrüche bei Retouren oder Auszahlungen verursachen. Eine echte Omnichannel-Lösung verbindet deshalb nicht nur zwei Frontends, sondern Payment, Risikoprüfung, Reporting, Auszahlung und Forderungsstatus über alle Kanäle hinweg.
So läuft BNPL im stationären Geschäft
- Kund:in wählt Rechnung oder Ratenzahlung an der Kasse.
- Betrag und Kontakt werden über Kasse oder App erfasst.
- Dateneingabe und Zustimmung erfolgen auf dem eigenen Smartphone.
- Echtzeitprüfung und Bestätigung.
- Händler:in erhält die Auszahlung, Kund:in zahlt später.
7. Wie gut lässt sich die Lösung integrieren?
Eine BNPL-Lösung sollte technisch zu Deinem Shop passen; nicht umgekehrt. Für standardisierte Shopsysteme sind aktuelle Plugins oft der schnellste Weg. Bei individuellen Checkouts brauchst Du APIs, Software Development Kits oder UI-Komponenten. Wichtig ist nicht nur, ob eine Schnittstelle existiert, sondern wie vollständig sie Deine Prozesse abbildet.
Für Omnichannel-Händler wird zusätzlich die Geschwindigkeit des Datenaustauschs wichtiger. In der EHI-Studie „Checkout-Trends 2026“ planten 60 Prozent der befragten Handelsunternehmen künftig einen Echtzeitaustausch zwischen Kassen und zentralen Systemen; weitere 32 Prozent setzten auf einen nahezu unmittelbaren Austausch. Ein BNPL-Anbieter sollte deshalb Status-, Risiko-, Retouren- und Auszahlungsdaten ohne Medienbrüche in die bestehende Systemlandschaft übergeben können. (Quelle: EHI Retail Institute, „Checkout-Trends 2026″)
Prüfe mindestens: Autorisierung, Capture nach Versand, Teil-Capture, Storno, Retoure, Teilretoure, Statusabfrage, Webhooks, Reporting und Testumgebung. Ebenso relevant sind Dokumentation, Versionspolitik und Support. Ein Plugin, das seit Monaten nicht aktualisiert wurde, kann bei einem Shop-Update zum Risiko werden.
Aus Conversion-Sicht gilt: Die Integration muss schnell und verständlich bleiben. Zusätzliche Formularfelder, Weiterleitungen und unerwartete Logins erhöhen die Reibung. Baymard zeigt, dass Checkout-Komplexität und fehlende Zahlungsoptionen zu Abbrüchen beitragen. Teste deshalb nicht nur, ob die Zahlung technisch funktioniert, sondern auch, wie sie sich auf Mobilgeräten anfühlt. (Quelle: Baymard Institute, „Payment Method UX“ und „Checkout UX“)
8. Kannst Du BNPL aktiv vermarkten und sauber messen?
BNPL entfaltet seinen Effekt nicht erst im letzten Checkout-Schritt. Bei höherpreisigen Produkten kann bereits eine Monatsrate auf der Produktseite die wahrgenommene Einstiegshürde senken. Auch im Warenkorb, in Kampagnen oder bei Aktionsfinanzierungen lässt sich die Zahlart sichtbar machen. Das gilt besonders für Ratenzahlung, deren Nutzen Kund:innen vor der Kaufentscheidung verstehen müssen.
Hier besteht in vielen Shops Potenzial. In einer ECC-Köln-Studie gab rund ein Viertel der befragten Händler:innen an, Kund:innen nicht ausdrücklich auf ihre verfügbare BNPL-Option hinzuweisen. Gleichzeitig verzeichneten 48 Prozent größere Warenkörbe mit einer BNPL-Zahloption wie Rechnungskauf. (Quelle: ECC Köln, „Fashionbranche unter Handlungsdruck: Wie Unified Commerce und Buy Now Pay Later helfen können“, 2023)
Der Anbieter sollte Dir dafür transparente Daten liefern: Auswahlrate, Genehmigungsquote, Abbruch nach Auswahl, Warenkorbwert, Retouren, Ausfälle und Wiederkäufe. Werte immer gegen eine Baseline aus. Steigt der durchschnittliche Warenkorb, aber gleichzeitig die Retourenquote oder der Supportaufwand, ist der Effekt kleiner als er zunächst aussieht. Sinnvoll sind A/B-Tests zur Platzierung und Kommunikation, nicht nur ein Vorher-nachher-Vergleich.
9. Ist die Lösung regulatorisch und strategisch zukunftsfähig?
BNPL wird regulatorisch stärker wie ein Kredit behandelt. Deutschland setzt die überarbeitete EU-Verbraucherkreditrichtlinie um und bezieht künftig auch Kleinkredite, zins- und gebührenfreie Kredite, kurze Laufzeiten und viele Buy-Now-Pay-Later-Modelle in die verbraucherschützenden Regeln ein. Dazu gehören erweiterte vorvertragliche Informationen und Anforderungen an Kreditwürdigkeitsprüfungen. Anbieter wie Unzer haben hierzu umfassendes Material bereitgestellt, was auf Händler:innen zukommt.
