Ein voller Tag in der Stadthalle Mülheim liegt hinter mir. Mit viel Neugier im Gepäck habe ich mich auf dem priint:day 2026 in die Welt der modernen Produktkommunikation abtauchen lassen. Mein Fazit? Eine organisatorische Meisterleistung mit exzellentem Catering und ganz viel Insight in die Branche, die jedoch eine klare Frage hinterlässt: Wie viel “Omnichannel” steckt wirklich drin, wenn das Herz fast ausschließlich für Print schlägt?

Das Drumherum: Top-Notch Hosting
Trotz eines vollgepackten Zeitplans hatte man nie das Gefühl nur von Vortrag zu Vortrag gehetzt zu werden, sodass dazwischen ausreichend Zeit blieb, um Kontakte zu knüpfen. Mit einem Barista-Kaffee in der Hand und in der Sonne vor der Ruhr lässt es sich einfach besser vernetzen als in stickigen Konferenzräumen. Hervorragende Voraussetzungen für gute Vibes, gute Gespräche und eine tolle Veranstaltung.
Die Highlights & Insights
1. Keynote: Agenic AI & die Evolution von SEO
Horst Huber (CEO von priint) skizzierte mithilfe von Sci-Fi-Klassikern die Zukunft der Agenic AI. Die Vision: KI agiert als persönlicher Agent mit Langzeitgedächtnis, um autonome Endprodukte zu liefern.
- Der spannende Take: SEO entwickelt sich weiter. Wir machen Marketing künftig nicht mehr nur für Menschen, sondern für Entscheidungssysteme. Egal, ob diese nun aus Fleisch und Blut sind oder aus Code bestehen.
- Diskussionsbedarf: Hubers These, dass Kreativität die Kernkompetenz des 21. Jahrhunderts wird, ohne dass artistisches Talent nötig sei, sehe ich kritisch. Ich finde den Begriff „artistisches Talent“ ohnehin schwierig, da dieser nicht die harte Arbeit widerspiegelt die Kunstschaffende Jahre und Jahrzehnte in ihr Handwerk investieren. Eine reine Idee zu prompten, so unerlässlich sie auch für den Prozess sein mag, macht einen meiner Meinung nach nicht zum Künstler.
2. Creative Production im KI-Zeitalter (Adobe)
Adobes Vortrag war für mich als Art Director besonders spannend, insbesondere die erweiterten Funktionen von Firefly, Adobes hauseigener KI.
- Effizienz: Firefly Custom Models erlaubt es, die KI mit eigenem Bildmaterial zu trainieren und auf Grundlage selbst definierter Designvorlagen einen automatisierten Content-Output zu erschaffen
- Rechtssicherheit: Ein riesiges Plus für Enterprises sind die mitgelieferten Content Credentials in den Metadaten.
- Workflow: Mit Firefly Creative Production for Enterprise kann man sich von KI personalisierte Workflows und Codes einrichten lassen die eigenständig autonome Endprodukte liefern
3. Automatisierung im Fokus: Hansgrohe, Ostermann & Co
In den Praxis-Sessions drehte sich alles um die Single Source of Truth. Unter dem Motto „Stop the Copy Paste“ wurde gezeigt, wie kontrolliertes, datenbasiertes Publishing teure Flüchtigkeitsfehler eliminiert. Sogar bei bekannten Sammelkarten-Herstellern hilft die Automatisierung dabei, Karten effizient zu setzen.
Mein “to be honest“:
Der priint:day ist eine erstklassige Plattform, solange man einen starken Print-Fokus hat. Die gesamte Veranstaltung unter den Deckmantel des “Omnichannel-Marketings” zu stellen, wird der Breite dieses Begriffs jedoch nicht ganz gerecht.
Das heißt im Klartext, wenn das eigene Portfolio keine print-lastigen Kunden enthält, wird es schwierig aufmerksam zu bleiben. Streckenweise fühlte sich die Veranstaltung für mich leider eher wie eine Dauer-Werbesendung für die eigenen Produkte an, statt wirklich neue, allgemeine Marketing-Insights zu liefern.
Besonders in der Panel-Diskussion zum “Publishing Reality Check” wurde deutlich, wie sehr die Branche mit sich selbst kämpft: Print muss kosteneffizienter werden, ganz klar, aber dass man fast schon stolz darauf verwies, Designer-Jobs durch Automatisierung “einzusparen” und im selben Atemzug erwähnte, dass man sich als Kreativer keine Sorgen machen müsse, da sich durch Automation nur der Fokus der Arbeit verschieben würde, hinterließ einen faden Beigeschmack. Bei dieser Diskrepanz muss man sich wirklich nicht wundern wenn sich die Kreativen vor Ort querstellen.
Fazit
Der priint:day ist definitiv eine großartige Veranstaltung für alle, die Kataloge, Preislisten oder komplexe Print-Erzeugnisse in das digitale Zeitalter hieven wollen. Wer jedoch auf der Suche nach breiten Marketing-Trends abseits der Druckerschwärze war, musste tief graben, um zwischen den Produktvorstellungen echte Insights zu finden.
Ein gelungener Tag? Ja. Aber eher für eine sehr spitze Zielgruppe.
Jana ist Junior Art Directorin bei den digitallotsen und lebt für gutes Design. Ihr Tag ist perfekt, wenn sie eine Vision erfolgreich in eine greifbare Gestaltung umwandelt und einer Marke grafisch ihr Gesicht geben kann.
Zusätzlich zu ihrer gestalterischen Leidenschaft bringt Jana eine ausgeprägte fachliche Vielseitigkeit mit: Durch ihre bisherige Berufserfahrung verfügt sie über eine große Expertise in Sachen Marketing, beherrscht den Meta Business Manager sicher und ist versiert in der Analyse von KPIs. Diese Kombination aus kreativem Gespür und strategischem Know-how sorgt dafür, dass ihre Designs nicht nur optisch überzeugen, sondern auch messbare Erfolge erzielen.