Für und Wider eines beruflichen Seminars für Mitarbeiter

Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir. So lautet eine alte Weisheit, die im modernen Berufsleben aktueller ist denn je. Weiterbildung und lebenslanges Lernen gehört heute zum Berufsalltag. Umso merkwürdiger ist es dann, wenn die Teilnahme an einem Berufsseminar von einem Vorgesetzten verweigert wird. Viele Arbeitnehmer beantragen heutzutage die Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen. Chefs stehen dem oft skeptisch gegenüber. Oft wollen sie den Arbeitnehmer mit Grund, er werde benötigt, nicht an dem Seminar teilnehmen lassen. Der Mitarbeiter ist ja für mehrere Tage nicht verfügbar. Dies kann durchaus ein legitimes Argument sein, wenn der Mitarbeiter eine wichtige Position in der Firma inne hat. Findet das Seminar während der Arbeitszeit statt und die Kenntnisse sind zum Wohl des Unternehmens, muss der Arbeitgeber den Mitarbeiter frei stellen und die entsprechenden Kosten übernehmen. Die meisten Berufsseminare finden während der Arbeitszeit statt. Der Arbeitnehmer muss also Urlaub, beziehungsweise eine Freistellung von der Arbeit, beantragen. Da das Seminar zum Wohle der Firma ist, kann der Urlaub nur bezahlt sein. Dass dies nicht immer gerne gesehen wird, ist nachvollziehbar, vor allem bei kleineren Unternehmen oder jenen, die generell sparen müssen. Im Folgenden finden sich einige Argumente, denen sich ein Vorgesetzter nicht erwehren kann. Zwar ist es rechtlich schwierig, die Teilnahme an einem Seminar durchzusetzen, wenn der Chef es wirklich nicht will. Aber mit ein wenig Argumentation und Glück lässt sich ein Chef auch überzeugen.

Ein mögliches Argument, um vor allem Sparfüchse gefügig zu machen, ist der Hinweis auf die Steuerabsetzbarkeit von Bildungs- und Berufsseminaren. Diese können nämlich bei der Steuererklärung geltend gemacht werden. Zwar muss der Arbeitgeber investieren, aber durch die Steuerersparnis wird auch wieder Geld zurückgenommen. Generell müssen Unternehmen Geld investieren. Dazu gehören auch die Mitarbeiter. Berufsseminare sind deswegen keine Anerkennung für Verdienste, die einmal im Berufsleben erlaubt werden sollten, sondern regelmäßig notwendige Weiterbildungen, die es den Mitarbeitern erlauben, auf dem aktuellen Stand in ihren jeweiligen Arbeitsbereichen zu bleiben. Nicht alle Berufs- und Weiterbildungsseminare finden zur normalen Arbeitszeit statt. Manche werden lediglich abends oder an einem Wochenende angeboten. Damit opfert der entsprechende Mitarbeiter jedoch einen Teil seiner Freizeit. Es besteht auch kein rechtlicher Anspruch auf die Übernahme der Kosten an sich. In vielen Fällen übernehmen Unternehmen zwar die Kosten, aber oft nicht alle. Der Arbeitnehmer muss dann dazu zahlen. Es ist wichtig, dem Chef dies vor Augen zu führen, damit er erkennt, dass nicht nur er, sondern eben auch der Mitarbeiter Opfer bringt. Auch kann der Chef nicht einfach das Seminar mit dem Hinweis, es sei zu teuer, ablehnen. Im Internet finden sich zahlreiche Anbieter, deren Preise verglichen werden können. Dies gewährleistet eine gewisse Verhältnismäßigkeit der Angebote. Es empfiehlt sich, Alternativangebote durchzuschauen und eventuell den Chef zu fragen, ob ein günstigeres Seminar genehmigt würde. Wer an einem Seminar interessiert ist, kann auch versuchen herauszufinden, ob die Teilnahme nicht durch öffentliche oder Drittmittel zu finanzieren ist. Die Agentur für Arbeit bietet viele Hilfestellungen für Arbeitnehmer, die sich weiterbilden wollen. Möglicherweise kann so die Kostenbeteiligung des Unternehmens erheblich reduziert werden.

Bedeutender ist jedoch der Wissensgewinn, den das Unternehmen durch die Teilnahme an dem Berufsseminar erhält. Denn der Mitarbeiter erwirbt oft Einblicke in neue Arbeitsverfahren und Methoden. Unter Umständen entwickeln Mitarbeiter eine vollkommen neue Perspektive auf ihre bisherige Arbeitsweise. Wer bereits sehr lange in seinem Job tätig ist, mag seine täglichen Pflichten vielleicht nur noch mechanisch abarbeiten. Nach einem Seminar kommt frischer Wind in das Unternehmen und der Mitarbeiter entwickelt eine neue Kreativität, deren Ideen dem Unternehmen sehr zu Gute kommen. Viel wichtiger ist, dass dadurch Arbeisabläufe optimiert werden können. Dies spart letztlich Zeit und Geld. Viele Unternehmen leisten sich Berater, die für viel Geld solche Optimierungen durchführen. Durch regelmäßige Teilnahme an Weiterbildungsseminaren können aber Mitarbeiter diese selber für ihre eigenen Unternehmen entwickeln.