Für Dich bedeutet das: Wähle keinen Anbieter nur nach dem heutigen Checkout. Frage, wie Werbung, Pflichtinformationen, Einwilligungen, Bonitätsprüfung und Widerrufsprozesse künftig umgesetzt werden. Kann der Anbieter regulatorische Änderungen zentral ausrollen? Welche Anpassungen musst Du selbst im Frontend vornehmen? Und wie verhindert die Lösung, dass finanzielle Flexibilität zu intransparentem oder unverantwortlichem Kredit führt?
Verantwortungsvolle Kreditvergabe und gute Conversion sind kein Widerspruch. Eine schnelle Prüfung, klare Kosten und realistische Limits schützen Kund:innen und Händler:innen gleichermaßen. Langfristig ist eine hohe Genehmigungsquote nur dann wertvoll, wenn die Zahlungen tragfähig bleiben und die Customer Journey auch nach dem Kauf fair funktioniert.
Welche Anbietergruppen gibt es?
Der Markt lässt sich besser nach Geschäftsmodell als nach einer pauschalen Rangliste ordnen. Die folgende Übersicht ist daher keine Bewertung, sondern eine erste Orientierung. Verfügbarkeit, Produktumfang und Konditionen unterscheiden sich je nach Land, Branche, Warenkorb und Integration.
| Anbieter | Einordnung | Besonders relevant für |
| Klarna | Stark sichtbare Endkundenmarke mit App- und Shopping-Ökosystem sowie unterschiedlichen späteren Zahlungsoptionen | Händler, die Markenbekanntheit und eine schnelle Aktivierung priorisieren |
| PayPal | Breite Reichweite im Checkout und spätere Zahlungsoptionen innerhalb des PayPal-Ökosystems | Händler mit hoher PayPal-Nutzung und internationaler Kundschaft |
| Unzer | Händlerorientierte Rechnungskauf- und Ratenzahlungslösungen, die sich mit Online-Payment, stationären Zahlungen, Risikosteuerung und zentralem Reporting verbinden lassen | Vor allem mittelständische und Omnichannel-Händler, die BNPL in eine breitere Payment- und Handelsinfrastruktur integrieren möchten |
| Ratepay | White-Label-BNPL mit Schwerpunkt auf E-Commerce, Risikoprüfung und Forderungsmanagement | Händler, die eine stark eingebettete Online-Lösung suchen |
| Riverty | BNPL-Angebote mit eigener Endkundenkommunikation und internationaler Ausrichtung | Händler, die mehrere europäische Märkte adressieren |
| Alma | Kurze Teilzahlungsmodelle mit Fokus auf Pay-in-2, Pay-in-3 und Pay-in-4 | Händler, die einfache kurzfristige Ratenmodelle anbieten möchten |
| Mondu / Billie | Rechnungskauf und Zahlungsziele für Geschäftskund:innen | B2B-Shops, Plattformen und Marktplätze |
Checkliste: So vergleichst Du BNPL-Anbieter systematisch
- Welche BNPL-Modelle brauchst Du wirklich: Rechnung, Ratenzahlung, Pay-in-3/4 oder B2B-Zahlungsziele?
- Welche Länder, Währungen, Branchen und Warenkorbhöhen deckt der Anbieter ab?
- Wie hoch sind Genehmigungsquote und Entscheidungsgeschwindigkeit in Deinem Segment?
- Tritt der Anbieter sichtbar auf oder ist ein vollständiges White Label möglich?
- Wer übernimmt Ausfallrisiko, Mahnwesen und Inkasso und welche Ausschlüsse gelten?
- Wann erhältst Du Dein Geld und wie werden Retouren sowie Teilstornierungen verarbeitet?
- Funktioniert die Lösung online, mobil und am POS mit einheitlichem Reporting?
- Gibt es aktuelle Plugins, APIs, UI-Komponenten, Testsysteme und verlässlichen Support?
- Welche Daten erhältst Du für Conversion-, Warenkorb- und Risikoanalysen?
- Wie unterstützt der Anbieter die Anforderungen der neuen Verbraucherkreditregeln (CCD II)?
- Wie hoch sind die Gesamtkosten inklusive Betrieb, Support und Prozessaufwand?
- Kannst Du die Lösung in einem Pilotsegment testen und anhand definierter KPIs bewerten?
Fazit: Der beste BNPL-Anbieter ist der beste Fit
Eine allgemeingültige Rangliste greift bei Buy Now, Pay Later zu kurz. Ein bekannter Markenanbieter kann für einen schnell wachsenden DTC-Shop die richtige Wahl sein. Ein mittelständischer Omnichannel-Händler benötigt möglicherweise ein White-Label-Angebot, das Online-Shop, Filiale, Risikosteuerung und Forderungsmanagement verbindet. Im B2B-Handel wiederum stehen Unternehmensprüfung, hohe Limits und längere Zahlungsziele im Vordergrund.
