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Die Checkliste für internationale Websites

Die Checkliste für internationale Websites

Lesezeit: 8 Min

International – das klingt nach Multi-Milliarden-Konzern mit Präsenzen in 50 Ländern. In der Praxis muss das aber gar nicht so sein: Wer auf seiner Website Inhalte für mehr als ein Land oder in mehr als einer Sprache anbietet, muss schon über einige SEO-Aspekte nachdenken, um das auch optimal umzusetzen.

In dieser International-SEO-Checkliste geht es um die sechs wichtigsten SEO-Basics, die Website-Betreiber kennen müssen. Denn in der Praxis wird da immer noch sehr vieles falsch gemacht. Das hat nicht unbedingt negative Effekte auf die gesamte Website, aber es kann eben z. B. dafür sorgen, dass Nutzer auf den für sie falschen Seiten landen, oder auch, dass nicht alle Maßnahmen „auf ein Konto einzahlen“.

1. Domain-Strategie

Websites werden von Google & Co. auch anhand ihrer externen Verlinkungen bewertet. Wenn Du aber für jedes Land, in dem Dein Unternehmen aktiv ist, eine eigene Domain aufbaust, wird das mit der Verlinkung oft zum Problem.

Also: Eine .de für Deutschland, eine .at für Österreich und eine .fr für Frankreich klingt erstmal nach einer guten Idee, weil man ja mit länderspezifischen Domains optimal auf das jeweilige Land abzielt. Aber: In der Regel scheitert es an den Backlinks – vor allem dann, wenn man in einem bestimmten Land nur geringe Aktivitäten zeigt. Dann wird man oft feststellen, dass vor allem die Domain des Stammlandes sehr gut verlinkt ist, während z. B. die .ru-Domain nur drei Backlinks aufweist, weil man in Russland zwar grundsätzlich Produkte anbietet, aber keine PR betreibt und auch nicht auf Fachmessen ausstellt.

Wichtig ist also die korrekte Domain-Strategie:

  • Für jedes Land eine separate Domain: Bietet sich nur dann an, wenn man in dem jeweiligen Land auch wirklich aktiv ist.
  • Alles auf eine Domain (Sprachen/Länder dann als Ordner oder Subdomains): Eine gute Wahl, wenn es viele Länder gibt, in denen man faktisch nicht aktiv ist.
  • Mischformen: Für die wichtigsten Länder eine separate länderspezifische Domain, alle anderen Inhalte befinden sich gebündelt auf einer Domain (Sprachen/Länder als Ordner/Subdomains)

Welche dieser drei Strategien für Dein Unternehmen die passende ist, kann man nicht pauschal beantworten. Nähern kann man sich dem Ist-Status natürlich über Link-Datenbanken wie Majestic, bei denen man die Verlinkung der eigenen Domains oberflächlich betrachten kann. Über die Qualität der Backlinks sagt das leider wenig aus, sodass man die Links hier noch intensiver manuell betrachten müsste.

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Ein Überblick: Welche internationalen Domains sind wie gut verlinkt?

 

2. gTLD oder ccTLD

Zur Domain-Frage gehört auch eine wichtige Unterscheidung: Es gibt länderspezifische Domains (ccTLDs wie .de, .at, .ch) und generische Domains (gTLDs wie .com, .info, .net). Grundsätzlich gilt eine unglaublich banale Regel:

  • Eine länderspezifische Domain ist ideal für ein bestimmtes Land.
  • Generische Domains sind perfekt, um dort Inhalte für mehrere Länder oder Sprachen

Wer also eine .de-Domain nutzt, um dort auch Inhalte für mehrere Länder unterzubringen (also z. B. www.website.de/en/), verspielt ein gewisses Potenzial. Denn: Man kann die Ausrichtung auf Länder nicht nutzen (siehe Checkliste Punkt 4). Und: Die Klickrate für solche URLs kann niedriger ausfallen, weil z. B. ein Nutzer aus Großbritannien weniger wahrscheinlich auf ein Listing aus Deutschland klickt – auch wenn die Seite perfekt auf den UK-Besucher ausgerichtet ist.

Fun Fact: Nicht alle ccTLDs werden übrigens von Google als solche behandelt. In einigen Fällen (wie bei .tv) hat Google erkannt, dass diese faktisch nicht in einem lokalen Kontext benutzt werden. Eine Liste dieser Domains bietet Google auf seiner Website an.

3. hreflang

Ein wichtiges Hilfsmittel für einige internationale Websites ist das sogenannte hreflang-Tag. Dieses befindet sich im HTML-Code einer Seite und verweist jeweils auf die URLs einer bestimmten Seite in anderen Sprachen. (Notiz: Die hreflang-Informationen können auch über XML-Sitemaps oder den HTTP-Header übertragen werden, was allerdings relativ selten passiert.)

Bei einer Website, die Deutsch und Englisch als Sprachen anbietet, könnte also z. B. der folgende hreflang-Code ausgespielt werden:

omt logo

<link rel=”alternate” hreflang=”de” href=”https://www.website.de/de/produkte.html”/>

<link rel=”alternate” hreflang=”en” href=”https://www.website.de/en/products.html”/>

Also: Die Seite https://www.website.de/de/produkte.html ist für deutschsprachige Suchende, die Seite https://www.website.de/en/products.html für englischsprachige Besucher. Falls jemand aus deutschen Landen sucht, könnte in den Suchergebnissen ja auch die Seite https://www.website.de/en/products.html in den Suchergebnissen ausgespielt werden – z. B. weil diese Seite mehr Content oder mehr Backlinks hat. In diesem Fall wird Google quasi beim Ausspielen der Suchergebnisse die englische Seite durch die deutsche Seite ersetzen, sodass der Google-Nutzer immer die für ihn passende Seite erhält.

