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Webdesign & Usability – Text allein bringt keinen SEO-Erfolg

Webdesign & Usability – Text allein bringt keinen SEO-Erfolg

Lesezeit: 9 Min

Hochwertiger und ehrlicher, gut aufbereiteter Content ist wichtiger, als einfach nur viel Content zu produzieren. Mit „gut aufbereitet“ meine ich: Der Content muss gut präsentiert werden; egal, welche Präsentationsplattform im Internet genutzt wird. Ganz besonders muss aber darauf geachtet werden, wenn dies auf der eigenen Webseite geschieht.

Wir haben gelernt, niemanden nach dem Aussehen zu beurteilen, aber wir machen es trotzdem und besonders im Internet, wo wir anonym unterwegs sind und mit einem Klick auf eine andere URL niemanden persönlich verletzen, achten wir vielleicht so extrem auf Design wie nirgends sonst.

Innerhalb von einem Lidschlag, der nur zwischen 150 und 250 msec. Dauert 1, entscheiden wir, ob uns eine Webseite zusagt oder nicht. 94 % der ersten Eindrücke auf einer Webseite sind designbezogen 2 und 75 % der User leiten anhand des Webdesigns die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens ab 3.

Mit einem Lidschlag hat der Nutzer nicht einmal die Headline gelesen, aber anhand des Designs bereits entschieden, ob er positiv oder negativ an den Content herangeht, wenn er sich überhaupt weiter mit der Webseite beschäftigt.

Webdesign und Usability werden daher ein immer größeres Thema, da die Ansprüche der Internetnutzer stetig steigen. Wenn das Webdesign überzeugt, müssen andere Punkte folgen, damit der User an sein gewünschtes Ziel kommt.

Unterschied zwischen Usability und User Experience

Die Usability steht für die „Bedienbarkeit“ eines Produktes. Die Usability im Web bezieht sich daher auf die „Bedienbarkeit“ von Webseiten oder Web-Apps und deren Elemente, die für die Steuerung notwendig sind. Wird von einer „guten“ Usability gesprochen, bezieht sich dies auf die gute, einfache und intuitive „Bedienbarkeit“ des Produktes. Die Usability ist über die DIN EN ISO 9241-11 genormt, welche wie folgt definiert ist:

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„Die Usability eines Produktes ist das Ausmaß, in dem es von einem bestimmten Benutzer verwendet werden kann, um bestimmte Ziele in einem bestimmten Kontext effektiv, effizient und zufriedenstellend zu erreichen.“

Die User Experience (kurz: UX) bezieht sich auf die „Nutzerfreundlichkeit“ bzw. das „Benutzererlebnis“ eines Produktes. Bei der User Experience steht daher, im Gegensatz zur Usability, der Gesamteindruck im Fokus, den der User erhält bzw. erhalten soll. Die User Experience beeinflusst im Web somit das Design in Form von Farbe, Aufbau und gestalterischen Elementen, wodurch der User Spaß an der Nutzung der Webseite oder Web-App hat, sowie die Produktpräsentation und die Selbstdarstellung. Die User Experience ist ebenfalls genormt und zwar über die DIN EN ISO 9241-210, welche Folgendes enthält:

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„Wahrnehmungen und Reaktionen einer Person, die sich bei der Benutzung oder der erwarteten Verwendung eines Produktes, eines Systems oder einer Dienstleistung ergeben.“

Damit ein Besucher beim ersten Seitenaufruf einen positiven Eindruck von der Webseite erhält, ist eine gute User Experience entscheidend. Die Usability ist für den ersten Eindruck nicht entscheidend, sorgt aber dafür, dass der positive Eindruck gestärkt wird und der User sich gern auf der Seite bewegt, einen Kauf tätigt und sehr wahrscheinlich wieder auf die Webseite kommt und sie eventuell weiterempfiehlt.

Wie zeichnet sich gutes Webdesign aus?

Im Webdesign behält die Designregel „Die Funktion bestimmt die Form“ ebenfalls ihre Gültigkeit. Sämtliche Elemente, nicht nur die auf einer Webseite, sondern generell bei Produkten, sollten nicht nur für das Auge designt bzw. vorhanden sein. Sie sollten auch immer eine Funktion optimal erfüllen.

