Sind wir jetzt alle nur noch Google?

Wären wir wirklich konsequent, dann würden wir ab sofort nicht mehr den Begriff Suchmaschine verwenden, sondern nur noch Google. SEO müsste eigentlich GEO heißen, anstatt von SEM sollten wir von GEM sprechen und so ehrlich sein, anstatt SEA endlich GEA (Google Engine Advertising) zu gebrauchen. Denn, was bitteschön meinen wir anderes als Adwords, wenn wir den Begriff in den Mund nehmen. Genauso, wie bei uns die Marke Uhu zum Synonym für Klebstoff geworden ist und Tempo für Papiertaschentuch steht, ist dem Konzern aus dem Silicon Valley in wenigen Jahren etwas gelungen, wovon andere nur träumen. Nicht nur, dass er seiner Marke zu weltweiter Bekanntheit verhalf – das können andere auch – sondern dass „Google“, der gewollte Schreibfehler von „Googol“ (10 hoch 100) sich der Sprachen dieser Welt bemächtigt hat. Im Englischen ist das Verb „to google“ etwas völlig normales und auch der Duden hat „googeln“ längst in den Wortschatz der deutschen Sprache aufgenommen. Die Schweden sagen wie selbstverständlich „googlade“ und die Norweger „googlet“, wenn sie gegoogelt haben. Selbst die auf Sprachpurismus bedachten Franzosen haben kein Problem damit, „j’ai googlé“ (ich habe gegoogelt) zu sagen. Voilà, geht doch. Wenn wir von Suchmaschinen reden, meinen wir eigentlich nur noch Google. Nun gibt es zwar noch ein paar weitere Suchmaschinen, sie fallen in Deutschland, Europa und den USA allerdings kaum ins Gewicht. Die einzige Ausnahme ist das aufstrebende China, wo Baidu dem Suchmaschinengiganten aus dem Silicon Valley erfolgreich Paroli bietet.

Von der Internetrevolution zur Suchmaschinenrevolution

Wer den Beginn der Internetrevolution bewusst miterlebt hat, wird sich noch gut daran erinnern können, dass das Thema Suchmaschine am Anfang relativ wenig Beachtung fand. Nun ja, das Dutzend Adressen der Websites, die Otto-Normalsurfer bis Mitte der 1990er Jahre regelmäßig aufsuchte, konnte er zur Not noch im Kopf behalten. Um diesen Zeitpunkt herum gingen die ersten Suchmaschinen an den Start. Anfangs noch unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit nahm das Thema nach und nach immer mehr Raum ein. Die Ansprüche der Nutzer stiegen und die Geschwindigkeit von Volltextsuchen verblüfften damals IT-Fachleute auf der ganzen Welt. Nun reichte deren Horizont über Client-Server und relationale Datenbanken, State of the Art bei der Organisation von Daten im Unternehmensnetzwerk kaum hinaus. Also rätselten sie fleißig um die Wette, welche Technik wohl dahinter steckte.

Eine Ahnung davon, wie Information-Retrieval-Systeme der Zukunft arbeiten werden, hatten allenfalls diejenigen, die sich mit Systemen wie beispielsweise Lotus Notes befassten. Die dokumentenbasierte Groupware Notes stellte so ziemlich alle Glaubenssätze auf den Kopf, die die von chronischem Speichergeiz zerfressenen Datenbankgurus bis dato zum Mantra erhoben hatten, weil sie eben nichts anderes kannten. Volltextrecherchen – um Himmels willen. Die Zeiten hatten sich aber geändert. Speicher wurden immer leistungsfähiger und die Preise für Speicherchips sanken. Um jedes Bit und Byte zu feilschen, war technisch längst überholt. Wäre dem nicht so, wäre der Aufbau des inzwischen gigantischen, über 100 Millionen Gigabyte umfassenden Google-Index gar nicht denkbar.