Das Beispiel ist etwas sinnfrei, denn in der Praxis würde Google in der Regel auch ohne hreflang-Tag die korrekten Inhalte ausspielen. Wichtig wird hreflang vor allem dann, wenn es …

  1. Informationen für unterschiedliche Länder in derselben Sprache gibt (also z. B. website.de/de/ und website.de/at/ und website.de/ch/) oder es
  2. Informationen für ein Land mit unterschiedlichen Sprachen gibt (z. B. Belgien oder die Schweiz).

Wichtige Fakten:

  • Das hreflang-Tag funktioniert immer nur pro Seite. Es muss aber auch nicht zwangsweise in allen Seiten(-typen) der Website enthalten sein.
  • In allen Versionen einer Seite müssen sich dieselben Tags befinden. (In der deutschen Seite A befindet sich also nicht der hreflang-Verweis auf die englische Seite B, sondern auch der Verweis auf A selbst.)
  • Die im hreflang-Tag genannten URLs müssen natürlich für Suchmaschinen erreichbar sein (kein noindex, nicht per robots.txt gesperrt), sollten einen HTTP-Code 200 liefern und dem jeweiligen Canonical Tag entsprechen.

Tipp 1: Weitere Informationen und wichtige Tools rund um hreflang finden sich im hreflang-FAQ von Bloofusion (und auch im Buch „International SEO“).

Tipp 2: Hreflang-Codes sind oft fehlerhaft. Es empfiehlt sich daher, diese unbedingt durchzutesten. Das wahrscheinliche beste – und zugleich kostenlose – Tool hierfür findet sich auf hreflang.org.

4. Ausrichtung per Google Search Console

Generische Domains haben einen klaren Vorteil: Man kann sie über die Google Search Console auf ein Land ausrichten. Man kann also aus einer gTLD eine ccTLD machen. Derzeit (Mitte Februar 2019) geht das leider nur über die alte Google Search Console; die neue Google Search Console hat dieses Feature bislang noch nicht „geerbt“.

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Websites (oder Ordner oder Subdomains) können auf Länder ausgerichtet werden.

 

Spannend ist dieses Feature, weil man es auch für Ordner oder Subdomains nutzen kann. Also: Wer einen Ordner wie www.website.com/fr/ oder eine Subdomain wie fr.website.com hat, kann diese als separate Properties in der Google Search Console hinzufügen und dann auf das jeweilige Land ausrichten.

Der Effekt: Es gibt einen „Ranking Boost“, also eine Verbesserung für das ausgewählte Land. Für alle anderen Länder ist diese Änderung neutral. Nur weil man einen Ordner oder eine Subdomain also auf ein Land ausrichtet, führt das nicht dazu, dass es in allen anderen Ländern zu einer Verschlechterung führt.

5. Interne Verlinkung

Wenn man unterschiedliche Sprach-/Länder-Versionen auf einer Website eingebunden hat, muss man auch noch prüfen, ob diese auch intern verlinkt werden. Manchmal werden z. B. JavaScript-Funktionen genutzt, um Nutzern eine Auswahl an Ländern/Sprachen anzubieten. Ob Crawler allerdings wirklich echte Links vorfinden, um die internationalen Inhalte auch gut erfassen zu können, zeigt nur der Blick in den HTML-Code.

Am Beispiel von www.cargobull.com zeigt sich, dass sich in jeder Seite der Website Links auf alle Länder- und Sprach-Startseiten befinden – eine gute Voraussetzung dafür, dass die Crawler auch effizient an alle Inhalte gelangen:

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Geprüft werden muss auch, ob die Länder-/Sprach-Versionen intern verlinkt werden.

6. IP-Redirects

Grundsätzlich klingt es nach einer guten Idee: Wenn ich Inhalte für UK anbiete und jemand mit einer IP aus UK auf meine Website kommt, leite ich ihn am besten direkt auf die UK-Inhalte (also z. B. auf /uk/) um. Das ist gut gemeint, aber oftmals nicht gut gemacht. Es stellt sich nämlich die Frage, wie man denn Google behandelt, denn auch Google greift von einer bestimmten IP auf die Website zu. Nicht selten passiert es daher, dass man auf diesem Weg große Teile seiner Inhalte aus dem Index befördert, wenn man nicht über SEO nachdenkt.

John Mueller gibt daher auch eine klare Empfehlung zu solchen IP-Redirects:

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John Mueller spricht sich klar gegen den Einsatz von IP-Redirects aus
(https://twitter.com/johnmu/status/877043654472466432).

 

Besser ist in jedem Fall die Nutzung eines „Country Banners“: Besucher werden z. B. über ein Interstitial informiert, dass sie sich auf der für sie suboptimalen Website befinden und dass es eine bessere Wahl gäbe. Die Wahl, auf welcher Website der Nutzer dann weitermacht, sollte man aber ihm selbst überlassen.

Fazit

Das Wichtigste fehlte in diesem Artikel noch: Wer international erfolgreich sein möchte, braucht natürlich auch starke Inhalte für die jeweiligen Sprachen/Länder. Damit die dann aber auch zur Geltung kommen, sollte man die Regeln aus dieser Checkliste beachten. Vor allem das Domain-Setup kann entscheidend sein, da die Domain in Bezug auf SEO immer noch einen hohen Stellenwert in den Algorithmen hat.