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Employer Branding für eine digitale Generation

Employer Branding für eine digitale Generation

Lesezeit: 9 Min | Autor: Florian Werner

Der Fachkräftemangel in Deutschland ist in aller Munde, während es in manchen Berufsfeldern leichter ist an gute Mitarbeiter zu kommen sind andere Jobs so gefragt, dass es kaum noch Bewerber auf dem Markt gibt. Die Situation hat sich geändert, wo früher Bewerber um die Gunst der Unternehmen kämpfen mussten, müssen nun Unternehmen um die Aufmerksamkeit bei den Berufseinsteigern kämpfen. Schlimmer noch, sie müssen generell um das Interesse der potentiellen Bewerber kämpfen, da diese sich meist in einem Anstellungsverhältnis befinden und noch gar keine Intention haben, ihre Stelle zu wechseln.

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Der Magazinartikel als Tonspur:

Employer Branding ist dabei das Mittel der Wahl vieler Firmen. Als Employer Branding bezeichnet man die Maßnahmen, mit denen sich ein Unternehmen als attraktiver Arbeitgeber darstellt. Diese Brand kann sich durchaus von der Corporate Brand, mit der man gegenüber seinen Kunden auftritt unterscheiden. Eine Employer Brand, zu deutsch eine Arbeitgebermarke, hilft dabei vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen in die Sichtbarkeit zu kommen und die richtige Zielgruppe anzusprechen. In den letzten zehn Jahren hat sich dabei enorm viel verändert, wo früher Imagefilme aus Arbeitnehmersicht und eigene Broschüren für Bewerber schon als gutes Employer Branding galten, gilt es heute auf ganz anderen Kanälen zu überzeugen. Es stellt sich die Frage, wie baut man eine großartige Arbeitgebermarke, die auch Wirkung zeigt für eine digitale Generation auf?

Die Generation Z, die Nachfolgegeneration Generation Y, die Digital Natives oder wie man sie auch immer bezeichnen möchte, sind eine Herausforderung für gutes Arbeitgebermarketing. Sie sind vor allem dadurch geprägt, dass sie mit dem Internet aufgewachsen sind bzw. die Generation Z sogar schon mit dem Smartphone. Diese Generationen strömen gerade auf den Arbeitsmarkt und stellen Recruiter vor große Herausforderungen insbesondere deshalb, weil sie selbst oft Vertreter einer anderen Generation sind.

Sei dort wo deine Zielgruppe ist

Für das Employer Branding bei der Generation Z musst du als Marketer da sein, wo deine Zielgruppe auch ist. Dies ist gerade in der digitalen Welt gar nicht so einfach. Werte deine Zielgruppe genau aus, und schließe nicht von der generellen Verbreitung von Sozialen Netzwerken in deiner Zielgruppe auf die Personas, die du gerne ansprechen würdest. Schau dir genau an, wo deine Peronas wirklich sind, dies können im Bereich sozialer Netzwerke zum Beispiel auch Seiten wie twitch oder pinterest sein.

Lassen Sie reden – Blogs in denen Arbeitnehmer erzählen

Wenn die digitale Generation eins zu schätzen weiß, dann Authentizität und wie könnte man authentischer in seinem Arbeitgebermarketing sein, als wenn man seine jetzigen Arbeitgeber erzählen lässt. Unser Rat, erstelle einen Azubi bzw. Arbeitnehmerblog und lass deine Kollegen erzählen, warum Sie ihren Job lieben. Authentischer geht es kaum und das Wording deiner Blogbeiträge passt ganz automatisch auch zu deiner Zielgruppe, denn es stammt ja bereits von ihr. Ein Beispiel für einen gelungenen Azubiblog kannst du hier anschauen.

Mach dein Unternehmen erlebbar

Unternehmen müssen erlebbar werden, Bewerber und Interessenten müssen Unternehmen spüren und fühlen können, noch lange bevor sie sich zum Bewerbungsgespräch in eure Räumlichkeiten begeben haben. Dafür gibt es zahlreiche Möglichkeiten von Instagram Stories über virtuelle Rundgänge bis zu klassischen Broschüren, bei denen du mit verschiedenen QR Codes in die einzelnen Abteilungen blicken kannst. Es gibt hunderte Möglichkeiten die es deiner Zielgruppe ermöglichen tief in dein Unternehmen zu blicken.

