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Verwendung von Füllwörtern: Nonsense oder Notwendigkeit?

Verwendung von Füllwörtern: Nonsense oder Notwendigkeit?

Lesezeit: 11 Min | Autor: Angela Zahn

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In der heutigen Zeit sind nur noch wenige Monopole geblieben. Für jedes Produkt, jede Dienstleistung und jede Idee gibt es bereits weitere Anbieter auf dem Markt. Die Globalisierung macht es leicht, die eigenen potentiellen Kunden an Unternehmen aus der ganzen Welt zu verlieren. Wer sich dabei gegenüber der Konkurrenz erfolgreich behaupten will, muss unter anderem nützlichen, unterhaltsamen und informativen Content für seine Zielgruppe bereitstellen. 

Doch nicht jeder Content kommt dabei auch immer gut an. Neben einer falschen Zielgruppenansprache und Co. liegt das häufig an der Art und Weise, wie Texte geschrieben werden. Texte verschiedenster Art können zum Beispiel sehr stark unter Füllwörtern leiden. 

Recherchierst Du zu diesem Thema, wirst Du schnell merken: Füllwörter werden meistens nicht hoch geschätzt. Vielmehr bekommen die kleinen Lückenfüller immer ausnahmslos ihr Fett weg. 

Aber sind Füllwörter wirklich so nutzlos, wie alle behaupten? Blähen Füllwörter den Artikel nur sinnlos auf oder erfüllen sie auch eine Funktion? Sind Sie Nonsense oder Notwendigkeit?

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In diesem Artikel liest Du, was Füllwörter sind, wieso Menschen sie überhaupt verwenden, wie Du sie spielend leicht erkennst und weshalb sie Deine Texte vielleicht doch aufwerten können. Darüber hinaus gebe ich Dir noch einige Tipps, wie Du am Ende gute Texte erstellst.

Definition “Füllwörter”: Was heißt das genau?

Füllwörter – auch Flickwörter oder Floskeln genannt –  sind laut Duden Wörter “mit einem geringen Aussagewert”. Das bedeutet: Der Satz kann eigentlich auch ohne das zusätzliche Wort auskommen, denn der Sinn bleibt der gleiche.

Füllwörter werden häufig in der gesprochenen Sprache verwendet und sollen die eigentliche Bedeutung des Gesprochenen abmildern und / oder auflockern. In geschriebener Form werden Füllwörter allerdings nicht gern gesehen, denn sie gelten als unfein.

„Wenn es Sprache ist, hat es Bedeutung. Hat es keine Bedeutung, ist es Sound, Druckerschwärze oder Pixel - aber keine Sprache!”

Ann-Kristin Iwersen

So erkennst Du Füllwörter

Bevor Du Deinen Textstil optimieren kannst, solltest Du erstmal erkennen können, welche Wörter überhaupt als Füllwörter betrachtet werden. In der Regel sind sie einfach zu benennen. Füllwörter bilden an sich keine grammatikalische Kategorie. Sie können aus mehreren Wortarten bestehen und sind entweder Redewendungen, Adverbien oder Modalpartikel.

  • Redewendungen sind laut Wikipedia “eine feste Verbindung aus mehrere Wörtern”, die zusammen eine andere Bedeutung ergeben als die Wörter im Einzelnen. Redewendungen sind rhetorische Stilmittel und werden häufig im Gesprochenen verwendet.
  • Mithilfe von Adverbien beschreiben wir Handlungen näher. Oft beziehen sich Adverbien – wie der Name schon vermuten lässt – auf Verben. Durch sie gewinnen wir einen bildhaften Eindruck über Ort, Zeit, Grund sowie Art und Weise des Beschriebenen.
  • Modalpartikel sind die Essenz der Füllwörter. Denn Modalpartikel werden vor allem in der gesprochenen Sprache verwendet und geben Gefühle sowie die Stimmung des Redners zum Ausdruck.
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Untenstehend findest Du einige oft verwendete Füllwörter dieser Kategorien:

 

RedewendungAdverbModalpartikel
in der Regelallerdingseben
im Allgemeinenreindoch
in diesem Zusammenhangdennochaber
im Prinziptrotzdemeh
in Wahrheitüberhauptgar
sonstdenn
möglicherweiseeinfach
eigentlich

 

Im Prinzip ist jedes Wort ein Füllwort, das nichts Wesentliches zur Bedeutung des Satzes beiträgt und eine Lücke füllen soll.

