Inhaltsverzeichnis:

5 typische Fehler im Videomarketing

5 typische Fehler im Videomarketing

Lesezeit: 11 Min | Autor: Hendrik Unger

Videomarketing macht nicht nur Spaß, sondern funktioniert auch sehr gut im Marketing-Mix. Immer mehr Unternehmen gehen dazu über, mehr Budget in YouTube Channels, Video-Kampagnen und virale Bewegbilder zu investieren. So wird die Kommunikation mit der Zielgruppe auf kreative und emotionale Weise lebendiger und transparenter. Nachdem ich nun schon seit vielen Jahren Firmen, Promis und YouTuber berate, kann ich dir hier die typischsten Fehler aufzeigen, die du auf jeden Fall nicht machen solltest. Erfahre in diesem Artikel mehr über die wichtigsten Fallstricke auf dem Weg zu deiner erfolgreichen Videomarketing-Strategie.

Mehr zum Online Marketing

1. Du zeigst Werbung anstatt echter Mehrwerte

Ein geniales Video durch die Decke gehen zu lassen, wenn der Zeitpunkt und die Zielgruppe stimmen, klappt heutzutage wunderbar. Jedoch kann dein Video noch so gut ankommen und doch keinerlei Marketingwirkung haben. Wichtig sind die Branding-Rahmenbedingungen, damit ein gern gesehenes Video auch mit deiner Marke oder deinem Produkt in Verbindung gebracht wird. Wir erinnern uns an viele süße Katzenvideos, viral Spots noch und nöcher – aber können wir immer sagen welcher Absender dahinterstand? Bei einem Stichwort wie „SUPERGEIL“ wissen alle Zuschauer auch nach Jahren noch „Ach war das nicht das Musikvideo von Edeka mit Friedrich Lichtenstein?“. Das Drama wäre hier perfekt, wenn sich bei solch einem Marketing-Stunt keiner an den Namen der Supermarktkette erinnern könnte. Der Grat zwischen zu viel Coolness im Video und dabei das eigene Branding völlig zu vergessen ist sehr schmal. Denn auf der anderen Seite ist zu viel Branding & Eigenwerbung auch nicht beliebt bei dem Zuschauer. Schauen wir uns einmal an, wieviel Werbung ein Nutzer verträgt. Im Schaubild der Waagschale für relevante Social-Media-Werbung sehen wir ein optimales Mischungsverhältnis für werblichen Video-Content. Jedes Unternehmen muss für sich selber wissen, in wie weit man sich an solch einer Vorgabe orientiert.

videomarketing-bildschirmfoto-1

Abb. 1: Waagschale für relevante Social-Media-Werbung.

 

An dieser Stelle ist es wichtig sich noch einmal zurück zu besinnen, warum Social-Media-Kanäle ursprünglich geschaffen wurden: Es geht um den Austausch von Alltäglichem zwischen privaten Personen: Urlaubsfotos, Erlebnisberichte, Erinnerungen, schöne Fotos von Essen, Reisen, Haustieren und vieles mehr. Hier stört jede Werbebotschaft diese privaten Unterhaltungen und fühlt sich als Fremdkörper an. Also was tun? Mittlerweile gehören Ads und werbliche Postings und Videos im Social Web einfach dazu und sind ein gelerntes Element geworden. Damit geht aber auch die Blindness für Werbung auf YouTube, Facebook, Instagram und Co. einher. Alles was nach Werbung aussieht, kann mit purer Ignoranz der Netz-Gemeinde gestraft werden. Platte Werbung wird nicht wahrgenommen. Damit du aber dennoch mit deinen Videos bei den Usern ankommst und auch wahrgenommen wirst, solltest du deine werblichen Botschaften in Geschenkpapier verpacken. Das geht ganz einfach: Zeige dem Zuschauer was er wirklich sehen möchte und stelle deine Werbebotschaft etwas zurück. Es muss nicht immer gleich Cat- oder Dog-Content sein, aber dass Tiere immer noch sehr gut funktionieren sehen wir hier:

2. Deine Basis ist schlecht vorbereitet

Auf Los geht‘s los! Oder doch nicht? Ich rate davon ab zu hastig zu starten, denn ohne solide Basis fruchten deine Videoclips einfach nicht. Egal wo du Videos hostest, deine Ausgangsbasis ist das A und O. Das kann zum Beispiel die einladende Startseite deines YouTube-Kanals sein. Hier erwartest du den Nutzer im besten Fall mit einer schönen Übersicht der Videothemen, mit einem Channel-Intro-Trailer, der verrät was den potenziellen Neu-Abonnenten für Content erwartet und einem grafisch stimmigen Gesamtbild, das das Ganze abrundet.

videomarketing-bildschirmfoto-2

Abb. 3a: Leerer Channel

 

a) Leerer Channel

Dein Channel sieht so aus? Dann lade besser noch kein Video hoch, sondern mach dich erstmal mit den grafischen und technischen Grundlagen vertraut. Es geht hierbei schließlich um den ersten Eindruck für Nutzer, die dein Video sehen, dann auf dein Channel klicken und sich eventuell dazu entscheiden, deinen Kanal zu abonnieren. Strahlst du hier mit einem übersichtlichen Aufbau, gut strukturierten Clips und aufschlussreichen Infos, hast du gute Karten, um deine potenziellen Subscriber zu überzeugen. Neben dem ersten Eindruck zählt aber auch das technische Set-Up: Vergib Channel-Tags und beschreibe deinen Kanal. So können die Plattformbetreiber viel besser einordnen wo du thematisch später ranken wirst. Fehlt diese Angabe, haben es deine neuen Videos schwer, überhaupt beachtet zu werden. Also beschreib hier nicht deine Marke oder dein Produkt, sondern das, was Zuschauer hier in den nächsten Wochen von dir erwarten können.

Checkliste für dein YouTube-Channel-Setup:

  • Channel-Header-Grafik
  • Profilbild-Grafik
  • Vanity-URL
  • Channel-Name
  • Verlinkte Kanäle
  • Playlists und weitere Startseiten-Module
  • Kanal-Intro-Trailer
  • Kanal-Info-Text
  • Thumbnail-Vorlage
  • Template für deine Video-Gestaltung (Intro, Outro, Bauchbinden etc.)
  • Festlegen der Verlinkungen aus dem Channel heraus
  • Channel-Tags vergeben
videomarketing-bildschirmfoto-4

Abb. 3b: Channel mit teilweise gefüllter Startseite

 

b) Channel mit teilweise gefüllter Startseite

Oft sehe ich Channels bei denen noch Luft nach oben ist, da grundlegende Angaben und Einstellungen fehlen. Hier ist z.B. die Kanal-Beschreibung nicht vollständig ausgefüllt und die Startseite weist keine thematische Sortierung in Form von Playlist-Modulen und keinen Kanal-Intro-Trailer auf. Der Kanal ist dann bereit für einen grundlegenden Channel-Relaunch, um ihn technisch, inhaltlich und grafisch auf Vordermann zu bringen.

videomarketing-bildschirmfoto-3

Abb. 3c: Channel mit vollständiger Startseite

 

c) Channel mit vollständiger Startseite

Die besten Karten hat ein Channel, der ideal vorbereitet ist. Alle Flächen werden sinnvoll genutzt, es gibt keine leeren Felder oder ungenutzte Flächen. Verlinkungen z.B. den Channel zu abonnieren sind an sinnvollen Stellen positioniert. Halte dich daher an die Checkliste für das perfekte Channel-Setup auf YouTube. Somit gehst du sicher, eine ideale Pole-Position für deine ersten Videos zu erreichen.