Gutes Webdesign sollte den Internetauftritt sinnvoll strukturieren und die Navigation über die Webseite erleichtern. Die Blicke eines durchschnittlichen Users beginnen in der oberen linken Ecke der Webseite und bewegen sich horizontal nach rechts. Anschließend springen die Blicke zurück nach links und wandern, bei hervorgehobenen Content, erneut nach rechts. Am Ende hat der User die Webseite von oben nach unten nach dem sogenannten „F-Schema“ gescannt. Dies wird so genannt, da sich die Augen über die Webseite bewegen, als würden sie den Buchstaben „F“ verfolgen.

Abbildung des F-Schemas für die Verbesserung der Usability auf einer Webseite.

Die linke Seite des Bildschirms wird daher fast komplett von oben nach unten vom User betrachtet. Dementsprechend sollten die Elemente auf der Webseite angeordnet sein. Das Logo beispielsweise befindet sich daher immer oben links auf einer Webseite und das Hauptmenü im oberen Bereich.

Nicht nur das Layout bestimmt die Benutzerfreundlichkeit einer Webseite. Auch Elemente wie Typografie oder Farbpalette sind wichtig für gutes Webdesign. Die graphischen Elemente sollten anhand der Corporate Identity ausgewählt werden und auch auf die Schriftgröße und den Kontrast zwischen Text und Hintergrund, gilt es zu achten.

Weißraum ist eines der grundlegenden Elemente im Webdesign. Der „leere“ Raum bieten dem Nutzer Platz, um durchzuatmen und Inhalte zu priorisieren. Zusätzlich werden wichtige Elemente durch den Weißraum hervorgehoben und der User kann entsprechend geleitet werden.

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„Einfachheit ist die höchste Form der Raffinesse.”

Leonardo da Vinci

Wie ist gute Usability zu erreichen?

Gute Usability lässt sich am besten erreichen, wenn der Nutzer in den Mittelpunkt aller Gedanken gestellt wird. Im Designprozess wirkt sich dieses Vorgehen auch auf die Gestaltung aus und man spricht von nutzerzentriertem Design.

Mit Hilfe von Erkenntnissen aus der Psychologie und Neurophysiologie kann das Design an den Menschen und seine Fähigkeiten perfekt angepasst werden. Bei der Gestaltung spielt das Wissen über die Wahrnehmung des Menschen eine entscheidende Rolle, da ein Design, das sich nah an der menschlichen Wahrnehmung orientiert, einen hohen Komfort und somit eine hohe Usability aufweist.

Durch mentale Modelle wird einem Menschen ermöglicht, seine gesammelten Erfahrungen in ähnlichen Prozessen erneut abzurufen, ohne einen neuen Lehrprozess durchlaufen zu müssen. Mentale Modelle entstehen anhand von Erfahrungswerten, die im Gedächtnis verankert sind. Webseitenbesucher sind dadurch in der Lage, den Warenkorb in jedem Shop schnell zu finden, da dieser meist oben rechts platziert wird.

Eine Webseite, die sich an vielen mentalen Modellen orientiert, wird von der Bedienung her schneller verstanden. Daher haben mentale Modelle ebenfalls einen großen Einfluss auf die Bedienbarkeit von Webseiten und steigern die Usability.

Mit Usability-Tests kann eine maximale Usability gewährleistet werden, da bei regelmäßigen Tests Probleme in einem frühen Stadium erkannt und behoben werden können. Ein spezieller Usability-Berater, der eine Webseite hinsichtlich ihrer Gebrauchsqualität von Grund auf überarbeitet, kann als Alternative oder sogar zusätzlich zu den Usability-Tests mit einbezogen werden.

Welche Auswirkungen hat Webdesign und Usability auf SEO?

Im Zuge der Suchmaschinenoptimierung gerät der wichtigste Bestandteil einer Webseite, nämlich der Nutzer, schnell in Vergessenheit. Dabei hängt am Nutzer der vermutlich größte bzw. wichtigste Rankingfaktor überhaupt und zwar die sogenannten Nutzerdaten. Dass die Suchmaschinen die auf einer Webseite hinterlassenen Daten der User immer stärker in der Webseitenbewertung beachten, ist kein Geheimnis mehr. Die Suchmaschinen möchten ihren Nutzer die besten Webseiten präsentieren und dies nicht nur in Form von Inhalten, sondern auch in Form von Usability und Webdesign.

