Vom Data Warehouse zu Big Data – Reporting heutzutage

Um das Datenchaos in Unternehmen einzudämmen, haben schlaue Köpfe vor langer Zeit einmal den Begriff Data Warehouse erfunden. Das klingt interessant: Ein zentrales Lager für Unternehmensdaten, in dem alles seine Ordnung hat. Ein leistungsstarker Rechner plus eine leistungsfähige Datenbanklösung und fertig ist das zentrale Datenlager, in dem Inkonsistenzen und Redundanzen keine Chance mehr haben. So sieht es jedenfalls in der Theorie aus. Wenn es denn so einfach wäre. Mit den Daten über den Istzustand allein können Mitarbeiter in Marketing und Controlling wenig anfangen. Um die zukünftige Entwicklung zu planen, brauchen sie mehr als nur belastbares Zahlenmaterial aus Vergangenheit und Gegenwart.

Business Intelligence – Konzept ohne Digitalkompetenz

Das interne Berichtswesen von Unternehmen scheint in einer Krise zu stecken. Noch immer bitten Chefs ihre Mitarbeiter um eine Aufstellung von Kennzahlen in tabellarischer oder grafischer Form. Zirkulieren bereits irgendwelche Business-Charts oder Tabellen, werden darin aggregierte Werte gern als Input für weitere Reportings genutzt. Die Herkunft der Basisdaten bleibt oft nebulös. Irgendwann bricht dann das ganz große Chaos aus, weil Daten nicht nur redundant, sondern auch inkonsistent und alles andere als aktuell sind. Vor allem in mittelständischen Unternehmen spielen sich solche Szenen noch immer tagtäglich ab. Gut, dass irgendwann einmal jemand auf die Idee kam, Data Warehouse Systeme zu ERP-Systemen weiterzuentwickeln. Diese Systeme nannten sich dann Business Information Warehouse oder so ähnlich und sollten das Management Reporting wesentlich vereinfachen. Unter dem Begriff Business Intelligence wurden diese Systeme noch weiter aufgewertet. Bis vor Kurzem war die Consulting-Branche felsenfest davon überzeugt, dass Business Intelligence alle Informations- und Reporting-Anforderungen im Unternehmen abdeckt.

All diese Lösungen haben dasselbe Ziel. Sie wollen Redundanzen und Inkonsistenzen in den Unternehmensdaten verhindern, Controlling und Berichtswesen zentralisieren und so weit wie möglich automatisieren. Niemand soll mehr in die Verlegenheit kommen, Daten aus anderen Quellen außer dem offiziellen Datenpool unter die Leute zu bringen. In der Praxis funktioniert es leider nicht so, wie sich Unternehmensberater das vorstellen. Gleich, ob als Mitarbeiter, Kunden oder Geschäftspartner – stets ist menschliches Handeln im Spiel, das auch durch Emotionen bestimmt wird. Nirgendwo anders wird das aktuell so deutlich wie in den Social Media. Hier können besagte Gruppen entscheidenden Einfluss ausüben, der sich nur schwer steuern lässt. Business Intelligence ignoriert die digitalen Medien komplett.

Durch die neuen Medien ist nämlich alles noch viel komplizierter geworden. SAP- und IBM-Berater müssen jetzt tapfer an allen Fronten kämpfen: Nicht nur gegen die unternehmensinterne Excelsheet-Flut, sondern auch gegen die Flut an weichen Daten, die via Internet und Social Media über die Unternehmen hereinbrechen. Wie reagiert SAP R/3 & Co. auf einen Shitstorm? Gar nicht. Die Nutzer hangeln sich weiter durch endlos kaskadierende Menüs, tippen brav ihre Daten in Eingabemasken und reporten den Schnee von gestern, währenddessen sich draußen im Markt ein massiver Umsatzeinbruch anbahnt. Was nützen all die rosigen Planzahlen zur zukünftigen Unternehmensentwicklung, wenn die Website des Unternehmens nur noch schlecht rankt, Interessenten diese nicht mehr finden und scharenweise zur Konkurrenz laufen? Was nützt das schönste Profil auf Facebook, wenn niemand mehr die Seite liked, weil die Reputation im Eimer ist und entweder gar nicht mehr oder nur noch schlecht über das Unternehmen und seine Produkte gesprochen wird? Viele mittelständische Unternehmen übersehen diese Gefahren, weil sie die zunehmende Digitalisierung ihres Business bloß als notwendiges Übel betrachten. Kurzum: Sie nehmen den digitalen Wandel nicht wirklich ernst. Business Intelligence, die diesen Namen verdient, sieht anders aus.

Big Data muss jetzt für alles herhalten

Nicht nur im Handel gibt es unzählige Beispiele für mittelständische Unternehmen, die den digitalen Wandel komplett verschlafen haben und jetzt die Angst umtreibt, den Anschluss zu verlieren. Auch die total verwöhnte ERP-Branche gerät zunehmend in Panik und verkündet der verdutzten Öffentlichkeit, dass klassische Business Analytics an ihre Grenzen gekommen sind. Ausgerechnet diejenigen Firmen, die über Jahrzehnte hinweg mit Data Warehousing hausieren gingen und Business Intelligence gepredigt haben, reden jetzt nur noch von Big Data, als hätten sie diese Entwicklung schon immer vorausgeahnt. Aus der Sicht der Consulting-Branche ist der Hype um dieses Buzzword jedenfalls ein Segen. Denn erstens taugt Big Data als Argument für so ziemlich alles, was mit Datenanalyse und Businessplanung zu tun hat, und zweitens lenkt es von den eigenen Versäumnissen ab. Sollen wir uns jetzt zurücklehnen und schadenfroh zusehen, wie die selbsternannte Crème der Consultingbranche die ach so bodenständigen mittelständischen Unternehmen erneut wie Weihnachtsgänse ausnimmt? Nein, das sollten wir nicht.

Wir müssen den Unternehmen vielmehr sagen, dass es schon jetzt genügend Online Marketing Tools gibt, mit deren Hilfe sie nützliche Erkenntnisse für ihren künftigen Geschäftserfolg gewinnen können. Um sich mit den wichtigsten Wettbewerbern zu messen, bedarf es – dem Web sei Dank – keiner millionenschweren Investitionen mehr. Gleich, ob es um Sichtbarkeit, Keywords, Traffic, Conversions oder Social Signals geht – für fast alles gibt es mittlerweile zuverlässige Analysetools, die allen offen stehen: vom selbstständigen Online-Händler über klein- und mittelständische Unternehmen bis hin zum Großkonzern.