Der wirkliche Stellenwert von Füllwörtern 

Trotz der allgemeinen Meinung, Füllwörter seien schlecht für die Textqualität, kommen diese häufig auch in geschriebener Form vor. Denn Füllwörter helfen, die Aussage des Textes zu akzentuieren und den richtigen Ton zu treffen. Im Folgenden gebe ich Dir einige Beispiele, in denen die Formulierungen mit Flickwörtern den Satz aufwerten:

“Das Rauchen im Gebäude ist ausdrücklich nicht erlaubt.” 

“Das Rauchen im Gebäude ist nicht erlaubt.”

→ Die Floskel in dieser Formulierung unterstreicht das Verbot, im Gebäude zu rauchen. 

“Die Aussage des Verdächtigen entspricht im Prinzip der Wahrheit.” 

“Die Aussage des Verdächtigen entspricht der Wahrheit.”

→ Ohne das Füllwort “im Prinzip” wird die Aussage ohne jeden Zweifel abgekauft, obwohl hier ein Misstrauen besteht. 

“Das Gesundheitsministerium rät, die Wohnung nicht zu verlassen. Eine Ansteckung könnte sonst erfolgen.”

“Das Gesundheitsministerium rät, die Wohnung nicht zu verlassen. Eine Ansteckung könnte erfolgen.”

→ Das Füllwort “sonst” macht die Konsequenzen klar, die folgen, wenn ein Ratschlag nicht eingehalten wird. 

Füllwörter bei Tonalitäten einzelner Zielgruppen

Füllwörter sind also ein nicht zu unterschätzender Bestandteil – auch in Tonalitäten verschiedener Zielgruppen haben sie ihre Berechtigung. Je nachdem wie sich Deine Zielgruppe zusammensetzt, solltest Du Deine verwendeten Wörter anpassen. 

Sind die Zielpersonen hippe, natürliche und nachhaltige Privatpersonen im Alter von 18 bis 35 Jahren, ist eine natürliche Ansprache in Kombination mit Füllwörtern sinnvoll. Für eine gehobene Zielgruppe, die Wert auf Objektivität legt, sind Füllwörter nicht unbedingt die beste Wahl. 

Füllwörter in verschiedenen Contentformaten

Aber nicht nur die Tonalität kann einen Gebrauch von Füllwörtern begünstigen. Bei der Verwendung von Floskeln spielt das Contentformat ebenfalls eine Rolle. Es ist klar, dass in Podcasts stärker Füllwörter verwendet werden als in einem klassischen Blogartikel. Die gesprochene Sprache lebt mitunter von Füllwörtern, die dabei helfen, dem Redner Charakter zu geben. 

Überlege Dir also vorher, welches Contentformat Du wählst, welche Zielgruppe Du ansprechen willst und mit welcher Sprache Du diese am besten triffst.

Gibt es negative und positive Füllwörter?

Dementsprechend solltest Du dann die Verwendung von Füllwörtern einplanen oder nicht. Dabei stellst Du Dir sicher die Frage: Welche Füllwörter darf ich verwenden? Gibt es negative und positive Füllwörter? 

Ich kann Dir mit Sicherheit sagen, dass die Füllwörter “ja”, “halt” oder “eben” so gut wie nie positiv im Satz auftauchen. Diese Füllwörter werden wirklich nur im Gesprochenen verwendet und sollten idealerweise nicht in Deinem Text auftauchen. 