Lass dich bewerten

Ja, wir wissen es – Bewertungen können auch mal schlecht ausfallen und ja es kann auch sein, dass ihr mal auf kritische Bewertungen schnell und mit viel Arbeitsaufwand reagieren müsst, aber es lohnt sich. Wie bereits erwähnt gehört Authentizität zu den wichtigsten Werte für die junge digitale Generation und Bewertungen sind ein geniales und vor allem einfaches Mittel um dies zu transportieren. Für Bewertungen gibt es zahlreiche Anbieter, von den Klassikern wie Google Bewertungen, Facebook Bewertungen bis hin zu kununu und janmeda Bewertungen. Nebenbei erzeugt ihr euch natürlich noch User generated Content, was auch eure Kunden zu schätzen werden wissen.

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Darf es noch etwas authentischer sein?

Was ist noch authentischer als Content, den deine Mitarbeiter produzieren und Bewertungen, die öffentlich sichtbar sind? Was kann mit relativ wenig Aufwand produziert werden  und hat aktuell eine enorme Reichweite? Richtig – Instagram Live Videos. Eure Abonnenten erhalten nicht nur eine Push Benachrichtigung, sobald ihr ein solches Video startet, ihr könnt auch eure Reichweite damit steigern. Das wirkliche Geheimnis bei der Generation der digital Natives ist aber, dass man in Live Videos nicht tricksen kann. Es können sich keine Antworten auf Fragen zurecht gelegt werden, sondern ihr müsst live, schnell, transparent und spontan auf eure Zielgruppe reagieren. Natürlich überlegt ihr euch im Voraus Antworten auf Fragen junger Talenter, die evtl. gestellt werden können, aber im Gegensatz zu einem normalen Video ist das ganze trotzdem noch sehr authentisch. Der schöne Nebeneffekt bei den Live Videos – man akzeptiert ein Video in nicht perfekter Qualität. Es bedarf keiner Hohlkehle und einer professionellen Kamera mit Live API zu Instagram. Besorgt euch einfach einen ruhigen Platz in eurem Unternehmen und leuchtet diesen aus. Das Live Video macht ihr mit eurer Frontkamera. Geringer Aufwand, aber maximaler Nutzen.

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Lass in dein Unternehmen blicken und zeig, wie dort wirklich gearbeitet wird. Fotos wie dieses solltest du auf keinen Fall verwenden, sie sind zu fingiert und zeigen keinerlei Authentizität.

 

Hallo, schau mich an!

Die Generation Z wuchs von Anfang an mit digitalen Inhalten, Werbeeinblendungen, PopUps und personalisierter Werbung auf. Die Aufmerksamkeit dieser Generation zu bekommen wird aufwendiger, als je zuvor. Die Kinder dieser Zeit haben gelernt Werbeinhalte ganz automatisch als solche zu erkennen und diesen gar keine große Beachtung zu schenken. Sie wissen ganz genau, dass Werbung personalisiert ausgespielt werden kann und hinterfragen kritisch die Inhalte von Werbebotschaften. Über die Jahre haben Sie einen “Relevanzfilter” entwickelt, der das Leben für Marketer schwer macht. Andererseits, habt ihr es einmal über diesen Filter hinweg geschafft folgt euch diese Zielgruppe treu und konsumiert eure Inhalte. Ein Patentrezept gibt es für dieses Problem wohl kaum. Wichtig ist, aus der Masse herauszustechen. Seid anders und seid mutig. Generiert natürlichen authentischen Content, den ihr eurer Zielgruppe präsentiert. Nutzt dabei das natürliche Interesse eurer Personas an den Themen eures Unternehmens aus.

Zeig, was du hast

Man kann so viel über das eigene Unternehmen erzählen und gerade wir Marketer sind ja besonders kreativ den befristeten Arbeitsplatz ohne Karrieremöglichkeit noch als großartige Stelle zu verkaufen, um den sich dutzende Bewerber geradezu reißen. Bei einer älteren Generation mag das vielleicht noch geklappt haben, aber die digitale Generation ist es gewohnt Dinge in Frage zu stellen und sich binnen Sekunden in Bewertungsportalen über die Wirklichkeit zu informieren. Driftet die Marketing Darstellung und die wirklichen Bewertungen und Einblicke meilenweit auseinander verlierst du das Vertrauen bei dieser Zielgruppe vollends.