Beispiele gut strukturierter Channels

Nachfolgend zeige ich 5 Beispiele von Kanälen, die teilweise von mir und meinem Kreativ-Team aufgebaut bzw. gepflegt wurde:

3. Alles dreht sich um die Wünsche der Zuschauer

Ist dein Content zu wenig nutzerrelevant, aber der Werbedruck in deinen Clips zu hoch, kann genau das eine Fehlerquelle für geringe Reichweite und für ausbleibendes User Engagement sein. Versetze dich stets in die Fisch-Perspektive, anstatt alles durch die Brille des Anglers zu betrachten. Was dich als Publisher interessiert ist zweitrangig. Es zählt einzig und allein was ein Nutzer sehen möchte.

videomarketing-bildschirmfoto-bild-vergleich

Abb. 4: Anstatt werblicher Produktfeatures, erstmal Einblicke zum Produkt aus Usersicht liefern

 

Spielen wir das Ganze mal an einem Beispiel durch: Du vertreibst Parfum und möchtest ein ganz bestimmten Damenduft namens „LANCÔME La vie est belle“ bewerben. Hier macht es wenig Sinn, rein werblich rein zu kommunizieren und ein Video rund um das Produkt, dessen Features und den Preis zu erstellen. So etwas wird von den Zuschauern als platte Werbung abgetan und ist nicht beliebt. Nun müssen wir überlegen, was die Zielgruppe wirklich interessiert. Ein Erfahrungsbericht, ein Vergleich verschiedener Damendüfte oder ein Themenvideo zu Damendüften in jeglicher Form kommt dem Nutzerinteresse näher. Wirft man seine Angel durch ein spannendes Video aus, so kannst du dann auch bedacht deine Werbebotschaft anfügen. Bleiben wir beim Beispiel und kreieren ein Video zu den „Top 3 Damendüften für den Sommer 2019“ wird schon eher ein Schuh daraus. Das wir darin das zu promotende Parfüm „LANCÔME La vie est belle“ auf Platz 1 zeigen, versteht sich von selbst.

4. Content hui, technisches Set-Up pfui

Ist dein Video-Content gut durchdacht, folgt einer klaren Linie und enthält eine schöne Story für die Follower, so heißt das noch lange nicht, dass dein Content auch gesehen wird. Neben der Tatsache, dass die meisten Social-Media-Kanäle eine virale Startrampe für Bewegbilder bieten, ist ein großer Aspekt dieser raschen Verbreitung technischer Natur. Hier gilt es verstehen zu lernen, wie die Algorithmen der Plattformen arbeiten und wie man hier gekonnt andockt. Im Video-Bereich hat sich der Begriff Video-SEO durchgesetzt. Gleichzeitig wird dies leider oft vernachlässigt.

videomarketing-bildschirmfoto-vid-iq

Abb 5: Kostenloses Browser-Plugin für Google Chrome namens „VID IQ“

 

Es gibt hierbei, ähnlich wie bei klassischen Website-SEO, Helfer-Tools, die dich bei der Arbeit unterstützen. Somit können detaillierte Auswertungen und Statistiken zu einzelnen Videos oder Kanälen über einschlägige Tools abgerufen werden.

Beliebte Video-SEO-Tools:

Die Faustregel ist immer: Finde anhand eines Keywords oder Themas eine Nische, die ein großes Suchvolumen und gleichzeitig eine niedrige Konkurrenz aufweist. Denke jedoch immer daran, dass die die Helfer-Tools nur nackte Zahlen liefern und keine eigene Denkleistung bieten können! Nutze bei deiner Keywordanalyse die Tools nur als Orientierung. So kann es sein das ein Keyword umkämpft scheint, aber es in Wirklichkeit nicht ist. Hier hilft es ein Blick auf die Rankings zu werfen: Wenn du feststellst, dass für deinen Suchbegriff zwar Videos mit guten Aufrufzahlen weit oben bei YouTube ranken, aber schon seit Jahren veraltet sind, dann hast du hier eine gute Chance, diese Videos mit einem neueren, besseren Video zu überholen.

Die grundlegenden Einstellungen im Video-SEO-Bereich solltest du zum einen für jedes Video einzeln vornehmen, zum anderen aber auch für den Channel im initialen Set-Up. So stellst du sicher, dass du technisch Oberwasser behältst und deine Konkurrenz in den Rankings übertreffen kannst. Vor allem das Plugin VidIQ hilft dir dabei zu sehen, wie andere Channels auf YouTube ihre Videos und Kanäle aufbauen und mit Video-Tags bestücken. Lerne von den Besten und Schlechtesten wie du deine Video-SEO-Strategie für dich am besten entwickelst.