Füllwörter: Nonsense oder notwendig?

Du siehst anhand meiner Beispiele: Das Füllwortmobbing ist in diesem Maße ziemlich unberechtigt. Denn Füllwörter sind für lebendige Texte unablässig. Sie können durch ihre flexible und vielfältige Einsetzung einzelne Sätze leicht miteinander verbinden und ermöglichen somit einen einwandfreien Lesefluss. 

„Das Problem ist der Umgang mit den Worten, anstatt die Worte selbst.”

Ann-Kristin Iwersen

Darüber hinaus akzentuieren sie – wenn auch nur im kleinen Maß – die Aussage des Textes und treffen den richtigen Ton für die eigene Zielgruppe. Deshalb sind sie im richtigen Rahmen definitiv kein Nonsense, sondern eher Notwendigkeit für Texte.

Allerdings sind bei sehr formellen Texten in alteingesessenen Unternehmen, in traditionellen Branchen oder auch bei businnessorientierten, konservativeren und / oder älteren Zielgruppen zu viel Emotion und Lebendigkeit fehl am Platz. Hierbei solltest Du weitestgehend auf Füllwörter verzichten. Diese Texte können faktenbasierte Berichte, Studienarbeiten für die Uni oder Artikel aus dem Finanzbereich sein. 

5 Tipps für eine gelungene Texterstellung

Nun weißt Du, wie Du Füllwörter erkennen kannst. Jedoch gehört zu einem guten Text mehr als die richtige Verwendung von Füllwörtern. Hier gebe ich Dir 5 Tipps, wie Du als Autor einen lesbaren Text schreiben kannst bzw. worauf Du als Auftraggeber bei der Textannahme achten solltest: 

1. Füllwörter angemessen verwenden

Auch wenn Füllwörter nicht viel zu der Aussage des Textes beitragen, sind sie für einen guten Lesefluss unablässig. Jedoch können sie auch Deine Formulierungen aufblähen und den Satz unnötig in die Länge ziehen. 

Achte also beim Schreiben Deines Textes darauf, die richtigen Füllwörter an den richtigen Stellen im richtigen Maß zu verwenden. Lies Dir den Text im Anschluss am besten nochmal durch und nimm den nötigen Feinschliff vor, indem Du unnötige Flickwörter streichst.

2. Direkte Ansprache wählen

Eine direkte Ansprache trägt zu einem aktivierenden Text bei. Dadurch fühlt sich der Leser mehr abgeholt und kann leichter eine Verbindung zu Deinen Inhalten und infolgedessen auch zu Dir aufbauen. So können loyale Kundenbindungen schneller und einfacher entstehen.

Ruf Dir also beim Schreiben immer wieder in Erinnerung, Passivformulierungen und die “man”-Anrede zu vermeiden und den Leser direkt anzusprechen. Selbstverständlich solltest Du bei der Anrede aber auch auf die gewünschte Tonalität des Unternehmens achten und zwischen Euch-, Du- und Sie-Anrede unterscheiden. 

3. Auf die jeweilige Zielgruppe eingehen

Beherzige bei der Textoptimierung sowie bei der Texterstellung immer die Customer Journey. Für welche Zielgruppe soll der Content geschrieben werden? Wo steht die angesprochene Zielgruppe im Funnel? Sind die Leser Neukunden oder Bestandskunden?

Dementsprechend muss der Text anders formuliert und strukturiert werden. Neukunden und Bestandskunden eines Unternehmens sind zwei völlig andere Zielgruppen, die beide in der Folge auch unterschiedlich angesprochen werden müssen. Während Bestandskunden die behandelten Thematiken kennen, musst Du Neukunden an erklärungsbedürftige Inhalte heranführen. 

4. Roter Faden verfolgen

Der rote Faden in einem Artikel ist immens wichtig. Andernfalls läufst Du Gefahr, dass der Artikel zu verwirrend für die Leser ist. Am Ende sind sie nicht abgeholt und konnten  keinen Mehrwert aus dem Text ziehen. Die Folge daraus ist höchstwahrscheinlich eine hohe Absprungrate der Nutzer, die auch sicherlich nicht zurückkommen werden. 