Besonders wichtig ist auch der Austausch mit Gleichgesinnten. Dadurch bleiben Mitarbeiter immer aus dem Laufenden. In einer globalisierten Welt ist es wichtig, nicht nur die eigenen Arbeitsprozesse zu optimieren, sondern auch die der Konkurrenz zu kennen. Die Seminarteilnahme erlaubt dem Mitarbeiter sich mit anderen Arbeitnehmern auszutauschen, die eventuell in der gleichen Position eines Unternehmens tätig sind. So kann er Erfahrung gewinnen, wie seine Kollegen arbeiten und wie in anderen Unternehmen bestimmte Prozesse durchgeführt werden. Er kann auch Einblick in das Know-how gewinnen, das dort genutzt wird. Das Wissen aus dem Seminar gewinnt sich nicht nur aus dem, was dort von den Dozenten besprochen wird, sondern auch aus den Diskussionen und Kommentaren der Teilnehmer. Im besten Fall können Arbeitnehmer sogar Einblicke in die Abläufe von Konkurrenzunternehmen erhalten. Nicht nur neue Ideen, sondern auch das Wissen um die Ideen der Konkurrenten erhöht letztendlich die Konkurrenzfähigkeit enorm.

Aber nicht nur die vorhandenen Arbeitsprozesse lassen sich bei einem Berufsseminar kritisch hinterfragen. Möglicherweise erhalten Teilnehmer auch ganz neue Ideen. Unternehmen, die lediglich in der Produktion sind, müssen auch heute ein umfassendes Wissen zu Marketing und Kundenakquise haben. Es hilft nichts, nur die eigenen hausinternen Prozesse zu kennen und zu optimieren. Manchmal müssen ganz neue Abteilungen in einem Unternehmen entwickelt werden. Früher kamen Kunden aus der lokalen Umgebung. Heute müssen Kunden global gewonnen werden. Auch kleine Unternehmen leisten sich neue PR-Abteilungen oder Marketing-Mitarbeiter. Bei einem Seminar kann der Mitarbeiter auf dem neusten Stand gebracht werden. Er kann sein Unternehmen analysieren und später konstruktiv Vorschläge machen, wie das Unternehmen konkurrenzfähig in die Zukunft geführt werden kann. Dies wird umso besser, je mehr Mitarbeitern ein Bildungsurlaub oder ein Berufsseminar genehmigt wird.

Das Argument, das der Mitarbeiter nicht abkömmlich sei, kann ebenfalls nur schwer nachvollzogen werden. Was passiert, wenn der entsprechende Mitarbeiter krank würde? Oder normalen Urlaub beantragte? Ein modernes Unternehmen muss redundante Systeme besitzen. Der Nutzen eines Bildungsseminars für einen Mitarbeiter sollte dessen Abwesenheit bei weitem übertreffen. Die entsprechenden Tätigkeiten können sicher von anderen Mitarbeitern während der Abwesenheit des Arbeitnehmers durchgeführt werden. Zudem bieten Leiharbeitsfirmen kurzfristig Ersatz. Mit Outsourcing- und Crowdsourcing lassen sich viele Abläufe auch schnell und sicher ins Internet verlagern. Dass ein Mitarbeiter gebraucht wird, ist zwar löblich, aber nicht notwendig. Ganz im Gegenteil: Gerade durch die Teilnahme an einem Berufsseminar zeigt ein Mitarbeiter seine Verbundenheit mit einem Unternehmen. Dies sollte ein Chef auch zu würdigen wissen.

Abschließend ist ein gut ausgebildeter Mitarbeiter auch ein Arbeitnehmer, der kompetent und souverän seine Arbeit verrichten kann. Er ist Ansprechpartner für die Mitarbeiter und Aushängeschild des Unternehmens nach Außen. Tatsächlich werben viele Unternehmen um gut ausgebildete Mitarbeiter, wollen aber nach der Einstellung derselben kaum mehr in deren Wissen investieren. Ein Mitarbeiter, der regelmäßig an Weiterbildungen teilnimmt, zeigt aber gerade dadurch sehr viel Engagement. Sein neues Wissen wird sich im Unternehmen ebenfalls schnell durchsetzen. Mitarbeiter werden ihn um Rat fragen oder einfach kopieren, neue Abläufe erlernen und ebenfalls anwenden. Das neue Wissen wird so nicht nur zu einer Investition in den Mitarbeiter, sondern kommt auch allen anderen Mitarbeitern, einschließlich der Vorgesetzten, zu Gute. Dieses positive Image macht sich nicht nur intern durch zufriedene Mitarbeiter bemerkbar, sondern ist auch eine gute Werbung nach Außen. Die Zufriedenheit von Mitarbeitern ist ein gutes Indiz für eine gute Arbeitsumgebung. Das Unternehmen wird davon langfristig profitieren, denn gute Absolventen bewerben sich dort, wo sie ihrer Meinung nach gut aufgehoben und auch gefördert werden. Dazu gehören auch regelmäßige Weiterbildungen. Ein solches Image ist gerade in Internet- und Social Media-Zeiten Gold wert. Die positive Wahrnehmung wird nicht nur bei potenziellen Arbeitnehmern erfolgreich verbessert, sondern auch bei Kunden und Kooperationspartnern. Ein Unternehmen, das in seine Mitarbeiter investiert, ist es auch wert, investiert zu werden.