5. Dialog statt Monolog

Als Brand neigt man dazu immer in den Wald hineinzurufen und ist sehr darauf bedacht, ständig neue Botschaften auszusenden. Doch wird auch darauf geachtet was zurückkommt? In einigen Fällen stelle ich fest, dass der Community-Gedanke untergeht. Es liegt in der Natur der Sache, dass eine werbliche Kommunikation immer neue Angebote, Botschaften bereithält. Jedoch ist ein Social-Media-Netzwerk wie YouTube keine reine Werbeplattform. Wie der Name schon sagt, ist es ein Netzwerk! Hier tauschen sich Menschen untereinander aus: Fans mit Publishern, Marken mit ihren Kunden und Zuschauer untereinander. Dies gilt es zu erkennen und als Channel-Betreiber gezielt zu fördern. In einem Netzwerk kann man umso besser punkten, je stärker man den Community-Gedanken lebt.

Fass dir einmal an die eigene Nase und beantworte für dich die Fragen, wie sehr du Networking für deinen Channel betreibst. Fallen deine Antworten mehrheitlich negativ aus, solltest du daran arbeiten, stärker in den Dialog zu treten:

  • Kommentierst du auch auf anderen Kanälen bei YouTubern, Mitbewerbern und themenverwandten Kanälen?
  • Antwortest du nicht nur auf Kommentare unter deinen eigenen Videos?
  • Gibst du als Channel Gefällt-mir- oder Gefällt-mir-nicht-Angaben für Videos außerhalb deines Channels auf der Plattform ab?
  • Lässt du fremde Videos in deinen eigenen Playlists zu?
  • Dürfen deine Subscriber mitentscheiden, welchen Content du in nächster Zeit produzierst?

Die Kommunikation kann zusätzlich gestört werden, wenn du zu früh Werbung in deinem Channel schaltest. Dies muss nicht immer nur eigene Werbung sein. Möchtest du deinen Channel nicht aus Gründen von Branding und für das Marketing eigener Produkte verwenden, bietet sich der Einsatz von Monetarisierung und Sponsorings an. Hierbei arbeitest du redaktionell interessante für deine Zuschauer aus und generierst durch die Frequenz und Reichweite deinen monetären Income. Aber Vorsicht: Baust du einen neuen Channel und deine Community gerade erst auf, dann betätige nicht zu früh den Hebeln zur Monetarisierung. Dies kann abschreckend wirken auf deine Zuschauer. Besonders fies ist es, wenn du das Werbemittel Non-Skippable 30sec Ads zulässt. Hier ist der Nerv-Faktor garantiert und die Absprungrate deiner neuen, mühsam aggregierten potenziellen Neu-Abonnenten hoch. Gehe also sparsam damit um, deine Audience zu früh zu überfordern.

videomarketing-bildschirmfoto-5

Das Fazit

Die Gefahr ist: Du willst zu viel, zu schnell. Sei dir bewusst, dass Videomarketing eine sinnvolle Anreicherung in deinem Marketing-Mix darstellen kann. Jedoch fällt der Erfolg nicht von Bäumen und kann dein Marketing nicht komplett ersetzen. Gib den Nutzern das, was Sie sehen möchten und setze darauf, nur etwas zurückzuverlangen, indem du deine Werbung subtil gestaltest. Kombiniere Mehrwerte mit zurückhaltenden(!) Werbebotschaften, damit bei deinem Publikum der Spaß nicht auf der Strecke bleibt. YouTube ist schließlich kein Homeshopping-Kanal oder eine Dauerwerbesendung. Zuviel Werbedruck oder auch die zu frühe Aktivierung der Monetarisierung schreckt Follower in der Aufbauphase deiner Bewegbild-Aktivitäten ab. Starte mit einer gründlichen Vorbereitung deiner Video-Strategie und überzeuge so mit deinen gut ausgearbeiteten Video-Inhalten auf ganzer Linie.