Ständiges lernen ist ein Schlüsselfaktor

Die junge Generation, vor allem die der Generation Z tickt anders, sie möchte sich weiterentwickeln und sich stetig verbessern. Sie hat einen hohen Anspruch an sich selbst und ist extrem ehrgeizig. Deshalb ist die ständige Weiterbildung für diese Generation ein Schlüsselfaktor bei der Entscheidung für den zukünftigen Arbeitgeber. Dies zeigen aktuelle Studien auch eindrucksvoll. Bilde also die stetige Weiterbildung auch in deinem Employer Branding ab. Zeige, dass die Kultur in deinem Unternehmen und transportiere diese auch nach außen, indem du zum Beispiel Erfolgsstories von Mitarbeitern kommunizierst, in denen der Lebenslauf der Mitarbeiter skizziert wird. Hier könntest du Mitarbeiter nennen, die als Auszubildender bei dir begonnen haben und durch stetige Weiterbildung mittlerweile zum Abteilungsleiter aufgestiegen sind.

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Zeig die “Lernkultur” in deinem Unternehmen und zeig sie so, wie sie auch wirklich jeden Tag gelebt wird.

 

Wie motiviert man digitale Generation?

Die junge Generation hat ganz eigene Interesseren und Ansichten. Diese Menschen für eine Sache zu motivieren ist dabei nicht schwer, hat sich aber im Gegensatz zu den Vorgänger Generationen verändert. In einem kurzen Überblick lassen sich diese Menschen dadurch motivieren:

  • 87% lassen sich durch Spaß motivieren
  • 79% durch Leidenschaft
  • 75% durch Geld
  • 64% soziales Engagement
  • 64% Anerkennung

Diese Werte lassen sich durch gezieltes Marketing in den Vordergrund setzen. Nutzt dabei die Prinzipien der Gamification auf euren Websites und motiviert eure Zielgruppe durch Spaß. Zeigt, welche sozialen Einrichtungen ihr unterstützt und zeigt den Stolz auf eure Mitarbeiter ganz öffentlich auf euren sozialen Profilen.

Soziale Medien nutzen

Über das Thema braucht man nicht diskutieren. Soziale Medien sind ein enorm wichtiges Thema für Arbeitgeber. Viele young professionals nutzen die sozialen Medien um noch vor Ihrer Bewerbung Informationen zur Kultur eines Unternehmens zu sammeln. Die Authentizität von sozialen Medien liegt dabei noch über denen von Unternehmens Blogs und Websites. Vor allem bei jungen Menschen ist Instagram und Snapchat dabei das interessanteste Medium. Für Marketer ist es dabei gar nicht so leicht Ideen zu finden für attraktive Postings. Deshalb möchte ich dir gerne eine kleine Ideenliste zur Verfügung stellen für attraktive Snapchat und Instagram Posts bzw. Stories.

  • Hinter den Kulissen: Zeige wie es hinter den Fassaden deines Unternehmens aussieht
  • Success Stories: Berichte in Interview Form über den Werdegang eines Mitarbeiters
  • Incentivies: Zeige jeden Tag einen neuen Mehrwert deines Unternehmens z.B. kostenloser Kaffee, kostenfreies Obst usw.
  • Teambuilding: Zeige Fotos von Teamevents
  • Praktikanten: Zeig Praktikanten und ihre Arbeit ganz bewusst in den sozialen Medien
  • Kurzinterviews: Mache kurze Videos mit Mitarbeitern mit “entweder oder” Fragen z.B. “Sommer oder Winter”, “Hemd oder T-Shirt” usw.
  • TakeOver: Lass Mitarbeiter deine Kanäle einen Tag lang übernehmen
  • Ein Tag aus der Sicht von: Lass deine Kollegen einen Tag aus deren Sicht Revue passieren. Das nutzen wir z.B. auch gerne, wie hier zu sehen.

Fazit: Machen

Employer Branding für digitale Natives ist nicht unbedingt einfach, aber definitiv machbar. Es geht darum, die richtigen Dinge zu kommunizieren und dabei vor allem authentisch zu bleiben. Wo man früher noch den Text an der ein oder anderen Stelle geschickt aufhübschen konnte, hinterfragen Digital Natives Fakten und sind es gewohnt Dinge in Bewertungsportalen auf die Probe zu stellen. Bist du dort gut aufgestellt wirst du dem demografischen Wandel der nächsten Jahre gelassen entgegenblicken können.