Starte deshalb nicht mit den Anbieterlogos, sondern mit Deinem Geschäftsmodell. Definiere, welches Kundenproblem Du lösen möchtest, welche Prozesse Du auslagern willst und anhand welcher Kennzahlen Du Erfolg misst. Erst dann vergleichst Du Produkte, Konditionen und technische Integration.
Richtig eingesetzt ist BNPL weder nur ein Conversion-Trick noch eine austauschbare Zahlungsart. Es verbindet Checkout, Finanzierung, Risiko, Liquidität und Kundenkommunikation. Genau deshalb lohnt sich eine strukturierte Auswahl und ein Pilot, der zeigt, wie die Lösung unter Deinen realen Bedingungen funktioniert.
FAQ zu BNPL-Anbietern
Was ist ein BNPL-Anbieter?
Ein BNPL-Anbieter ermöglicht Kund:innen, einen Kauf sofort abzuschließen und später oder in Teilbeträgen zu bezahlen. Je nach Modell übernimmt er Bonitätsprüfung, Zahlungsabwicklung, Risiko, Forderungsmanagement und Auszahlung an den Händler.
Was ist der Unterschied zwischen Rechnungskauf und Ratenkauf?
Beim Rechnungskauf wird der gesamte Betrag nach einer kurzen Frist fällig, häufig nach 14 oder 30 Tagen. Beim Ratenkauf wird der Kaufpreis über mehrere Monate verteilt. Rechnung eignet sich oft für Vertrauen und Retourenkomfort, Ratenzahlung besonders für höhere Warenkörbe.
Welche BNPL-Lösung eignet sich für hohe Warenkörbe?
Für hohe Warenkörbe sind meist klassische Ratenmodelle mit passenden Laufzeiten und ausreichenden Limits relevant. Achte zusätzlich auf Genehmigungsquote, transparente Kosten, frühe Auszahlung und die Übernahme des Ausfallrisikos.
Was bedeutet White-Label-BNPL?
Bei White Label erscheint die Zahlart im Look-and-Feel des Händlers. Der Dienstleister bleibt im Hintergrund; Checkout, Kundenkommunikation und teilweise auch das Kundenportal können an die Händlermarke angepasst werden.
Wie verdienen BNPL-Anbieter Geld?
Typisch sind Händlergebühren pro Transaktion. Bei Ratenmodellen können zusätzlich Zinsen oder andere Finanzierungserträge entstehen. Die genaue Verteilung hängt vom Produkt und davon ab, ob Händler:innen Kosten übernehmen oder an Kund:innen weitergeben.
Erhalten Händler:innen ihr Geld sofort?
Das hängt vom Vertragsmodell ab. Beim Factoring wird die Forderung häufig nach Entstehung oder Versand angekauft und zeitnah ausgezahlt. Ohne Factoring kann die Auszahlung später erfolgen. Prüfe deshalb die konkreten Auszahlungsbedingungen.
Kann BNPL auch im stationären Handel eingesetzt werden?
Ja. POS-Lösungen erfassen den Betrag an der Kasse oder in einer App. Kund:innen geben ihre Daten auf dem eigenen Smartphone ein, die Prüfung erfolgt digital und die Zahlart wird in Echtzeit bestätigt.
Welche Kennzahlen sollte ich nach dem Start messen?
Wichtig sind Auswahlrate, Genehmigungsquote, Checkout-Abbruch, Conversion, durchschnittlicher Warenkorb, Retourenquote, Ausfälle, Wiederkäufe, Auszahlungsgeschwindigkeit und zusätzlicher Supportaufwand.
Welche Rolle spielt die neue Verbraucherkreditrichtlinie?
Die neuen Regeln erfassen künftig auch viele kleine, kurze und zinsfreie BNPL-Kredite. Händler:innen sollten sicherstellen, dass Anbieter Kreditprüfung, Pflichtinformationen, Werbung und Widerrufsprozesse regelkonform unterstützen.
Quellen
- EHI Retail Institute: „Online-Payment 2025“, Studienpräsentation „Zahlen – Daten – Fakten zum E-Commerce und Online-Payment“, EHI Paymentkongress, 7. Mai 2025.
- EHI Retail Institute: „3. Onlineshop Report Deutschland – Zahlen, Daten und Fakten zu den 500 umsatzstärksten B2C-Onlineshops 2025“, Februar 2026.
- EHI Retail Institute: „Zahlungssysteme im Einzelhandel 2026 – Daten, Fakten, Marktstrukturen“, Juni 2026.
- EHI Retail Institute: „Checkout-Trends 2026 – Vom physischen Terminal zur vernetzten Plattform“, 2026.
- EHI Retail Institute: „Online-Payment 2024“.
- Baymard Institute: The Checkout UX Guide, no date
- Baymard Institute: Payment Method UX: Designing Payment Selection, 2023
- Baymard Institute: 50 Cart Abandonment Rate Statistics 2026, no date
- ECC Köln: „Fashionbranche unter Handlungsdruck: Wie Unified Commerce und Buy Now Pay Later helfen können“, 2023.
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