Mit dem offiziellen Rollout des Mobile First Index hat Google einen weiteren Punkt in Sachen Webdesign und Usability für ihre Suchmaschinenergebnisse vorausgesetzt und somit auf die steigenden Suchanfragen über mobile Endgeräte reagiert.

Wer seinem Nutzer eine schlechte oder keine mobile Webseite bereitstellt, arbeitet aus Sicht von Google nicht nutzerorientiert und hat in ihren Suchergebnissen über kurz oder lang nichts mehr verloren.

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„Wir machen kein SEO. Wir machen UEO (User Experience Optimization).”

Martin Höllinger

Um mit der eigenen Webseite in den Suchmaschinen erfolgreich zu ranken, muss diese auf die Bedürfnisse der User ausgelegt sein, wodurch sie automatisch für die Suchmaschine optimiert wird.

Sich mit Webdesign und Usability im Prozess der Suchmaschinenoptimierung zu beschäftigen, macht daher absolut Sinn und sollte nicht vernachlässigt werden. Hier gilt natürlich, dass das Design zum Zweck der Seite passen und sich an der Zielgruppe orientieren sollte.

Content richtig und interessant gestalten

Ganz gleich, für welche Art von Webseite ein Text verfasst wird: Er sollte immer stilistisch gut aufgebaut und sprachlich korrekt sein. Damit ist nicht nur die online-gerechte Darstellung des Textes gemeint, sondern der gesamte Content sollte optisch ansprechend gestaltet werden.

Was in den Printmedien gut läuft, kann aufgrund der mentalen Modelle oft auf Online-Medien übertragen werden. Allerdings gibt es ab und an doch einige Abweichungen, da ein Display nicht dieselben Grundvoraussetzungen bietet wie ein Blatt Papier. Hinzu kommt die unterschiedliche Webseiteninterpretation der Browser und die Einschränkungen im Weblayout.

Mehrspaltige Texte sind in Zeitungen und Magazinen beispielsweise selbstverständlich, wogegen sie im Web so gut wie überhaupt nicht eingesetzt werden, obwohl es mit den neuen CSS3-Eigenschaften möglich ist. Die einspaltigen Texte in Blogs oder Onlinezeitschriften habe sich als Standard etabliert, aber ein schmales Textlayout wird trotzdem bevorzugt. Die optimale Spaltenlänge beträgt zwischen 50 und 80 Zeichen 4, da bei kürzeren Zeilen das Leseverständnis und das Erfassen des Inhaltes höher ist.

Zwischenüberschriften sollten genutzt werden, da der „große“ und erstmal unübersichtliche Text in kleinere Abschnitte unterteilt und aufgelockert wird. So kann sich der Leser besser orientieren und den Text inhaltlich, dank der Zwischenüberschriften, schneller überfliegen.

Bulletpoints haben einen ähnlichen Effekt. Sie ermöglichen schnelles Querlesen und lockern die Textstruktur auf; grade, wenn andere Content-Arten wie Bilder oder Videos im Text nicht oder nur wenig enthalten sind.

Bilder, Infografiken oder Videos sind für den Nutzer eine Möglichkeit, den gelesenen Text zu verarbeiten und leichter zu verstehen. Grafischer Content sollte den Text immer unterstützen oder bildlich zusammenfassen. Zusätzlich ermöglichen sie in Kombination mit den Zwischenüberschriften, den Text beim Überfliegen besser zu verstehen.

Fazit

Einfacher Text allein bringt heute keinen SEO-Erfolg mehr. Natürlich brauchen wir textlichen Inhalt, damit die Suchmaschinen unsere Keywords analysieren und die Webseiten entsprechend in den Suchergebnissen platzieren können. Der Text und die Webseite müssen aber anschaulich aufbereitet werden, denn der Anspruch der Nutzer ist mit den Jahren immens gestiegen.

Usability und Webdesign sind zwei Punkte, die immer wichtiger werden, je mehr die Suchmaschinen auf die Nutzerdaten achten.

 

 

Quellen:
1 https://kups.ub.uni-koeln.de/1677/1/Dissertation.pdf
2 https://blog.red-website-design.co.uk/2015/01/28/how-people-see-your-website-and-decide-whether-to-stay-or-go/
3 https://blog.red-website-design.co.uk/2015/01/28/how-people-see-your-website-and-decide-whether-to-stay-or-go/
4 https://webtypobuch.de/lesen/Kapitel-3/Kapitel-3-8