Überlege Dir am Anfang Deines Texterstellungsprozesses, wie Du den Artikel aufbauen möchtest. Eine sinnvolle Überschriftenstruktur mit einer einzelnen H1, mehreren H2-Überschriften und möglicherweise auch ein paar H3-Überschriften trägt enorm zu einem roten Faden bei und unterstützt das heutzutage viel eingesetzte Scannen von Inhalten. Zu einem strukturierten Text gehören eine Einleitung, der Hauptteil und ein Fazit. Das Fazit sollte niemals fehlen und auch in der Einleitung solltest Du nicht mit der Tür ins Haus fallen. Stelle sicher, dass Du alle Bauteile eines Textes eingefügt hast.

5. Multimediale Inhalte nutzen

Gestalte Deinen Content abwechslungsreich. Denn jeder Nutzer wird von einer Textwüste erschlagen. Anders als bei Diplomarbeiten und Abhandlungen soll der Leser Lust haben, Deine Inhalte zu verfolgen. Wollen, nicht müssen, ist hier das Stichwort! Dabei sind Textwüsten eher hinderlich. 

Verlass Dich deshalb nicht nur auf das geschriebene Wort, sondern baue nach Möglichkeit zusätzlich Bilder, Videos, Podcasts und Tabellen in Deine Contentstücke ein. So werden mehrere Sinne des Nutzers angesprochen. Damit bietest Du Deiner Zielgruppe ein ganzheitliches Erlebnis und steigerst die User Experience.

Wie Du Content Marketing richtig aufbaust

6. Mein Bonus-Tipp: Nimm Dir die nötige Hilfe!

Es gibt jede Menge Tools, die Dich bei der Texterstellung sowie bei der Textprüfung unterstützen können. Neben Termlabs.io, das den Artikel auf Keywords überprüft, und dem LanguageTool, das Rechtschreib- und Grammatikfehler markiert, verwenden wir auch die Premium-Version von Wortliga.

Quelle: Screenshot aus Wortliga

Quelle: Screenshot aus Wortliga

 

Dadurch weißt Du direkt, welche Aspekte Du im Text noch optimieren musst, und kannst gezielt an die Verbesserung herangehen. Natürlich gibt es zu Wortliga auch eine kostenfreie Version, die jedoch mit ein paar Einschränkungen verbunden ist.

Probier es doch mal aus. Vielleicht hilft Dir das Tool, Deinen Text zu verbessern. 

Aber Achtung: Diese Tools ersetzen keinen menschlichen Verstand! Erwäge selbst, ob Du den Empfehlungen Folge leisten willst oder nicht. Denn nicht immer haben die Optimierungen auch ihre Berechtigung.

Füllwörter vermitteln Emotion und Lebendigkeit

Egal, ob Du nun selbst textest oder die Texter instruierst: Du weißt jetzt, wann Du Füllwörter in den Texten einbinden solltest. Nämlich sobald Du beim Leser Emotionen wecken möchtest. 

Füllwörter können den Unterschied zwischen einem langweiligen Textstil und einer hervorragenden Textqualität ausmachen. Deshalb ist es überhaupt nicht schlimm, ab und an Füllwörter in seine Formulierungen aufzunehmen. 

Wichtig dabei ist nur, das richtige Maß zu treffen! Lies Dir am Ende Deinen Text noch mal durch und streiche alle Füllwörter, die nicht unbedingt notwendig sind, aber behalte die Wörter, die den Text rund und leserlich machen. Denn das Gefühl, dass alles passt und der Artikel im Fluss ist, macht einen guten Text aus. Und das ist nur zu schaffen, wenn Füllwörter ein Bestandteil des Textes sind.

Bist Du anderer Meinung? Hinterlasse gern einen Kommentar.

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