Suchmaschinen gab es schon vor Google

Zu den ersten bekannten Suchmaschinen gehörte Altavista. Seinerzeit war sie – wie Google heute – Marktführerin. Mit der Zeit gesellten sich Yahoo, Lycos, Fireball und noch ein paar weitere Wettbewerberinnen hinzu. Inzwischen sind alle diese Projekte als eigenständige Suchmaschinen Geschichte. Auch wenn die Portale zum Teil noch existieren, so zeigen sie lediglich Suchergebnisse von Google oder der Microsoft-Suchmaschine Bing an – das gilt übrigens auch für die Suche über große Portale wie GMX oder T-Online.

Was viele ebenfalls nicht wissen: Google war ein absoluter Spätzünder im Suchmaschinenmarkt. Der Durchbruch des Marktführers, der 1998 startete, gelang erst in der Mitte der Nullerjahre dieses Jahrhunderts. Das Erfolgsgeheimnis – wie wir inzwischen alle wissen – lag in der Qualität der Suchergebnisse und der systematischen Spambekämpfung. Der Google-Algorithmus vermochte Seiten zu gewichten und führte mit dem PageRank ein Maß für die Qualität einer Website ein.

Die totale Vergoogelung

Inzwischen scheint das ganze Internet vergoogelt. Für viele jüngere Nutzer ist ein Internet ohne Google gar nicht mehr vorstellbar. Aus dem Suchmaschinenanbieter ist inzwischen einer der größten Player im digitalen Business geworden – ob uns das nun passt oder nicht. Vom Kartendienst Google Maps über den App-Shop Google Play bis hin zum Cloud-Dienst Google Drive – in nahezu allen digitalen Sparten ist Google dick im Geschäft. Damit will man sich nicht zufriedengeben. Software für selbstfahrende und automatisch navigierende Autos sowie Apps für neue Mobilgeräte wie Smartwatches hat der Marktführer bereits im Portfolio und weitere zukunftweisende Projekte auf der Agenda.

Und wir armen Hanseln müssen nach Googles Pfeife tanzen. Jawohl. Wer sich nicht an die Spielregeln hält, muss mit Sanktionen rechnen. Die von Google bestimmten Regeln wurden uns Webmastern und SEOs in den letzten Jahren häppchenweise immer dann bekannt gegeben, wenn der Marktführer im Begriff war, seinem Algorithmus ein Update zu gönnen. Wer nicht rechtzeitig Maßnahmen ergriff, konnte nach dem nächsten Crawling unmittelbar betroffen sein und mit seiner Seite in den Suchergebnissen böse abstürzen. Vom einen auf den anderen Tag wurden neue Rankingfaktoren eingeführt und bislang bekannte Faktoren neu gewichtet oder ganz außer Kraft gesetzt. Die neueste Schikane aus dem Hause Google heißt übrigens Mobile-Friendliness. Websites, die zum Stichtag am 21.04.2015 nicht responsive designt waren, hatten fortan das Nachsehen.

Doch ganz so gemein will Google nun auch wieder nicht sein und stellt Webmastern eine Testseite bereit, auf der sie die Mobilfreundlichkeit ihrer Seite testen können. Falls „Nicht für Mobilgeräte optimiert“ in knallroter Schrift erscheint, gibt das Tool Tipps, wie sich die Seite für Mobilgeräte optimieren lässt. Ebenso stehen Webmastern mit den kostenlosen Webmastertools Werkzeuge zur Verfügung, mit denen sie die Suchmaschinenfreundlichkeit oder besser gesagt die Google-Freundlichkeit ihrer Website testen und analysieren können. Wir erfahren, welche Seiten uns verlinken, über welche Suchbegriffe wir gefunden werden und viele weitere Details, die Aufschluss darüber geben, mit welchen Augen der Webcrawler Googlebot unsere Website sieht.

Andere relevante Online Markeing Tools findet Ihr hier!

Wenn Sie als SEO wissen möchten, wie Sie die Webmastertools bei Ihrer täglichen Arbeit noch effektiver einsetzen können, um die Usability von Websites zu verbessern und Seiten noch suchmaschinenfreundlicher zu gestalten, freuen wir uns über eine rege Teilnahme am Workshop von Peter Schmidt „Google Webmastertools im SEO-Alltag erfolgreich einsetzen“ auf dem Online Marketing Tag 2015 am 4. September 2015 in Wiesbaden.